Fine Dining

Das Prism in Charlottenburg

Nächster Osten: Ausgerechnet in Berlin sollte Gal Ben Moshe die Aromen seiner Heimat entdecken. Mit dem Prism hat der israelische Koch seinen Platz gefunden

Foto: Ben Fuchs

Gal Ben Moshe war vor gut sechs Jahren aus Tel Aviv nach Berlin gekommen, um ausgerechnet in dieser gewesenen kulinarischen ­Diaspora aufreizend international zu kochen. Franzö­sisch grundiert und in den Knalleffekten der Molekularküche bewandert, fand sein Restaurant Glass – kurios untergebracht im verglasten Sockelgeschoss eines 70er-Jahre-Baus in der Uhlandstraße – zu vielen schönen und kulinarisch mutigen Momenten. Letztlich sollte es dieser zu expliziten Edelproduktküche aber an Körper und Geschichte fehlen. Am meisten ­fehlte beides wohl Gal Ben Moshe selbst.

Und so sollte der noch immer junge Koch ausgerechnet in Berlin die Aromen seiner israelischen Heimat entdecken, die Küche der ­Levante. Gal Ben Moshe hat sich mit beinahe kindlicher Begeisterung durch die Gemüse­läden und Grilllokale der Sonnenallee geschmeckt. Tahine statt Fois Gras.
Armenische Gurke statt französischem Trüffel. Oder doch all das nebeneinander, im neuen Restaurant in der Fritschestraße, das, nach dem über all die Jahre doch immer improvisierten Glass, nun endlich ein richtiges ist. Mit einem Holzkohlegrill für die Röstaromen am Lamm und am butterzarten Pulpo. Mit selbstgepökelter Pastrami vom Kamel. Mit Private Dining Room in der Altbauwohnung über dem Gastraum.

Spektakulär darf es dabei durchaus noch ­immer werden. So wird der Fond zur Wachtel am Tisch im Syphon erhitzt, um wirklich das ganze, kräftige Aroma aus der Kaskade zu kitzeln. Spektakulär bleibt aber vor allem, wie einleuchtend und vollmundig Ben Moshes Küche nun schmeckt. Ist das Prism also das feinste unter den ganzen neuen arabisch-isra­elischen Restaurants der Stadt? Oder doch Berliner Fine-Dining-Adresse mit den weitgereisten Aromen? Apropos: Unter der Woche gibt es acht Gänge für 55 Euro pro Person künftig zum tischweisen Teilen. Auch das lässt das Prism angenehm nahbar werden.

Die Weinbegleitung von Jacqueline ­Lorenz weiß um Spätlesen von der Mosel, reife Italiener und die Sonnenlagen des Libanons. Besonderes wird, wie schon im Glass, auch glasweise ausgeschenkt.

Prism Fritschestr. 46, Charlottenburg, Tel. 54 71 08 61 Di–Sa ab 18 Uhr, www.prismberlin.de

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