Kino & Film in Berlin

„Das Schreiben und das Schweigen“ im Kino

Lyrik im Irrgarten: Eine Dokumentation von Carmen Tartarotti über die Dichterin Friederike Mayröcker.

Das Schreiben und das Schweigen

Man muss sich das Schreiben der Friederike Mayröcker wie ein launisches Tier vorstellen. Ein Tier, das in einer Papierhöhle haust, einem Irrgarten aus Zettelkästen, Plakaten, Briefen, in dem es seine Pfade ganz genau kennt. Die Dichterin ist mehr überforderte Tierpflegerin als stolze Dompteuse und bekennt sich in Carmen Tartarottis Dokumentarfilm „Das Schreiben und das Schweigen“ zur Poesie als selbstüberlistendes Handwerk, das auf soliden „Kochrezepten“ und einer guten Portion magischem Denken fußt. Und viel Mühe macht: „Die Sprache strengt mich so furchtbar an, ich mag nicht sprechen. Und auf dieser Grundlage werden wir unseren Film aufbauen.“
Carmen Tartarottis zweiter Film über die eigenwillige Lyrikerin lebt von der abwartenden Aufmerksamkeit der Filmemacherin und der umwerfend selbstironischen Schrulligkeit der 85-jährigen Mayröcker, bringt das Leben in der Kunst zum Funkeln und könnte so glatt als Film zum Buch wirken – als Film, der zu den Büchern führt wie in der Sprache eh immer eins zum andern, im Sinne des berühmten „etc.“, das so viele ihrer Verse beendet.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Das Schreiben und das Schweigen“ im Kino in Berlin

Das Schreiben und das Schweigen, Deutschland/Italien/Österreich 2009; Regie: Carmen Tartarotti; 93 Minuten

Kinostart: 14. Oktober

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare