Werkschau

„Das Unheil“ von Peter Fleischmann

Zu Unrecht vergessen: Peter Fleischmann und sein wiederentdecktes Meisterwerk „Das Unheil“

Foto: Hallelujah Film

Aus den Fabrikschornsteinen quillt giftiger Rauch, die Fische verenden, vor der Kirche versammeln sich die Heimatvertriebenen, um gegen die Ostpolitik Willy Brandts zu protestieren, während ein Bundeswehrdeserteur mit der Freisetzung eines entwendeten Kampfstoffes ein Fanal setzen will. Und mittendrin der Oberschüler und Pfarrerssohn, der sich eher treiben lässt durch das Geschehen: Es ist ein böses, unheilschwangeres Bild der deutschen Provinz, das Peter Fleischmann 1972 in seinem Film „Das Unheil“ (Foto) entwarf, unterstützt vom Schriftsteller Martin Walser (Dialoge) und vom Kameramann Dib Lufti (zuvor für das brasilianische Cinema Novo Glauber Rochas tätig), der hier den Figuren nah auf den Fersen bleibt und mit der Autonomie der Kamera das Nebeneinander der Geschehnisse unterstreicht.

Die Premierenkritiken waren damals verheerend, woraufhin der Film weitgehend ungesehen blieb. Erst beim diesjährigen Filmfest München konnte man ihn in einer restaurierten Fassung wiederentdecken – auch ein Geburtstagsgeschenk für Peter Fleischmann zu dessen 80. Geburtstag. Jetzt ist „Das Unheil“ an drei Abenden im Babylon (Mitte) zu sehen (5.-7.10.), flankiert von sieben weiteren Filmen des Regisseurs, die bei ihrer Premiere ebenfalls oft angefeindet wurden, darunter der kommentarlose Dokumentarfilm „Herbst der Gammler“ (1967), „Jagdszenen aus Niederbayern“ (1969) und „Dorotheas Rache“ (1974), Fleischmanns Parodie auf Aufklärungs- und Sexfilme. Mit seinem bislang letzten Film, der Dokumentation „Mein Freund, der Mörder“ (2006) knüpfte der Regisseur an „Der Al Capone aus der Pfalz“ an, sein 20 Jahre zuvor gedrehtes Porträt Bernhard Kimmels.
Einige Monate nach der verheerenden Premiere von „Das Unheil“ lief der Film übrigens beim Festival von Cannes, wo er mit dem Prix Luis Buñuel ausgezeichnet wurde. Nicht unpassend für einen Filmemacher, der bei aller Nüchternheit der Beobachtung immer auch einen Hang zum Absurden hatte.

Das Kino von Peter Fleischmann Babylon Mitte, bis 8.10.

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare