Kunst und Museen in Berlin

Das Universum Klee in der Neuen Nationalgalerie Berlin

Mit dem Universum Klee wird in der Neuen Nationalgalerie der Höhepunkt des Kults der Künstler gefeiert

Pau Klee 1930„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar“, dekretierte Paul Klee 1920. In diesem Jahr berief ihn Walter Gropius an das Bauhaus, wo er offiziell künstlerischer Leiter der Buchbinderei wurde. Vor allem aber erteilte er seinen Schülern Unterricht in „Compositionslehre“. Hiermit sind die beiden Spannungspole von Klees Schaffen markiert: das irrlichternde Suchen und kindliche Erspüren kosmischer Ur- und Abgründe – und das Gestalten kosmischer Gesetzmäßigkeiten nach durchaus systematischen Gesichtspunkten. In lockeren Zellenverbänden lässt der Künstler seine Bilder zuwuchern. Der oftmals raue Malgrund – das buchstäblich Stoffliche der Jute – steigert die Sinnlichkeit. Man glaubt, dem schöpferischen Prozess selbst beizuwohnen, dem zyklischen Wachsen und Vergehen. Alles fließt, sprießt, schlingert, pulsiert. Die ausgeprägte Musikalität Klees unterwirft all seine Bilder einem bestimmten Rhythmus.

Was derzeit in der Neuen Nationalgalerie zu sehen ist, ist das Werk eines manisch-melancholischen Demiurgen. „Die Faszination von Klees Werk geht vor allem auch davon aus, dass er ein ganzes Universum im Kleinformat präsentiert“, meint Christina Thomson, Kuratorin der Schau. Das Universum Klee wird ausgemessen von Kapiteln wie der „Kindheit“ über den „Eros“ und die Themen „Natur“ und „Theater“ bis zur „Religion“ sowie der die Werke sanft grundierenden Melancholie. Dabei hatte Klee eine entschieden humoristische Ader, wenn er etwa „Brauende Hexen“ bei ihrem luziferischen Schabernack zeigt. Paul Klee 1921Oder wenn er die „Kargen Worte des Sparsamen“ wortwörtlich nimmt und auf die Rudimente „Krg“ und „Wrt“ zusam­menschnurren lässt. Die Natur war für ihn ausdrücklich die „conditio sine qua non“. Immer wieder entführt uns der Künstler in seine betörend-schönen Gartenreiche, welche für ihn in idealer Weise die gebändigte Natur repräsentierten. Die Ausstellung demonstriert nicht allein, wie frisch Klees Њuvre bis heute wirkt, sondern faltet auch die enorme Bandbreite und Vielschichtigkeit des Bildermagiers aus.

Text: Martina Jammers

tip-Bewertung: Herausragend

Das Universum Klee
Neue National­galerie,
Potsdamer Straße 50, Tiergarten,
Di-So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, bis 8.2.2009

 

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