Theater und Bühne in Berlin

Death, Dance and some Talk in den Sophiensaelen

Michael Laub zeigt seine Uraufführung "Death, Dance and Some Talk" in den Sophiensaelen. Wir haben den britischen Choreografen bei den Proben besucht

michael_laub„Ich bin total enttäuscht, wir wollten doch ein ernstes Stück machen“, sagt der Performer Robert Gather auf der Bühne zu einem Kollegen. Aber dann ist „Death, Dance and Some Talk“ doch eher eine Komödie geworden. Eine verrückte, morbide und nach dem Probeneindruck zehn Tage vor der Premiere zu urteilen, großartige Show über den Tod, in der die Akteure Todesszenen aus der Tanzgeschichte zitieren und sich über Sachen wie B-Movies mit Hollywood-Star Vincent Price austauschen. „So ist das immer“, erklärt der britische Avantgarde-Choreograf Michael Laub: „Wenn ich versuche, komisch zu sein, kippt es ins Gegenteil, und wenn ich ernst sein will, ist es genauso.“

Dabei ist der Ausgangspunkt für „Death, Dance and Some Talk„, das Laub mit fünf Darstellern in Berlin erarbeitet und an den Sophiensaelen uraufführen wird, ziemlich ernst: Mehrere dem Choreografen nahestehende Menschen sind in letzter Zeit gestorben. „Aber wie soll man mit dem Tod fertigwerden, wenn man nicht über ihn lacht?“, fragt Laub. Und dann gibt es da noch etwas. Nämlich Michael Laubs eigene Ratlosigkeit, was seine Arbeit betrifft. In den 80er- und 90er-Jahren zählten Michael Laubs Stücke, neben denen von Jan Lauwers und Jan Fabre, zu den herausragenden Werken der europäischen Tanztheater-Avantgarde. Fast jede seiner großen Gruppenarbeiten, die „Rough“, „Planet Lulu“ oder „Total Masala Slammer“ hießen, war in Berlin beim Tanz im August zu sehen.

Schon damals hat Michael Laub gerne alles mit allem vermischt. Etwa Schauspieler tanzen und Tänzer schauspielern lassen, weil sie, wie er fand, auf fremdem Terrain nicht so eingefahren sind. Und schon immer hat er gern abseitige Darstellerpersönlichkeiten aufgelesen und alles durcheinandergehen und wie eine einzige, große Probenkrise aussehen lassen. Am Ende hat er auf diesem Weg dann natürlich doch eine Geschichte erzählt. 1981 gründete Laub seine Gruppe Remote Control Productions. Er ist jetzt schon über 30 Jahre im Geschäft. Und „Death, Dance and Some Talk“ erzählt auch davon. Es wirkt alles sehr, sehr müde. Und erstaunlicherweise ist das alles andere als langweilig, sondern geradezu zauberhaft. Immer schon waren Laubs Stücke Arbeiten über das Arbeiten selbst. Das, was auf den Proben passierte, ist als eine Realitätsebene, als integraler Teil, mit in das Stück eingeflossen.

„Die Müdigkeit, die man in diesem Stück spürt“, sagt Laub, „ist meine eigene. Es ist meine Müdigkeit an der Form.“ Die Müdigkeit an all dem, was er längst viel zu souverän beherrscht: Dem Mischen von Laien und Professionellen, dem Ausstellen der Produktion von Gefühlen und all den anderen Ingredienzien, die zu einem Laub-Stück dazu gehören. Und weil es Laub so geht, ist dieses übersättigte Wissen um die eigenen ästhe­tischen Möglichkeiten mit in „Death, Dance and Some Talk“ eingeflossen. Wie ein alter Showmaster lässt Laub noch einmal ganz entspannt die Puppen tanzen. Lässt die Tänzer etwa schnippen zu ihren Schritten, damit alles nach einer Probe aussieht. Aber dann kommt einer und noch einer dazu, und dann erklingt Musik, und obwohl die Tänzer immer noch das gleiche machen, ist es einfach schön anzuschauen.


So geht es unaufhörlich. Und mittendrin in dem ganzen Zirkus, in den Geschichten um die tote Oma und den alten Tanzlehrer etwa, der noch einmal den Tod aus Kurt Joos’ berühmtem Antikriegsstück „Der Grüne Tisch“ tanzen wollte und sich dafür die Hüftgelenke operieren ließ, schimmert eine große Trau­rigkeit durch. Vor zehn Jahren hat Michael Laub für sich ein neues Theaterformat erfunden, das des Porträts. Er hat es vor allem aus der Porträtfotografie entwickelt. „Diese Art von gestohlenen Momenten und von brutalem Realismus, die Fotografien von Menschen eigen ist, die nicht wissen, dass sie fotografiert werden“, sagt er, „die fasziniert mich.“

Gleiches gilt für das andere Extrem. Für die Porträts von Robert Mapplethorpe etwa, denen man ansieht, dass es Stunden allein für das Licht braucht. Wo die Künstlichkeit zur größten Qualität des Bildes wird. Laub hat inzwischen Porträts an vielen Orten, unter anderem dem Hamburger Schauspielhaus und dem Wiener Burgtheater ins­zeniert. Und dabei neben den Schauspielern auch die Putzfrauen engagiert, die seit Jahrzehnten die Bühne putzten und viele Generationen von Intendanten hatten kommen und gehen sehen. Oder die Chauffeure. Anders als in anderen Gruppenstücken gab es für „Death, Dance and Some Talk“ kein Skript. Als sie mit den Proben begannen, wusste Laub nicht, wie es anfangen und wie es enden wird. In den Porträts geht es um die Porträtierten und um die Weisen, wie Laub ihnen begegnen kann. „Aber das hier“, sagt er jetzt, „ist wohl auch ein wenig ein Stück über mich selbst geworden.“

Text: Michaela Schlagenwerth

Fotos: Monika Rittershaus

Death, Dance and Some Talk

Sophiensaele, 23., 25.-27.2., 20 Uhr, Karten unter 283 52 66

 

THEATER UND BÜHNE IN BERLIN VON A BIS Z

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare