Musik & Party in Berlin

Deftones im Huxleys

Reinigend: Noch immer sind die Musiker aus Sacramento Meister auf der Gefühlsklaviatur.

Deftones

Licht und Dunkelheit, Euphorie und Melancholie, Liebe und Aggression – keine andere Band versteht es derart meisterhaft, diese Extreme zu einem organischen Ganzen zusammenzufügen. Mögen Sacramento’s Finest auch mit der Welle des Nu-Metal auf die internationale Bühne gespült worden sein: Mit der inszenierten Übergeschnapptheit Korns oder dem Machismo Limp Bizkits hatten sie nie viel gemein. Dafür waren sie zu atmosphärisch, zu intensiv, zu real. Förderlich hierbei war und ist sicherlich, dass die Deftones verschiedenste Charaktere vereinen. Gitarrist Stephen Carpenter ist ausgewiesener Metalhead, während Frontmann Chino Moreno The Cure und Duran Duran vergöttert; Drummer Abe Cunningham gibt gern den Klassenkasper, Turntablist Frank Delgado ist die Coolness in Person. Diese Konstellation führte die Deftones zuweilen an den Rand der Auflösung. Doch selbst der üble Autounfall ihres Bassisten Chi Cheng im Jahr 2008, von dem dieser sich noch immer nicht erholt hat, warf sie nicht aus der Bahn. „Musik hat einen heilenden Charakter für uns“, kommentierte Moreno den Einschnitt damals. Nach „Koi No Yokan“, dem neuen Deftones-Album, zu urteilen, scheint dies immer noch der Fall zu sein. Die Platte ist eine ihrer stärksten, denn erneut gehen das knochentrockene bis überhallige Gitarrenspiel, der zwielichtige Gesang und diese unerhörten Schlagzeug-Grooves jene mächtige Allianz ein, die auf einer ganzen Gefühlsklaviatur zu spielen vermag.

Text: Roy Fabian

Foto: WMG

Deftones + Letlive, Huxleys, Di 26.2., 20 Uhr, ausverkauft

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