Akt politischer Schönheit

„Denkmal der Schande“ vor Björn Höckes Haus fertiggestellt

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet heute in Bornhagen (Thüringen) eine Außenstelle Direkt vor Björn Höckes Grundstück im Thüringischen Eichsfeld wurden 24 massive Betonstelen errichtet, er selbst hatte das Holocaust-Mahnmal im Januar als „Denkmal der Schande“ bezeichnet. Das Zentrum für Politische Schönheit wohnt seit fast einem Jahr Zaun an Zaun neben dem AfD-Politiker und hat ihn beobachtet

Berlin, 22. November. Es braucht Zonen der Ruhe, damit Brandstifter sich entfalten können. In Björn Höckes „Bullerbü“ (O-Ton Höcke) steht seit heute ein Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals. Das Zentrum für Politische Schönheit hat 24 Betonstelen vor dem Garten des thüringischen AfD-Chefs im malerischen Bornhagen aufgestellt. Höckes Schafe grasen zwischen den monumentalen Scheingräbern.

Um die Finanzierung des Denkmals zu sichern, ist die Zivilgesellschaft auf www.deine-stele.de zu Spenden aufgerufen. Für die nächsten zwei Jahre sind für Bau und Betriebskosten 28.800 Euro veranschlagt. Das Mahnmal steht auf dem direkten Nachbargrundstück zu Björn Höcke, das das ZPS nach der sog. „Dresdner Rede“ im Januar 2017 verdeckt angemietet hatte. In der Rede hatte Höcke das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet und „eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert.

Das ZPS beobachtet seit zehn Monaten aus der Nachbarschaft das Treiben des Thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden in seinem selbst ernannten „Refugium“. Laut ZPS handelt es sich um „die aufwendigste Langzeitbeobachtung des Rechtsradikalismus in Deutschland“.

Das ZPS schlägt Björn Höcke einen Deal vor: Wenn er sich bereit erklärt, vor dem Mahnmal – in Berlin oder Bornhagen – auf die Knie zu fallen wie einst Willy Brandt, um für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs um Vergebung zu bitten, würde die zivilgesellschaftliche Überwachung vorerst eingestellt. Andernfalls wird die Zivilgesellschaft in die gewonnenen Erkenntnisse unter dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ mit einbezogen. Mehrere aufschlussreiche Dossiers stehen zur Veröffentlichung bereit.

„Wir haben das Mahnmal aus der deutschen Hauptstadt um 180 Grad gedreht“, erklärt Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS. „Wir wollen und können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht auf sich beruhen lassen. Auch nicht nach fast einem Jahr ohne Distanzierung. Die Erinnerung muss gerade in den braunen Ecken des Landes in Beton gegossen werden.“

Höcke hatte 2011 und 2012 nationalsozialistisches Gedankengut unter dem Namen Landolf Ladig in NPD-Zeitschriften veröffentlicht. Er forderte 2014 in einer Mail die Abschaffung des Paragrafen zur Holocaustleugnung (§ 130 StGB). In Kundgebungen fantasiert er des Öfteren „eine tausendjährige Zukunft“ für Deutschland. Gegenüber ausländischen Medien bezeichnete er es als Problem, „dass man Hitler als das absolut Böse darstellt“. In der „Dresdner Rede“ sagte Höcke im Ballhaus Watzke vor jubelndem Publikum wörtlich: „Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande ins Herz gepflanzt hat.“ Durch die permanente Aufarbeitung des Holocaust wird „die Geschichte, die deutsche Geschichte mies und lächerlich gemacht. So kann es und darf es nicht weitergehen. Und so wird es nicht weitergehen, liebe Freunde.“

Innerhalb der AfD wurde früher ein Ausschlussverfahren gefordert. Vor den Bundestagswahlen 2017 hatte der jetzige Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland Höcke jedoch als „Seele der AfD“ und nächsten Bundesvorsitzenden ins Spiel gebracht. Damit würde nur 72 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus ein verkappter NPD-Funktionär hochoffiziell bundesweit in einer Partei mit zweistelligem Wahlergebnis sein Unwesen treiben. Mit der aktuellen Aktion verwandelt das Zentrum für Politische Schönheit Höckes „Denkmal der Schande“ in ein Mahnmal der Verantwortung und gibt ihm die Gelegenheit, den Grundstein für einen zeitgemäßen Umgang mit der deutschen Geschichte zu legen. Schande belastet nur so lange, wie aus ihr kein Verantwortungsbewusstsein entsteht.

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