Stadtleben und Kids in Berlin

Der Allgemeinwohl-Lobbyist: Stefan Krug von Greenpeace

Greenpeace-Mann Stefan Krug hält die These, dass der direkte ?Einfluss der Wirtschaftsvertreter gesunken ist, für "totalen Unsinn".

Stefan Krug von Greenpeace in Berlin

Als Leiter der Politischen Vertretung von Greenpeace Deutschland macht Stefan Krug im Grunde dasselbe wie jeder andere Lobbyist: die Interessen seines Arbeitgebers bei den Politikern durchsetzen. Er lädt Parlamentarier zu Infoabenden ein, geht zu öffentlichen Anhörungen oder nimmt an Podiumsdiskussionen teil. Mit den Vertretern der großen Interessenverbände oder Politikberatungsagenturen möchte er aber nur ungern in einem Atemzug genannt werden. „Ich mache schließlich Lobbyarbeit für das Allgemeinwohl„, sagt er.
Und das ist für ihn meist ein sehr ungleicher Kampf. Denn gegen die Allmacht der Wirtschaftslobby kommt Krug oft kaum an. „Die finanzielle Power und die Vernetzung sind gigantisch“, sagt er. Die Wirtschaftsvertreter besäßen Druckmittel, die Greenpeace nicht habe – aber auch nicht haben wolle. Wie etwa die Drohung, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Die These mancher Branchenvertreter, dass der direkte Eingriff in den letzten Jahren nachgelassen habe, bezeichnet Krug als „totalen Unsinn“. Im Gegenteil: „Ich bekomme von Abgeordneten immer wieder Dokumente zugespielt, erste Gesetzesentwürfe zum Beispiel, bei denen einzelne Passagen eins zu eins von Verbänden stammten, also die Copy-and-paste-Funktion benutzt wurde.“
Die Abgeordneten würden sich bei ihm regelrecht beklagen, dass sie von einem Heer von Lobbyisten bedrängt werden. „Die erzählen dann von mehreren Anrufen am Tag, von zahlreichen E-Mails und Briefen“, sagt Krug. „Zu uns kommen sie, weil ihnen der Kopf schwirrt und sie endlich mal ein paar Informationen erhalten wollen, die nicht aus der Industrie stammen.“
Doch auch Greenpeace hat seine ganz eigenen Druckmittel: Das sind zum einen die mehr als 600?000 Mitglieder – aber viel wichtiger: eine hohe Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Bevölkerung. „Wir sind eine starke Marke“, sagt Krug. „Wir können durch öffentliche Aktionen den Politikern ganz schön Dampf machen.“
Das wissen die Abgeordneten auch ganz genau – und versuchen deshalb, die Umweltschutzorganisation so weit wie möglich mit einzubeziehen. Auch das ist eine Art von erfolgreichem Lobbyismus.

Text: Johanna Rüdiger

Foto: Noel Matoff / Greenpeac

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