Stadtleben und Kids in Berlin

Pol Rodriguez – Der Beseelte

Früher: Bauleiter. ?Jetzt: Filmemacher. ?Pol Rodriguez suchte seine innere Balance – und fand ?seine wahre Berufung

Pol_Rodriguez_DvB_06Filmemachen hat für Pol Rodriguez etwas von Yoga. Geist und Körper sind fokussiert, agieren im gleichen Takt. Ein Zustand der inneren Balance. Wie sich ein Job, der nur den Verstand trainiert, auf Psyche und Zufriedenheit auswirkt, weiß Pol nur zu gut. Drei Jahre lang arbeitete der 34-jährige gebürtige Spanier als technischer Ingenieur in Granada, überwachte und dirigierte den Bau von Gebäuden und beschäftigte sich überwiegend mit Zahlen. “Meine kreative und künstlerische Seite kam viel zu kurz“, erinnert sich Pol zurück.

“Ich habe mich persönlich nicht weiter entwickelt.“ Diese Erkenntnis brauchte ihre Zeit. “In meinen 20ern habe ich nicht so bewusst gelebt. Ich war nicht glücklich, aber ich wusste lange Zeit nicht, woran das liegt.“ Nach einigen schwierigen Monaten, in denen er immer wieder intensiv in sich hineinhorchte, beschloss Pol, das zu tun, was ihm eigentlich immer Spaß gemacht hatte: Filme drehen, für Werbung etwa, von der Konzeption bis zur Realisierung: “Das hat meine Seele gerettet.“

Während die Familie Angst um seine Karriere hatte, zeigten sich seine Freunde verständnisvoll, ja: fast neidisch. “Wir stecken doch alle irgendwie in der Vorstellung fest, etwas ändern zu wollen. Aber Gründe, warum man es doch nicht tut, findet man eben schnell“, meint Pol. 2011 zog er nach Berlin, eine Stadt mit „Change Spirit“, wie er sagt. “So viele Leute kommen hierher, um sich zu verwirklichen, neu anzufangen. Das ist ansteckend.“

Wo er jetzt bei der Arbeit die größte innere Ausgeglichenheit spürt? Wenn er Hochzeitsfilme dreht: “Man denkt es vielleicht nicht, aber dafür braucht man Einfühlungsvermögen und Köpfchen.“

Text: Henrike Möller

Foto: David von Becker

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