Kino & Film in Berlin

„Der Biber“ im Kino

Jodie Foster beobachtet in "Der Biber" eine ungewöhnliche Selbst-Therapie.

Der_BiberWalter Black hat den Geschmack am Leben verloren. Er weiß nicht mehr, wie sich das anfühlt, wenn man morgens frühstückt, die Kinder sieht, der Frau einen Kuss gibt. Er spürt nichts, wenn er zur Arbeit fährt, und er sieht einfach dabei zu, wie seine Firma langsam in Schwierigkeiten gerät. Walter Black hat mit all dem nichts zu tun. Er ist schwer depressiv, verloren in sich selbst, unauffindbar für alle, auch die, die ihn gut kennen. Seine Ehe ist mehr oder weniger schon am Ende, als er mit einem höchst seltsamen therapeutischen Eingriff für einen Umschwung sorgt: Walter trägt nun eine Puppe auf dem linken Arm, einen Stoffbiber, als dessen Bauchredner er plötzlich wieder ein Verhältnis zu sich selbst entwickeln kann. Von dieser exzentrischen Kur erzählt Jodie Foster in „Der Biber“, mit dem sie in das dunkle Zentrum der Depression vorzudringen versucht – ohne die Geschichte darin zu verlieren.

Das Ergebnis ist ein radikaler Film, der auf halbem Wege vor den eigenen Konsequenzen zurückscheut: Wie Mel Gibson diesen Walter Black als monumentales Faltengebirge spielt, das zählt – auch aufgrund der privaten Vorgeschichte des Stars, der selbst mit Depressionen zu kämpfen hatte – zu den großen Momenten Hollywoods. Doch die bestürzenden Konsequenzen der Krankheit von Walter Black erzählt Jodie Foster dann eben doch vor allem als familienfreundlichen Film, in dem jeder aussichtslose Moment durch anderweitige Tröstungen zum Beispiel für den Teenagersohn (und eine durchlaufend schwer erträgliche Musik) entschärft wird.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Der Biber“ im Kino in Berlin

Der Bieber USA 2011; Regie: Jodie Foster; Darsteller: Mel Gibson (Walter Black), Jodie Foster  (Meredith Black), Anton Yelchin (Porter); 91 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 19. Mai

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