Kino & Film in Berlin

Der brasilianische Doku-Thriller „Manda Bala“ im Kino

Einen schusssicheren Wagen braucht man schon. Und am bes­ten auch gleich noch eine Waffe, um sich im Ernstfall verteidigen zu können.

Der reiche Geschäftsmann, der in „Manda Bala – Send a Bullet“ zu Wort kommt, hat sich darauf eingerichtet, dass in Brasilien heutzutage Entführungen, Raub und Mord in hoher Dosis offenbar zum Alltag gehören. In knapp 90 Minuten zeichnet der auf dem renommierten Sundance-Festival prämierte Dokumentarfilm ein Horrorbild dieses Landes, in dem die extreme Kluft zwischen Arm und Reich in einen Kriegszustand führt.
Dafür spricht der US-Regisseur Jason Kohn mit amputierten Entführungsopfern und Entführern, die ihr brutales Vorgehen als Business verstehen. Er zeigt rück­sichtslose Politiker, die allgegenwärtige Korruption und Froschfarmen, die zur Geldwäsche von staatlichen Entwicklungsgeldern dienen. Die Industrie (mit der Schusssicherheit der Autos) und die Schönheitschirurgie (mit der Rekonstruktion von abgeschnittenen Ohren) hingegen haben Wege gefunden, von dieser Situation zu profitieren.
Es sind kontrastreiche Beispiele, die in „Manda Bala“ mit einem Hang zur Sensation, aber auch einer visuellen Wucht illustriert werden, wie man sie in einem Dokumentarfilm selten findet. Weniger ein Dokumentarfilm als ein Brasilien-Thriller aus der Wirklichkeit.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Sehenswert

Manda Bala – Send a Bullet, Brasilien/USA 2007; Regie: Jason Kohn; Farbe, 85 Minuten

Kinostart: 15. Januar 2009

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