Kunst und Museen in Berlin

Der Galerist und Kurator Alexander Ochs

Er lebt für die Kunst und mit ihr: Nachdem er seine Galerie letztes Jahr überraschend geschlossen hat, zeigt er die Kunstwerke jetzt in seinen Privaträumen. Eine Nahaufnahme.

Alexander Ochs

„Es gibt manchmal sehr einfache Antworten“, entgegnet Alexander Ochs auf die Frage, warum er seine renommierte Galerie in der Besselstraße im vergangenen Jahr geschlossen hat. Seine einfache Antwort auf diese Frage ist eine persönliche: Nach 20 Jahren Pendeln zwischen China und Europa wollte er mehr Zeit für sich und andere Projekte haben.
Nun belebt Ochs die Idee des Kunstsalons neu: In drei Räumen seiner Privatwohnung in der Schillerstraße 15 zeigt er auf fast 300 Quadratmetern Werke befreundeter Künstlerinnen und Künstler, die der Öffentlichkeit nach Anmeldung zugänglich sind. Am 13. März hält das international bekannte Künstlerpaar Mwangi Hutter mit Videoinstallationen und Skulpturen Einzug. Gab es in der Vergangenheit schon Lesungen, große Essen mit chinesischer Nudelsuppe und Konzerte renommierter Komponisten, werden Ochs und sein Team genau diese Momente im Programm verstärken. So werden im Mai der „Paganini der elektrischen Violine“ Jon Rose und die Fluxus-Legende Ben Patterson erwartet.
Das abwechslungsreiche Format „Alexander Ochs Private“ ist eine Befreiung aus den festen Regularien des Kunstmarktes, in die der Galerist bisher eingespannt war. 2004 gründete Ochs den White Space in Peking, brachte den damaligen Bundeskanzler Schröder dorthin und unterstütze so den Widerstand gegen das vom Abriss bedrohte Künstlerviertel 798.
Er zeigte als erster Galerist in Berlin Ai Weiwei und initiierte später mit Freunden die Kampagne „Freiheit für Ai Weiwei“. Nicht zuletzt aus Protest gegen die zunehmende Repression gegen Künstler wir Zhao Zhao schloss er 2012 seine Pekinger Galerie und ist seither regelmäßig Gast bei Diskussionsforen und Kongressen in China.
„Dort, wo Freiheit ist, haben wir auch die Möglichkeit, etwas für die Künstler und die Kunst zu tun“, sagt Ochs über seine Rolle als Kunstvermittler. Jene Freiheit erlaubt ihm auch, sich als Kurator einem Großprojekt zu widmen: Parallel zum Osterfestkreis wird er den Berliner Dom mit der Ausstellung „Du sollst dir (k)ein Bild machen“ bespielen. Dafür wird die Tauf- und Traukirche zu einer fast schwarzen Holzskulptur ausgekleidet, die als Folie für die Werke von über 50 Künstlern dient, darunter Max Beckmann, Marina Abramovi?, Hans Arp und Micha Ullman.
Zentral ist dabei die Frage, wie Religionen mit künstlerischen Bildnissen umgehen und wie die Zeit den Blick auf historische Kunstwerke prägt. Die „neue Schule des Sehens“ nennt Ochs das.
Das Projekt wird mit 160?000 Euro öffentlich gefördert, 80?000 Euro davon kommen aus dem Hauptstadtkulturfonds. Es ist wohl das erste Mal, dass ein Galerist eine solche Summe staatlicher Gelder erhält. Ochs will mit diesen verantwortungsbewusst umgehen und die Ausstellung nicht zum Loblied auf das Christentum erheben: „Es geht nicht darum, etwas heiligzusprechen, sondern darum, Kunst zu zeigen, die frei ist.“ Eine politische Thematik also, die aktueller nicht sein könnte.
„Wir brauchen mehr Gespräch, mehr Offenheit, mehr Vertrauen“, sagt Alexander Ochs im Hinblick auf den Kunstmarkt. Das lässt sich auch auf die Gesellschaft übertragen. Und das ist es, was sich in dem gelben Haus in der Schillerstraße 15 seit Sommer letzten Jahres formiert: künstlerischer und damit auch gesellschaftlicher Austausch.

Text: Lea-Maria Brinkschulte

Foto: Uwe Gaasch

Turqouise Realm, Schillerstraße 15, Charlottenburg, Mo–Fr 12–18 Uhr, 13.3.–24.4.,
Anmeldung unter: müller@alexanderochs-private.com
www.alexanderochs-private.com

Du sollst dir (k)ein Bild machen
Berliner Dom, Am Lustgarten, Mitte, tgl. 10–19 Uhr (ab April bis 20 Uhr), Eröffnung So 1.3. ab 12 Uhr, bis 14.6.
www.du-sollst-dir-kein-bild-machen.de

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