„Der große Gatsby“ im Kino

Der große Gatsby

Baz Luhrmann („William Shakespeare’s Romeo + Julia“) hat Erfahrung mit der Transformation von Klassikermaterial in flashige Phantasien für junges Publikum, aber seine Fusion von Musicalformen, hyperemotionalisierter Clip-Dramaturgie und Resten ernsthafter Erzählung braucht einen passenden Gegenstand, um auch nur leidlich zu funktionieren. Fitzgeralds „The Great Gatsby“ ist einer der großen amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts, doch in Luhrmanns digitaler Phantasie, in der bunte Pixel alles und nuancierte Gefühle kaum noch etwas gelten, ist davon nichts zu spüren. Der Plot um den kriminellen Hochstapler-Millionär Gatsby (Leonardo DiCaprio), der seine große Liebe zurückgewinnen will und über seiner narzisstischen Manie alles verliert, wird aufs schlichte Skelett reduziert, der Erzähler Tobey Maguire wirkt so deplatziert wie fast alle Akteure in dieser aufgepumpten 3D-Kinophantasie. Amüsant ist der flashige Filmbeginn, der die orgiastische Partywelt in Gatsbys Anwesen vorstellt, aber sobald sich Luhrmann von den reinen Effekten entfernt, wird die Schwäche seines Unterhaltungskonzepts spürbar. Kein ernstzunehmendes Gefühl kann in dieser reinen Oberflächenwelt gedeihen, in der uncharismatische Akteur-Figuren die erwachsenen Probleme der Vorlage (die mit Mia Farrow und Robert Redford 1974 gültig verfilmt wurde) infantilisieren.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: 2013 Bazmark Film III Pty Limited / Courtesy of Warner Bros. Pictures

tip-Bewerung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Der große Gatsby“ im Kino in Berlin

Der große Gatsby (The Great Gatsby), Australien 2013; Regie: Baz Luhrmann; Darsteller: Leonardo DiCaprio (Jay Gatsby), Tobey Maguire (Nick Carraway), Carey Mulligan (Daisy Buchanan); 142 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 16. Mai 2013

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