Comic

Der letzte Teil des Neo-Noir-Westerns „Tyler Cross“

Fabien Nury und Brüno beenden ihren Neo-Noir-Western „Tyler Cross“

Carlsen

Die Geschichte ist fast schon klassisch: Im ersten Akt passiert das Verbrechen, im zweiten die Sühne. Im abschließenden dritten Akt erfolgt die Rehabilitation. Gerade eben aus dem Höllenknast Angola entkommen macht es sich der brettharte Berufsverbrecher Tyler Cross jetzt in Miami gemütlich. Wobei die Begriffe „Tyler Cross“ und „gemütlich“ eine contradictio in adiecto sind. Tyler hat kein Gewissen und er lebt in einer Welt, in der sich die 50er-Jahre und ihre Sicht auf die Welt für immer manifestiert haben: Alle rauchen Kette und Frauen kann man nicht trauen.

So verquer das klingt, aber mit dieser Trilogie hat der Vielschreiber Fabien Nury („Es war einmal in Frankreich“, „XIII“) vermutlich seinen bisher persönlichsten Comic geschrieben. Endlich mal muss er sich nicht um historische Korrektheit bemühen, braucht keine Recherche und kann problemlos vor sich hin spinnen. Herausgekommen ist eine Art zeitloser Jungsfilm auf Papier, geradeaus und lakonisch erzählt und mit Hilfe von Rückblenden auf komplex gemacht. Das ist hübsch, aber heutzutage nicht Jedermanns Sache. Dazu passt auch Brünos stilisierter, aufs Notwendigste reduzierter Zeichenstil und Hintergründe, die man freundlich als flächig bezeichnen kann.

Wer sich an der #metwo-Debatte beteiligt und gegenderte Texte mag, für den ist das hier nichts. Alle anderen werden einen Mordsspaß haben.

Tyler Cross von Fabien Nury und Brüno, Carlsen, bisher drei Bände, je 90 S., je 15.99 €