Theater und Bühne in Berlin

„Der letzte Vorhang“ im Renaissance Theater,

Huren mit gutem Gedächtnis: "Der letzte Vorhang" von Maria Gros führt am Renaissance Theater mit routinierter Selbstironie das Elend des Schauspielerdaseins vor.

DerLetzteVorhangDie Aufführung von „Der letzte Vorhang“, einem Stück der niederländischen Autorin Maria Goos, ist ziemlich exemplarisch dafür, wie Stücke im Renaissance Theater funktionieren. Man nimmt ein relativ neues Stück in deutschsprachiger Erstaufführung, das ein möglichst kleines Ensemble erfordert, engagiert dafür namhafte Schauspieler?– in diesem Fall Suzanne von Borsody und Guntbert Warns – und lässt sie sich von Regieeinfällen unbelästigt (Regie: Antoine Uitdehaag) in einem Wohnzimmer-Sofa-Ambiente austoben. Was Borsody und Warns anstellen, ist dann aber stellenweise durchaus beeindruckend. Das Stück wechselt ständig die Zeit- und Erzählebenen. Die Übergänge sind dabei textlich sehr abrupt, geschehen aber darstellerisch selbstverständlich beiläufig. Es geht um einen alternden, versoffen Bühnenstar, der mit einem stark an Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ erinnernden Stück an seinem Comeback arbeitet. Einige Kolleginnen hat er bereits vergrault. Seine letzte Chance ist seine alte Flamme von der Schauspielschule, die sich aus dem Beruf längst zurückgezogen und stattdessen einen wohlhabenden Gynäkologen und Kunstsammler geheiratet hat, der auch mal Kalauer vom Schlage „Schauspielerinnen sind Huren mit gutem Gedächtnis“ vom Stapel lässt.

Alle Rollen, einschließlich der in den Proben für das Stück im Stück, werden von Borsody und Warns übernommen. Verschiedene Varianten von Hass-Liebe-Suff-Beziehung, immer an der Kippe zur Selbstparodie. Mit der Zeit wird allerdings immer deutlicher, dass es nicht so sehr um den egomanischen Schauspielertypen geht, eine vom enfant terrible zum alkoholkranken alten Sack verfallene Witzfigur. Sondern um die Lebensentscheidungen dieser Frau, um ihre Zerrissenheit zwischen zwei Männern, zwei Existenzmodellen. Und wenn sie Ruhe und Frieden einer Bühnenkarriere vorzieht, wer wollte ihr das verdenken? Suzanne von Borsody gelingt eine schöne Wehmut. Anrührend, wie sie am Ende mit einer kleinen Geste andeutet, dass an ihrer Seite auf dem Sofa noch ein Plätzchen frei ist.

Text: Andreas Hahn

Foto: Barbara Braun/ drama-berlin.de

tip-Bewertung: Zwiespältig

Termine: Der letzte Vorhang
im Renaissance Theater

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