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Der Nahe Osten Berlins

Berlins Nordosten galt lange als hässlich bis bestenfalls öde. Die nun eröffnende IGA Berlin 2017 veranlasste den tip, einmal genauer hinzuschauen. Wir stellten fest: Es lohnt sich!

Foto: Frank Sperling

Die Bahnstationen heißen „Kaulsdorf“, „Springpfuhl“ oder „Karow“ und gemeinsam haben sie, dass Szene-Berliner und solche, die sich dafür halten, die Namensschilder meistens nur aus dem Inneren von Bahnabteilen vorbeizuckeln sehen: Man ist auf dem Weg in die Schorfheide und möchte Wildtiere erleben, ist unterwegs zur  Ostsee, um am Strand zu relaxen oder wagt einen Abstecher in die Märkische Schweiz zum Wanderwochenende.  Die vorbeiziehenden Wohnsiedlungen, Hochhäuser und gar nicht so wenige Wiesen, Büsche und Bäume betrachtet man als notwendiges Übel: Bald sind wir ja da.

Dabei könnte durchaus auch mal der Weg das Ziel sein, oder besser gesagt: Die Zwischenstationen wie die oben genannten, die zum weitgehend missachteten Nordosten Berlins gehören. Denn Bezirken wie Marzahn-Hellersdorf, Falkenberg oder Blankenfelde haftet der Ruf an, hässlich, sozial schwierig – oder bestenfalls öde zu sein. Ein Irrtum, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt.

Feststellen werden das als erste wohl die vielen Besucher, für die die Internationale Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017 ab 13. April das entscheidende Ereignis ist, über ihren Schatten zu springen und in Marzahn-Hellersdorf Station zu machen. Wer dort zuvor bereits die Gärten der Welt besucht hatte, den nun mehr als verdoppelten „Kern“ der IGA, wird sich die Augen reiben. Gestaltete sich etwa die Anreise mit dem Öffentlichen Nahverkehr früher zeitraubend und kompliziert, steigt man nun etwa am Alexanderplatz in die U5 – und steht 25 Minuten später schon am IGA-Haupteingang. Die einstige Station Neue Grottkauer Straße heißt jetzt „Kienbergpark – Gärten der Welt“ und bietet nicht nur unmittelbaren Zugang zur Gartenausstellung. Von hier geht es per Seilbahn naht- und nach Zahlung des Eintrittsgeldes auch kostenlos weiter auf das IGA-Gelände, wo nicht nur jede Menge neue Pflanzen, sondern auch tausende von Kultur- und Bildungsprogramme warten.

Den nach traditionellen Vorbildern aus Japan, Italien oder dem Orient gestalteten Gärten der Welt hat man weitere zeitgenössische bis avantgardistische Gärten internationaler Planer hinzugefügt, außerdem die Flächen rund um den Kienberg zu einem neuen Volkspark entwickelt. Von der Spitze dieser Erhöhung, von dem soeben fertig gestellten Aussichtsbauwerk Wolkenhain, hat man nicht nur einen Blick bis in die Mitte und, bei schönem Wetter, bis zum Teufelsberg in Grunewald. Man kommt auch nicht umhin, festzustellen, wie grün Marzahn-Hellersdorf eigentlich ist. Und wie sehr es sich von der einst vorherrschenden, grauen Plattenbau­tristesse zu einem Bezirk mit  modern und schön sanierten Gebäuden, mit Spielplätzen und, ja – das auch, mit Townhouses gewandelt hat.

Alte Vorurteile über Bord zu werfen und sich mit wachen Sinnen in Berlins Nordosten zu wagen, macht aber auch jenseits des IGA-Geländes und seiner näheren Umgebung Sinn. Denn auch woanders ist die Zeit nicht stehen geblieben. Auf einst stinkenden Rieselfeldern erwuchs etwa in Falkenberg Europas größtes Tierheim, das wegen seiner progressiven Architektur und Weitläufigkeit auch von Menschen besucht wird, die mit der Fauna eher weniger zu schaffen haben. Woanders entstanden artenreiche Weidelandschaften von wilder Schönheit. Oder wurden historische Stadtgüter, wenn nicht gleich uralte Dörfer, wieder zu neuem Leben erweckt. Auch die Kunst- und Museumswelt in Berlins Nordosten muss sich nicht verstecken.  Akteure wie die Kuratoren in Schloss Biesdorf oder in der Galerie M gelten als experimentierfreudig – ihr Ruf hallt bis weit ins Ausland.

1    IGA Berlin 2017 Gartenausstellung

2    Schloss Biesdorf Kunst und Café

3    Galerie M Kunst

4    Gut Hobrechtsfelde Wilde Weidetiere

5    Gründerzeitmuseum Geschichte

 

 

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