Stadtleben und Kids in Berlin

Der Offenleger: Christian Humborg

Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency International Deutschland, hat gern Klarheit.

Christian Humborg von Transpareny International Deutschland in Berlin

Es gibt zwei Deutungen von „Lobby“. Die eine: gerechtfertigte Mitwirkung am demokratischen Prozess. Christian Humborg bevorzugt die andere: „Schlagwort für intransparente, vielleicht unzulässige, aber mindestens zweifelhafte Einflussnahme auf den Gesetzgebungsprozess„. Der Geschäftsführer von Transparency International Deutschland setzt hinzu: 2Ich finde es schwierig, den Begriff Lobby noch neutral wahrzunehmen.“
Zwar ist Lobbyismus bei Transparency – Eigenbezeichnung: „Koalition gegen Korruption“ – nur eines von vielen Themen. Aber Humborg, der zuvor einige Jahre lang in einer Anwaltskanzlei gearbeitet hatte, kam über sein Interesse an genau dieser Problematik zum eingetragenen Verein. Damals, Mitte der Nullerjahre, war dort gerade eine Arbeitsgruppe dazu gegründet worden: dass politische Willensbildung zunehmend über informelle Netzwerke abläuft, über die Beziehungsnetzwerke, die den formalen Gesetzgebungsprozess wenn nicht unterlaufen, so doch teilweise aushebeln. „Wir waren die erste Organisation, die 2006 ein Lobbyregister gefordert hat“, sagt Humborg. Bislang sind nur die Verbände beim Bundestag registriert, nicht aber zum Beispiel Politikberater oder Lobbykanzleien (obwohl das PDF-Dokument auf der Bundestagswebseite irreführenderweise „lobbylisteamtlich“ heißt). Anders als in den USA. „Dieselben Kanzleien, die hier gegen eine solche Liste sind, müssen das in Amerika machen“, sagt Humborg. Dazu gehört auch, dass Transparency die Offenlegung von Nebeneinkünften von Bundestagsabgeordneten „auf Heller und Pfennig“ fordert, wie er sagt, während bislang nur eine (immerhin kürzlich verschärfte) Stufenregelung gilt.
Im Mai war Humborg – er wusste gar nicht, wieso eigentlich – zu einem schottischen Abend in die Skylounge des E-Werks eingeladen. Gastgeber: die Bank of Scotland. Dachterrasse, formidabler Berlin-Blick. An diesem Abend hatte die Finanzkrise wohl eine Pause, die Bank gab jedenfalls reichlich edlen Whiskey aus. Gegenüber dem E-Werk liegt das Bundesfinanzministerium. Dort, wo Banken reguliert werden. Zufall, sicher. Humborg, der die ganze Zeit über nur Wasser und Saft trank, schrieb über den Abend einen Blogeintrag.
Der Eintrag endete mit den schönen Worten: „Danke, britischer Steuerzahler, Mehrheitseigner der Bank of Scotland.“

Text: Erik Heier

Foto: Laukempe

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