Dokumentarfilm

„Der Ost-Komplex – Die Geschichte des Mario Röllig“ im Kino

Porträt eines Zeitzeugen des DDR-Unrechts

Foto: Basis
Foto: Basis

Mit seinem Verhalten habe er einen Atomkrieg provoziert, erfuhr Mario Röllig. Wenn er aber plaudere über Freunde, Kollegen, Eltern könne seine Strafe reduziert werden. Das Verbrechen des 1967 Geborenen: Er wollte 1987 von Ost- nach West-Berlin, wo seine große Liebe lebte, ein deutlich älterer Politiker. Nach der Verhaftung in Ungarn genügten drei Monate Stasi-U-Haft, Röllig nachhaltig zu prägen. Aus der Bahn warf ihn aber erst, als er 1999 seinen schlimmsten Stasi-Vernehmer traf, dem es offenbar sehr gut ging und der ihn auch noch beschimpfte.

Der 1960 geborene Westler Jochen Hick („DDR unterm Regenbogen“, „Out in Ost-Berlin“) hat Röllig bei dessen reger (Reise-) Tätigkeit als Zeitzeuge begleitet, ihn bei der Konfrontation mit Ewiggestrigen beobachtet, seine Freunde und Eltern getroffen und ist mit ihm zu schlimmen Orten seiner Vergangenheit gefahren.

Rölligs (ex-) kommunistische Eltern träumen immer noch von einer „ordentlichen Schwiegertochter“: „hübsch, arbeitsam, sauber, ordentlich“. In der CDU, der er seit 2004 angehört, trifft er auf Leute, die finden, in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft könne man keine gesunden Kinder großziehen. Und von Sachsens Ex-Ministerpräsident Biedenkopf wird er zurechtgewiesen, weil er nicht glaubt, Neonazis wären in Deutschland bedeutungslos.

Ohne Off-Kommentar entsteht das unaufdringliche wie beispielhafte Portrait eines Opfers der SED-Diktatur, wichtig in einer Zeit, in der die DDR allmählich im Nebel der selektiven Erinnerung versinkt.

Der Ost-Komplex – Die Geschichte des Mario Röllig D 2016, 90 Min., R: Jochen Hick, Start: 10.11.

Bewertungspunkte2

Kommentiere diesen Beitrag