80ies-Pop 

Der Schweizer Newcomer Crimer klingt, als sei er den 80er-Jahren entlaufen

Spastisch? Nein, erotisch! Vom Dorf-Gottesdienst in die Sad-Disco-Androgynität

Crimer, Foto: Tino Konino

Ob er den Mittelscheitel damals schon hatte, ist nicht überliefert. Fakt ist: Als Alexander Frei zwölf Jahre alt war, gelangte er über ein Casting, das die Kirche seines Schweizer Heimatorts Balgach austrug, in die allsonntägliche Gottesdienst-Band. Doch schon bald hatte er keine Lust mehr, religiöse Songs vorzutragen. Obwohl ein Kind der 90er-Jahre und großer Backstreet-Boys-Fan, entdeckte er irgendwann die Pet Shop Boys, Bronski Beat und Rick Astley für sich.

Neben der Klangästhetik fasziniere ihn an den 80er-Jahren vor allem, dass sie wie keine andere Epoche für Melancholie, Glitzer und Glamour standen, erklärte der 29-Jährige gegenüber dem Schweizer Tagblatt. Alles drei findet sich auch in der Musik wieder, die er unter dem Pseudonym Crimer macht: Seine Songs haben die typische Sad-Disco-Kühle der 80er, seine Outfits bestehen entweder aus stilvollen Vintage-Anzügen oder flippigen Hemden. Und auch die typische 80er-Jahre-Androgynität vieler Künstler macht sich bei Crimer bemerkbar.

Seiner Bühnenperformance kann man durchaus eine homoerotische Ausstrahlung zuschreiben. Ein Schweizer Schwulenmagazin beschrieb Crimers Tanzstil als „irgendwo zwischen Spastik und Erotik“. Crimer tritt auch gerne bei Pride-Veranstaltungen auf und im Video zu seinem Song „Brotherlove“ sind er und Drag Queen Milky Diamond als Paar zu sehen. Und das, obwohl Crimer gar nicht schwul ist. Er möge eben die Ästhetik, sagt er.

Waschhaus Potsdam Schiffbauergasse 6, Potsdam, Sa 31.8., 20 Uhr, im Rahmen des Kulturfestivals Stadt für eine Nacht, Eintritt frei