Neue Dramatik

„der thermale widerstand“ in der Box des DT

Wellness-Hölle: „der thermale widerstand“ von Ferdinand Schmalz hilft prima gegen Herbstdepressionen

Foto: Arno Declair
Foto: Arno Declair

Gelegentlich wird von übellaunigen ­Kritikern beklagt, das Theater habe sich in eine Wellness-Zone verwandelt, in der es den Beteiligten vor allem darum gehe, es sich und dem Publikum gemütlich zu machen. Der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz nimmt den Vorwurf wörtlich und dreht ihn spöttisch um, indem er in seinem neuen Stück „der thermale widerstand“ seinerseits ein Wellness-Bad zum theatralisch ergiebigen Handlungsort macht.

Nicht nur die Badegäste, auch die Konflikte in der Bäderverwaltung haben sich gewaschen, und das nicht nur, weil dem Bad ­unter wirtschaftlichem Druck das Wasser der Markwirtschaft bis zum Hals steht. Ein möglicherweise wahnsinniger, vielleicht aber auch nur berufsspezifisch verstrahlter und zu heiß gebadeter Unternehmensberater mahnt dringenden Innovationsbedarf an, hat aber seine BWL-Rechung ohne die Beharrungskräfte der Bad-Bediensteten gemacht. Ein renitenter Alt-Bademeister leistet mit Guerillamethoden den Modernisierungsschüben entschlossen und verschroben Widerstand, bis die ­Renditepläne verdampfen wie ein Eukalyptus-Aufguss in ­einer wohltemperierten Sauna.

So wird das Kurbad bei Schmalz locker und ohne Scheu vor großen Methaphern zum Ort der Fitness-Zumutungen im Spätkapitalismus, in dem die Kräfte der Marktwirtschaft die Menschen schwer und unentrinnbar umhüllen wie eine Schlammpackung. Weil die Stücke des Sprachjongleurs und Phrasendekonstrukteurs Schmalz in formvollendeten Jamben und sanft rhythmisierten Versen geschrieben sind, die den Zuhörer verführerisch umspülen wie eine Unterwassermassage, hat Matthias Rippert die deutsche Erstaufführung in der kleinen Box des Deutschen Theaters als ­munter dahinplätschernde Sprechoper für sechs Solisten ­(Harald Baumgartner, ­Michael Goldberg, Thorsten Hierse, ­Daniel Hieeks, Anne ­Kulbatzki, ­Linda Pöppel) insze­niert. Die ­vergnüglichen 90 Minu­ten der Aufführung kneten die ­Gedanken und das Assoziationsvermögen des Betrachters mit der Eleganz ­einer gelungenen Massage durch. Ihr Besuch sollte bei Herbstdepressionen als zuverlässiger ­Stimmungsaufheller ärztlich verschrieben werden.

DT Box 25.10., 20 Uhr, 27.10., 3.,6., 12.11.,19.30 Uhr, Eintritt 12, erm. 6 €

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