Buchbranche

Der Verleger Christoph Links nimmt Abschied

Ein Homo Politicus geht nie ganz: Bevor Christoph Links sein letztes Jahr als Verleger beginnt, hat er seinen vor 30 Jahren gegründeten Verlag bei Aufbau untergebracht

Neue Adresse am Moritzplatz: Christoph Links, Foto: Günther Thomas

Über kaum eine Person aus der Berliner Literaturszene ist Ende 2019 mehr gesprochen worden als über Christoph Links. Zum einen aufgrund seiner Auszeichnung als „Verleger des Jahres“, die selbst ihn, der bereits das Bundesverdienstkreuz, die Goldene Nadel des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und den Kurt Wolff Preis entgegennehmen konnte, ziemlich stolz machte. „Weil es eine Wahl der Verlegerkollegen ist, die wissen, was die anderen Kollegen jeweils zu stemmen und zu schaffen haben.“ Und weil nach 25 Jahren das erste Mal ein ostdeutscher Verleger ausgezeichnet worden ist. „Das war, denke ich, überfällig“, kommentiert er verschmitzt.

Zum anderen feierten Links und seine Mitstreiter Anfang Dezember noch das 30-jährige Jubiläum seines inmitten der Wende gegründeten Verlags. Auf diese Zahl ist er auch mächtig stolz. Denn damals sei vollkommen ungewiss gewesen, „ob man eine Überlebenschance hat, wenn man als kleiner neuer Ostverlag in den großen gesamtdeutschen Markt mit seinen an die zweitausend professionell agierenden Verlagen kommt“, erinnert sich der Verleger. Weil er von Anfang an auf Sachbücher für Politik und Zeitgeschichte gesetzt habe, gebe es seinen Verlag noch, ist er überzeugt.

Um langfristig ein gutes Sachbuchprogramm zu machen, müsse man ein politisch interessierter Mensch sein, der auf Leute zugeht und Themen anfasst, die den Menschen unter den Nägeln brennen, meint Links. „Man muss selbst aktiv sein, selbst ein Gespür für die Probleme der Gesellschaft haben, selbst Autoren für solche Themen suchen, um ordentliche Sachbücher zu machen. Und genau das war unser Weg.“

Bis heute sind über eintausend Titel erscheinen, darunter kontinuierlich nachgefragte Titel wie Hans-Hermann Hertles „Chronik des Mauerfalls“ oder Bestseller wie Petra Köppings Streitschrift für den Osten „Integriert doch erstmal uns“. Auf das Thema Ostdeutschland will er den Verlag jedoch nicht reduziert wissen. „Wir haben nicht nur Aufarbeitung der DDR-Geschichte betrieben, sondern immer auch begleitet, wie die deutsche Einheit verläuft und wie der Osten im Westen ankommt, integriert und aufgenommen wird.“ So habe man die Entwicklung hin zu einer gesamtdeutschen Perspektive unterstützt.

„Über unsere Bücher lässt sich streiten“, lautet das Verlagsmotto. „Wir wollen, dass die Probleme der Gesellschaft nicht verdrängt, sondern offen ausgesprochen und diskutiert werden“, so Links. Davon haben ihn auch die Klagen wütender Treuhandmanager und fanatischer Scientologen nicht abgebracht. Aktuell gehen rechtsextreme Siedler gegen das Buch „Völkische Landnahme. Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ von Andrea Röpke und Andreas Speit vor.

Mit wenig Erfolg, wie es aussieht. „Hier hat sich gezeigt, dass wir aus den juristischen Auseinandersetzungen über die Jahre gelernt haben und wissen, was es zu beachten gilt. In keinem Punkt mussten wir bisher etwas korrigieren, weil wir sehr gründlich im Lektorat sind.“

Man wird weiter von ihm hören

Sorge bereitet dem allseits respektierten Branchenkenner die Krise des Zwischenbuchhandels. Dieses „Hintergrundlager des Einzelhandels“ sortiert gerade kräftig aus, zum Nachteil der unabhängigen Verlage. Links hofft, „dass wir Vertriebsstrukturen erhalten können, die auch die Vielfalt des Angebots abbilden.“

Anfang Dezember ist der Verlag aus der Kulturbrauerei ins Aufbauhaus gezogen. Im Chaos der Bücherkisten wirkt Links aufgeräumt. Die Dinge sind geordnet. Bei Aufbau wird sein Verlag als eigenständiges Label von der bestehenden Mannschaft fortgeführt. Noch zwei Programme (in denen die neuen gesellschaftspolitischen Bücher von Christoph Dieckmann und Alexander Osang seine persönlichen Highlights darstellen), dann übernimmt Programmleiter Christof Blome das operative Geschäft von ihm.

Anschließend will er sich wieder an seinen Schreibtisch setzen und schreiben. Es geht erneut um das ostdeutsche Buchwesen. Nachdem er vor Jahren das „Schicksal der DDR-Verlage“ nach der Wende erforscht hat, will er sich nun der Geschichte der verschwundenen DDR-Verlage widmen. Man wird also weiter von ihm hören.

Dass der von ihm gegründete Verlag nicht von der Bildfläche verschwindet, dafür hat Christoph Links längst alles getan.

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