Tragikomödie

„Der Wein und der Wind“ im Kino

„Dem Weinberg ist es egal, wem er gehört“, sagt einmal jemand in Cédric Klapischs ­Winzer-Familiengeschichte und fasst damit die Idee des Films schön zusammen. Denn neben den Geschwistern Jean, Juliette und Jérémie, die das Gut vom soeben verstorbenen Vater geerbt haben, präsentiert sich der Weinberg als eigenständiger Protagonist

Foto: Studiocanal

Ein Protagonist, der den anderen eine gemeinsame Verantwortung aufbürdet, einer, der zusammen mit den Jahreszeiten bestimmt, welche Arbeiten gerade getan werden müssen. Das rest­liche Leben und die Liebe können nur um den Weinberg herum arrangiert werden: die Dynamik einer ganz eigenen Welt.
Sonderlich handlungsorientiert kommt der Film deshalb nicht daher, Klapisch geht es vor ­allem um Stimmungen (wie in der langen ­Sequenz eines Weinfestes) und um die sorgfältige Ausdifferenzierung der diversen Charaktere. Juliette muss aus dem überlangen Schatten des Vaters treten und eigene Entscheidungen treffen. Jérémie, der die Tochter eines benachbarten Winzers geheiratet hat, steht mit seiner Familie unter der Knute der Schwiegereltern, was dem Film an einigen Stellen auch komödiantisches Flair verleiht. Und Jean hat längst ein eigenes kompliziertes Leben in Australien. Doch immer, wenn er eigent­lich zurück müsste, dann ruft ihn der Weinberg und diese unausgesprochene Verpflichtung, die alle zusammenhält: Es gibt immer etwas zu tun, das nicht aufgeschoben werden kann.

Ce qui nous lie (OT) F 2016, 113 Min., R: Cédric Klapisch, D: Pio Marmaï, Ana Girardot, François Civil, Start: 10.8.; das Bundesplatz-Kino kredenzt zum Film Weine aus dem Burgund

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