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Peter Laudenbach über die Volksbühne nach Dercon

Angesichts des wenig überraschenden Endes der Intendanz Chris Dercons an der Volksbühne, das die Kulturverwaltung eben bestätigte, wird derzeit munter über mögliche Nachfolger spekuliert. Das ist unterhaltsam, aber nicht immer kenntnisreich. Besonders zwei Namen werden beim heiteren Intendanten-Raten öfter genannt, zuletzt vom geschätzten Kollegen Heine in der „Welt“: Matthias Lilienthal und Armin Petras. Matthias Lilienthal hatte vermutlich die beste Zeit seines Berufslebens als unerschrockener Chefdramaturg der ersten Castorf-Jahre an der Volksbühne. Seine Wirkung war enorm: Ohne den wagemutigen Dramaturgen wären vermutlich weder Schlingensief noch Marthaler an der Volksbühne gelandet. Allerdings hat Lilienthal schon vor Jahren die Option, als Nachfolger Castorfs an den Rosa Luxemburg Platz zurückzukehren, abgelehnt: Das würde sich anfühlen wie die Rückkehr in die eigene Vergangenheit, und das muss nicht sein. Auch seine Freundschaft mit Dercon und die undurchsichtige Rolle, die er bei dessen Berufung spielte, dürften ihn als potentiellen Dercon-Nachfolger eher disqualifizieren.

Foto: F. Anthea Schaap

Die Spekulation um eine Berufung von Armin Petras klingt nachvollziehbarer, schließlich übernimmt Klaus Dörr, bisher Petras’ Künstlerischer Betriebsdirektor in Stuttgart, jetzt kommissarisch die Volksbühne. Aber nicht nur weil Petras in seinen Inszenierungen manchmal wirkt wie der verspielteste und begabteste aller Castorf-Epigonen wäre der Versuch, die Volksbühne zu übernehmen, künstlerischer Selbstmord: Castorfs Schatten wäre immer präsent. Keine Angst, das ist nicht zu befürchten. Petras ist nicht verfügbar, er hat sich für die kommende Jahre bereits als fester Hausregisseur an ein mittelgroßes westdeutsches Theater gebunden.

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