Museum

Deutsches Spionagemuseum

Das Deutsche Spionagemuseum zeigt Berlin als Hauptstadt der Agenten – im Kalten wie im digitalen Krieg. Die Russen hacken sich in den US-Wahlkampf ein. Was die Netzwerk-Giganten aus dem gesammelten Wissen alles machen könnten, lässt sich kaum sagen, wenn auch dunkel erahnen. Und ohne Unterlass zischen Informationen sowie gezielte Falschmeldungen um den Globus.

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In digitalen Zeiten ist es also unklarer denn je, wer, warum, weshalb und vor allem von wo aus spioniert – ob aus politischen oder monetären Gründen. Im Kalten Krieg war das nicht unbedingt besser, auch hier wurde natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit operiert. Aber es gab immerhin zentrale Orte, an denen man Spione zu Recht vermutete. Und das war nicht der Cyberspace, sondern jahrzehntelang Berlin.

Denn nur in Berlin standen sich die Großmächte so direkt gegenüber, nur hier gab es mit dem Auffanglager Marienfelde ein perfektes Rekrutierungszentrum für Ost- wie West-Geheimdienste, die alle dort Büros unterhielten. Und nur hier konnte mit dem Teufelsberg die wohl wichtigste Abhörstation der Amerikaner verortet werden, etwas, das mit den modernen Abhör-Zentren der NSA oder des britischen GCHQ schwieriger ist.
Es ist auch kaum zu vermuten, dass dort – wie damals auf dem Teufelsberg – die gesammelten Daten-Papierberge nach und nach verbrannt werden. „Man konnte damit das Haus ganz gut heizen“, wie ein US-Ex-Agent im Deutschen Spionage-Museum fröhlich auspackt. Er ist einer von vielen Ehemaligen, die dort auf Multimedia-Wänden erzählen, wie es damals so war in der geteilten Stadt: also wo man sich traf. Wie ausgetauscht, informiert, desinformiert oder der Feind gleich ganz ausgeschaltet wurde. Und was es so für Gadgets gab, mit denen sich das eine wie andere bewerkstelligen ließ.

Einiges davon ist ebenfalls im Museum zu sehen. Dazu gehören die unvermeidlichen Kameras in BHs oder Streichholzschachteln, die Dechiffriermaschinen, Regenschirme mit Giftpfeilen oder die Infrarot-Aktenkoffer. Dinge also, die Spione auf beiden Seiten durchaus im Gepäck hatten. Das atmet Abenteuer. Spionage gehört zu den großen Filmthemen– von James Bond bis aktuell „Kundschafter des Friedens“ – auch wenn das Alltagsgeschäft meist wenig possierlich oder gar 007-mäßig glamourös war.
In dem privat geführten Spionagemuseum sind auch Exponate zu diesem  Aspekten der Überwachung zu sehen: wie die Geruchsproben von vermeintlich Verdächtigen, die Volkspolizei und Stasi tausendfach sammelten, oder die ebenfalls gut dokumentierten Unrechts-Fälle aus der McCarthy-Ära in den USA.
Generell beschäftigt sich das Museum fundiert mit der Vergangenheit und bereitet alles didaktisch gut auf.  So sind zum Beispiel alle interessanten Berliner Spionage-Fälle, alle relevanten Ereignisse, Orte und Personen auf einer Multimedia-Wand namens Spy-Map versammelt. Mittels Zoom und Perspektivwechseln wird Vergangenheit mit der Technik von Heute lebendig, was nicht unwichtig in einer Stadt ist, in der viele Orte der Spionage-Aktionen heute gar nicht mehr existieren.

Wo die Gegenwart in der Spionage beginnt, ist gut zu erkennen. Mit einer Stellwand aus Aufnahmegeräten, Kassettendecks und Tonbändern endet das analoge Zeitalter, dahinter beginnt das digitale. Da flirren dann Tweets an Lichtsäulen entlang, Big-Data-Szenarien und Gefahren werden skizziert. Und spielerisch wird hier, auch für Schüler nachvollziehbar, ein Einblick in die Allwissenheit von Facebook, Payback und Co gegeben. Berlin als Spionage-Stadt tritt da in den Hintergrund, ausgedient hat sie allerdings  auch in diesen Cyber-Zeiten nicht. Einmal, weil hier bald 4.000 Mitarbeiter im neuen BND-Gebäude ganz offiziell spionieren werden. Und dann, weil der deutsche Regierungssitz jede Menge Botschaften, Diplomaten und Interessensvertretungen aus allen Bereichen von Politik, Industrie bis Kultur beherbergt. Da sind Informationen gut abzugreifen.
Manchmal schafft es die Stadt auch noch filmreif zu altem Thrill zurück: Edwards Snowdens Dokumentarfilmerin Laura Poitras („Citizenfour“) hat hier in der heißen Phase der NSA-Enthüllungen gelebt. Und nach Einschätzung des Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen ist Berlin immer noch die Hauptstadt der europäischen Agenten.

Deutsches Spionagemuseum Leipziger Platz 9, Mitte, tgl. 10–20 Uhr, 12/ erm. 8 € (bis 6 Jahre frei)

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