Musik & Party in Berlin

The Devil\s Blood im Festsaal Kreuzberg

Sanfte Satanisten: Das Duo aus Eindhoven in den Niederlanden ist fasziniert von der Dunkelheit.

The Devil's Blood

Tod. Chaos. Satan. The Devil’s Blood definieren ihre Koordinaten klar und deutlich. Damit hat die Band aus Eindhoven die Metal-Szene im Sturm genommen und selbst das Feuilleton verzückt. Das mag daran liegen, dass sie abseits gängiger Teufelsanbetungsklischees arbeitet. Ihre Musik ist kein rumpeliges Geschredder, sondern unverschämt eingängiger Psychedelic Rock. Sie inszeniert keine plumpen Kreischorgien, sondern breitet vielschichtig die Ergebnisse ihrer Dunkelheitsforschung aus. „Für mich bedeutet Okkultismus die Suche nach Wissen, Macht, Herrschaft und – letztendlich – dem Tod“, dröselte Gitarrist und Mastermind Selim Lemouchi einmal auf, was ihn umtreibt. Er und seine Band stehen für eine quasi-religiöse Geisteshaltung, die Satan nicht als leibhaftig Gehörnten begreift, sondern als Idee, die an den Grundfesten konventioneller Realitätswahrnehmung rüttelt. Die Schöpfung ist demnach unvollkommen und minderwertig, der Urzustand des chaotischen Nichts dagegen unverdorben und frei. Es gehe darum, mittels Studien, Magie oder Kunst eine „Schwarze Flamme“ in sich anzuheizen, die den Weg in jenes allumfassende Chaos weist. Die Erlösung biete letztlich aber nur der Abschied von der weltlichen Existenz. Wie eine Schnapsidee mutet das an. Doch The Devil’s Blood propagieren sie unverkrampft, ja fast liebenswürdig. So, als sei es nichts Besonderes, erläutert Lemouchi, wie er dem Tod, jener „Macht der Unordnung“, sein Blut als Dank für kreative Momente opfert. Folgerichtig versteht er auch die Auftritte seiner Band als Rituale, gern von oben bis unten besudelt in klebrigem Rot.

Text: Roy Fabian

Foto: Vбn Records/Sandra Ludewig

The Devil’s Blood + Attic, Festsaal Kreuzberg, So 2.12., 21 Uhr, VVK: 16 Euro zzgl. Gebühr

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