Jahresrückblick

Die 100 peinlichsten Berliner 2017

Da ist sie, alle Jahre wieder: unsere Liste der herausragend bekloppten, verblüffenden, verwirrenden und oft genug auch verstörenden Fehlleistungen des vergangenen Jahres. Wir können doch auch nichts dafür

Michaela Schäfer
Foto: imago / CHROMORANGE

100. Micaela Schäfer, Erotikmodel

Spielfrau

Liebe Frau Schäfer, es tut uns leid, dass es dieses Jahr nur Platz 100 wurde. Aber allmählich nutzen sich diese textilfreien „Venus“-Covermodel-Auftritte ab wie Baumarkt-Silikon in Brüsten.  Außerdem können wir es nicht fassen, dass Sie – die personifizierte Natürlichkeit bei allem, das nicht mit Körperteilen zu tun  hat–, sich zum Spiel der Hertha gegen Hannover 96 ausgerechnet für die dubiose Werbekampagne eines Vergleichsportals für nicht ganz legale Online-Casinos hergaben, wo Sie als vermeintliche „Botschafterin gegen Spielsucht“ posierten. Eigentlich ist Platz 100 ja ein Ehrenplatz – und Berlinern vom Kaliber eines Rolf Eden vorbehalten. Sie, Frau Schäfer kriegen ihn nur geliehen. Vielleicht freut es den Rolf ja auch ein bisschen.

PROGNOSE 2018: Same procedure as every year.


99. Thomas Häßler, Fußballgott

Uns Icke

Icke war Weltmeister. Ist Weltmeister. Wird immer Weltmeister sein. Darf dann auch im Dschungelcamp doof herumlungern. Ruhige Kugel schieben, als stände ihm Jürgen Kohler auf den Socken. Dauerpaffen. Aber bitte, einem Icke nimmt man nicht die Fluppen weg. „Das geht mir auf die Eier! Wenn ich heute keine Zigaretten kriege, dann scheiß ich denen vor die Kamera.“  Verdammte Hacke, genau! Icke zeigt’s allen. Der muss im Dschungel nichts mehr wollen.  Ein paar Monate danach steigt Icke auf. Als Trainer von Club Italia. In die Landesliga. Denn wichtig is’ nur aufm Platz.

PROGNOSE 2018: Aufstieg! Berlin-Liga!


 98. Niels Ruf, Ex-Moderator

Restposten

Raus aus der Bedeutungslosigkeit mit Witzen über Tote? Nach Roger Cicero musste nun BVG-Rapper Kazim A. dran glauben. Dessen Suizid kommentierte der Ex-Moderator gewohnt feinfühlig: „Der Berliner Winter ist hart und nicht alle überleben ihn. Aber in meinem Podcast hätte er eine Zukunft gehabt … “ Und das war noch nicht alles. Ist der Ruf erst ruiniert… ach, auch egal. Reicht nur für Platz 98, gerade so. Sorry.

PROGNOSE 2018: Definiert neue Untergrenzen für Humor.


97. Claus Peymann, Ex-BE-Intendant

Seelenverkäufer

„Das schönste Theater“, hieß Peymanns 1.200-Seiten-Selbstbeweihräucherung, die der scheidende BE-Intendant beim Theatertreffen persönlich ständig an einem Tisch feilbot. Leider interessierte sich kaum jemand für den 50-Euro-Schinken. Und genehmigt war sein Büchertisch auch nicht. HAU-Chefin Annemie Vanackere verwies den alten Seelenverkäufer sogar von ihrer Pforte. Da hatten wir dann Mitleid.

PROGNOSE 2018: Meckert weiter, hin und wieder. Irgendwas ist immer.


96. Jan Henrik Stahlberg, Filmregisseur

Gleitwolf

Wenn Ironie ein Gleitmittel für Sapiosexuelle ist, dann war Stahlbergs Film „Fikkefuchs“ der Versuch, durch eine Überdosis „Doppelsinn“ auf jenes schlüpfrige Terrain zu geraten, auf dem Herrenwitze mit Bart und Tonsur so lange verschwurbelt werden, bis sie in einem Aufreißseminar als Wahrheiten durchgehen mögen.

PROGNOSE 2018: Dreht, jetzt voll im Thema, „Bye Bye, Berlusconi 2“.


95. Sören Benn, Pankows Bürgermeister

Pampgun

braSieben lange Monate wurde der regengeschädigte Gleimtunnel renoviert, da pampte sich Pankows Bürgermeister (Linke) im Januar wortkarg in ein Morgeninterview mit Radioeins-Gott Volker Wieprecht hinein: „Keine Ahnung“, „weiß ich nicht“, „müssen Sie die Ausführenden fragen“. Wieprecht: „Aber Sie interessieren sich schon für das Thema?“ Benn knurrte: „Ja, na sicher doch.“ Vielleicht ist 10.14 Uhr morgens einfach auch nicht seine Zeit.

PROGNOSE 2018: Steht jetzt immer mit dem anderen Bein auf.


94. Till Brönner, Jazz-Musiker

Tempelritter

Der Trompeter wollte der Stadt Berlin ein „House of Jazz“ schenken. Also, ähem, schenken dann irgendwie doch nicht, weil der Bund zwar ein paar Millionen locker machen wollte, aber Berlin diese „Institution mit Leuchtturmcharakter“ dann doch auch selbst bezahlen sollte. Während der Kontroverse stellte die Stadt dann überraschend fest, dass man auch ohne Brönners Weihestätte der gut abgehangenen Jazz-Tradition schon längst eine quick­lebendige Jazz-Stadt ist – voller toller Musiker, spannender Projekte und junger Festivals.

PROGNOSE 2018: Errichtet einen Temple of Jazz in Weimar. Oder Hannover. Oder auch gar nicht.


93. Christian Lohse, Koch

Alphabrater

Der Sterne- und Fernsehkoch wird zum Jahreswechsel das Fischers Fritz verlassen. Berlin hat nun zwei Michelinsterne weniger. Und einen Meister des eher ungepflegten Herrenwitzes.

PROGNOSE 2018: TV-Kochshow


92. Stolperstein-Diebe

Klotzköpfe

Liebe mutmaßliche Nazis, die ihr euch genötigt saht, in Neukölln insgesamt 16 Stolpersteine aus dem Pflaster zu reißen: Spart euch eure Kraft fürs nächste Rechtsrockfest in Thüringen. Denn die Gedenkplatten werden – oder sind längst – neu verlegt.

PROGNOSE 2018: Scheitern daran, die Stehlen des Holocaust-Mahnmals auszubuddeln.


91. Kawaque, Youtube-Raser-Star

Flitzpiepe

What a man! Youtube-Bengel KawaQue biegt in illegalen Straßenrennen auf dem Motorrad schneller um die Kurven als Vin Diesel den Brustmuskel lüpfen kann, und filmt sich dabei selbst. Ein Held des Entertainments, diese rasende Rampensau, der Geschwindigkeitsbegrenzungen ebenso schnuppe sind wie andere Verkehrsteilnehmer. Weil er ausgerechnet dann mit einem Kleinwagen kollidierte und sich verletzte, als er gerade mal nicht auf Highspeed beschleunigt hatte, scheint der Lerneffekt überschaubar gewesen zu sein. Leider.

PROGNOSE 2018: Wird geblitzt.


90. Scott Holmquist, Künstler

Dealerrausch

Wollte den meist schwarzen Drogendealer im Görli ein Denkmal setzen. Versuchte es jetzt mit einer Ausstellung über Rassismus gegen die ihm zufolge unerschrockenen und tapferen Dealer. Stellt in der Ausstellung allerdings nur Schwarze als Dealer dar. Bestätigt damit quasi selbst das Vorurteil, gegen das er so wacker streitet.

PROGNOSE 2018: Widmet sich einer anderen verkannten Spezies – Touris


89. Natascha Ochsenknecht, Society-Frau

The Ex-Ex

Nein, wir werden die in den Postillen, die in unseren Arztwartezimmern herumliegen, omnipräsente Dreifachmutter nicht auf den Titel „Ex-Frau von Uwe Ochsenknecht“ reduzieren. Sie ist nämlich jetzt auch die Ex vom Ex-Profi­fußballer Umut Kekilli. Und weil Frau Ochsenknecht nicht zu der Sorte Mensch gehört, die besonders viele persönliche Dinge für sich behalten kann, haben wir große Angst vor ihrem Auftritt im „Dschungelcamp“. Umut Kekilli geht es womöglich ähnlich.

PROGNOSE 2018: Wird es als „Container-Mutti“ in Australien unter die letzten drei Finalisten schaffen.


88. Nazi-Polizist

Störkraft

Nein, nicht alle Polizisten sind Mörder und Faschisten, wie manch einer glaubt und ruft. Aber es gibt sie eben doch: die Nazis. Aus Berlin kam ein besonders bizarres Beispiel vor Gericht. Umfangreichen Nazi-Kram zu Hause, Fotos mit Hitlergruß, einschlägige Tätowierungen, darunter Noten mit dem Horst-Wessel-Lied. Der Polizist erklärte vor Gericht, die Noten des Liedes nicht zu kennen. Immerhin konnte er sich darauf verlassen, dass Berlins Verwaltung Jahre brauchte, um den Rechtsvertreter loszuwerden.

PROGNOSE 2018: Tattoostudio im Knast.


87. Münzdiebe im Bodemuseum

Glanzleistung

Eine 3,75 Millionen Euro teure, 100 Kilo schwere kanadische Goldmünze aus dem Bode-Museum mopsen, die Polizei monatelang an der Nase herumführen – um schließlich bei einer Razzia aufzufliegen: Wir würden den mutmaßlich dafür verantwortlichen arabischen Clanmitgliedern gern den Oscar für die beste Crime-Story ’17 verleihen. Aber sie würden ihn ja doch nur verscherbeln.

PROGNOSE 2018: Auf Neuköllns Straßen fallen die Goldpreise.


86. Thomas Heilmann, CDU-Abgeordneter

#YouToo

Lieber Thomas Heilmann, nochmal zu Ihnen. Der WDR hat also Politiker befragt, wann die zuletzt einen Mann auf sein sexistischen Verhalten angesprochen haben. Sorry, Herr Heilmann, wenn Sie dabei eine Frau aus dem TV-Team bitten, Ihnen den Hemdkragen zu richten, deutet Ihr Satz „Sie dürfen alles anfassen“ leider klar darauf hin, dass Sie das Thema gar nicht verstanden haben. Der Satz ist nämlich … ach, wir geben es auf.

PROGNOSE 2018: Besteht Crashkurs „Basiswissen Sexismus“, aber knapp


85. Heinz Buschkowsky, Ex-Bürgermeister

Grobe Koalition

Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky hat, unter anderem gemeinsam mit CDU-Ex-Senator Thomas Heilmann (siehe Platz 86) ein Volksbegehren für mehr Videoüberwachung ins Leben gerufen: Sie wollen an 50 Orten anlasslos filmen und auch eine Bildanalysesoftware einsetzen. Die Bilder sollen einen Monat lang gespeichert werden. Es ist der Versuch einer Machtübernahme: Bisher gingen Volksbegehren vom Volk aus – und nicht von Parteien.
PROGNOSE 2018: Sensationsserie auf RTL II – Berlin Tag und Nacht live.


84. Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Ehespruch

Von einem Land aus, das vor 75 Jahren seine homosexuellen Mitbürger in KZs hinrichtete und sich 1949 in die Verfassung schrieb, alle Menschen seien vor dem Gesetze gleich, votierte die Regierungschefin des Landes, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), am 30. Juni gegen die Gleichheit aller Menschen ihres Landes, gegen die Ehe für Alle. Sie berief sich auf ihr Gewissen und das Grundgesetz. Ein ganz schwacher Trost, dass Frau Merkel, sobald die Große Koalition 2018 ins Koma fällt, mal wieder erleben wird, wie scheiße das Leben sein kann, wenn man in der Minderheit ist.

PROGNOSE 2018: Schulz, Nahles, Söder, Seehofer… sieht nach Spaß aus.


83. Heidi Hetzer, RalleyeFahrerin

Schwarzfahrerin

Die jetzt 80-Jährige hat im Oldtimer Hudo die Welt umrundet, weltoffener scheint sie dadurch nicht geworden zu sein. „Die Schwarzen … klauen alles“, sagte sie live im ZDF-Morgenmagazin – herzlich unbekümmert von der Tatsache, dass die konsterniert guckende Moderatorin Jana Pareigis ihrerseits dunkelhäutig ist. Immerhin entschuldigte sich Heidi Hetzer sofort dafür. Aber live ist eben live.

PROGNOSE 2018: Sieht weniger schwarz.


82. Frank Bewig, Baustadtrat Spandau

Quotenkiller

Berlin braucht günstige Wohnungen, Spandau nicht. Findet zumindest Frank Bewig. Die Sozialwohnungsquote von 30 Prozent der Fläche bei Neubauten hat dem CDU-Baustadtrat zufolge sein Bezirk nicht nötig. Im Gegenteil: Er will lieber erstklassig bauen lassen, um auch mal reiche Berliner anzuziehen. Warum die allerdings überhaupt in Spandau wohnen wollen sollten, konnte er auch nicht so richtig erklären.

PROGNOSE 2018: SPANDAU.


Die Heinrich-Böll Stiftung
Jörg Zägel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

81. Böll-Stiftung

Genderpetzen

Kaum war Ralf Fücks, langjähriger Vorstand der HBS und einer der klügsten Grünen, aus dem Haus, begannen die Mäuse zu tanzen. Zusammen mit dem angeschlossenen Gunda Werner Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie erarbeite man mit „Agent*In“ ein Online-Lexikon über Personen, die Genderforschung kritisch gegenüberstehen. Kennt man ja noch aus den Politsekten der 70er-Jahre: Dissidenten muss man hart bestrafen. Als die Seite im August offline ging, drohte die Böll-Stiftung übrigens noch: „Wir kommen wieder.“

PROGNOSE 2018: Kommt sie nicht.


80. Christina Schwarzer, Neuköllner CDU-Frau

Wachtmeisterin

Überwachungswahn deluxe: Die Neuköllner CDU-Bundestagsabgeordnete forderte, Kameras an Müllabladehotspots aufzustellen, um so Umweltsündern auf die Schliche zu kommen. Vermuteter Effekt: Links und rechts des Sichtfelds entstehen neue Deponien. Im September machte Frau Schwarzer – sowas tut sie in Neukölln öfter – übrigens ein Kurzpraktikum: bei „Video World“. Kein Scherz.

PROGNOSE 2018: Ehren-Müllsheriff.


79. Regine Günther, Verkehrssenatorin

Mobilitätsbremse

Die parteilose Klimaexpertin war von den Grünen eigens aufgestellt worden, um Berlin zu einer radfahrerfreundlichen Stadt zu machen. Aber das Mobilitätsgesetz kam höchst schleppend in die Gänge. Demnächst sollen immerhin ein paar Radwege grün angemalt werden. Und Radverkehrsplaner von den Bezirken angestellt werden. Die Stellen sind allerdings finanziell so schlecht ausgestattet, dass kaum jemand den Job übernehmen will.

PROGNOSE 2018: Muss jetzt liefern. Sonst ist sie geliefert.


78. Bazon Brock, Kunstprofessor

Schwätzer

Der Kunstprofessor, der sich in den 60ern an die Fluxus-Bewegung heranwanzte und heute mit seiner „Denkerei“ am Oranienplatz philosophische Erkenntnistiefe simuliert, dampfplaudert sich in den Ruin: In „Russia-Today“-Interviews schwurbelt er sich durch die Weltpolitik; im „Deutschlandfunk“ pöbelt er wie ein Dorfschulze gegen die Documenta („unter aller Sau“). Lerne: Nicht umsonst ist „Bazon“ vom griechischen Wort für „Schwätzer“ abgeleitet.

PROGNOSE 2018: Wird von Alexander Kluge interviewt – als personifizierter Hochstapler.


77. Sawsan Chebli, Staatssekretärin

Schockschwerenot

War jahrelang das Lieblingsopfer von Thilo Jung (Platz 65). Und wenn man sah, wie unvorbereitet und naiv Chebli da als Sprecherin von Außenminister Steinmeier herumstotterte, konnte sie einem fast leidtun. Fast! Denn Müllers jetziger Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement fällt zum Thema muslimischer Antisemitismus erstmal nur ein, dass Moslems auch diskriminiert werden. Und ihr gefühlvoller Beitrag zur Sexismus-Debatte bestand in einer Beschwerde via Twitter, als der verblüffte Gastgeber einer Debatte sie als „jung und schön“ bezeichnet hatte. Und Chebli postete, mit einiger Verspätung: „Unter Schock – Sexismus“. Vielleicht war sie noch in Schockstarre.

PROGNOSE 2018: Versucht weiter, Debatten anzustoßen. Irgendwie.


76. Jörn Schlönvoigt, „GZSZ“-Schauspieler

Porentiefpunkt

Dieses 2017 warf die Influencer-Branche in ihrem aufopferungsvollen Kampf gegen Schleichwerbung um Jahre zurück. „Gute Zeichen, schlechte Zeiten“-Mime Schlönvoigt reihte sich, strahlend wie drei Tage Weißwäsche, in eine lange Instagram-Parade von Models, Monstern, Mutationen ein, die sinn-, aber nicht hashtagfrei mit Waschmittelflaschen posierten. Als der Shitstorm über die peinlichste Product-Placement-Kampagne des Jahres losbrach, schob der Auch-Sänger ein natürlich total ironisches Foto nach, auf dem er sich mit Waschmittelpulle im Arm im Bett räkelt, Zusatz: „Anzeige“. Ach, drauf geschlichen.

PROGNOSE 2018: Braucht als junger Vater jetzt noch mehr Waschmittel.


75. Thorsten weiß, AFD-Abgeordneter

Listenlacher

Eine Liste mit 129 Fragen hat der AfDler dem Abgeordnetenhaus überreicht: Gibt es „linksextremistische Netzwerke“ zwischen SPD, Grüne, Die Linke und „linken“ Organisationen? Insgesamt 40 Organisationen hat Weiß gelistet. Etwa: August Bebel Institut, Clubcommission Berlin und Anne Frank Stiftung. Wenn ja: Fördergelder entziehen! Auf der bizarren Liste sind sogar die Bierbrauer von Quartiermeister drauf. Die Senatsinnenverwaltung machte es kürzer – und bügelte die Liste in zwei dürren Sätzen ab.

PROGNOSE 2018: Kriegt bei der nächsten Wahl keinen Listenplatz.


74. Jürgen Palla, Kantinenchef

Fleischesfrust

Ein Bürgerbegehren forderte, dass in öffentlichen Kantinen in Friedrichshain-Kreuzberg mindestens ein veganes Gericht angeboten werden muss. Jürgen Palla, Pächter der Kantine im Rathaus Kreuzberg, gab vor Schreck den Löffel seines Betriebs ab – vegan kochen wollte er nicht. Das Bürgerbegehren hat sich am Ende nicht durchgesetzt, Vegan-Phobiker Palla ist trotzdem raus.

PROGNOSE 2018: Kocht aus Versehen Spaghetti mit Tomatensauce.


Ramona Pop
Foto: Sandro Halank / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

73. Ramona Pop, Grüne Senatorin

Realo-Satire

Es gibt eine Handvoll urgrüner Grundsätze. Der Kampf gegen die Atomkraft ist einer, die Trennung von Amt und Mandat ein anderer. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop vom Realo-Flügel der Partei ist letzteres ziemlich wurscht. Die inzwischen zur Wirtschaftssenatorin ernannte Dame behält auch ihren Abgeordnetenhaussitz. 

PROGNOSE 2018: Geht auch noch in die Bezirks- und Bundespolitik.


72. Hans-Joachim Berg, AFD-Kulturpolitiker

Bühnenbanause

Weil sich die Intendanten von Friedrichstadt-Palast, DT und Gorki gegen rechtsnationale Parteien positionierten, wollte der kulturpolitische Sprecher der AfD diesen „Gesinnungs- und Propagandatheatern“ die Zuschüsse um 12,6 Prozent kürzen. Die AfD kam mit ihrem Antrag im Kulturausschuss nicht durch. Für diese Liste reicht es bei Berg dagegen zu 100 Prozent. Glückwunsch.

PROGNOSE 2018: Geht lieber ins Kino.


71. Michael Kuhr, Security-Unternehmer

Kuhrschatten

Der Besitzer eines Sicherheitsunternehmens ist der Harald Glööckler der Security-Branche: laut, immer ein bisschen windig. Die Lieblingsleier des ehemals sechsfachen Kickbox-Weltmeisters: nach mehr Law and Order in der Politik zu plärren, ob im Frühstücksfernsehen oder in der „Bild“. Wer nebenher auf Facebook vom „Krebs der nicht integrierbaren Maghreb-Prekariate“ faselt, hat allerdings nicht nur den Ton verfehlt – er hat sich zum irrlichternden Rechtsaußen radikalisiert.

PROGNOSE 2018: Wird von der AfD als neuer Innensenator ins Spiel gebracht.


70. Fler, Rapper

Fehldruck

Fler, ach Fler, was war das für ein Jahr. Erst lehnte der Hipster-Rapper Yung Hurn ein Feature mit dem Einbauschrank des deutschen Hip-Hop ab, und dann das: Kunstsinnig wie eh und je wollte Fler das Cover-Artwork des Rammstein-Albums „Sehnsucht“ auf die Hoodies seiner Klamottenkollektion drucken lassen, bekam ein Okay von Buddy und Bandkopf Till Lindemann – und eine Klage von der Rammstein-GbR. Die zu fragen, hatte er offenbar vergessen. 

PROGNOSE 2018: Zitiert Vertreter der Rammstein GbR, wie einst den Manager Hadi El-Dor, zur Prügelei auf einen Parkplatz in Lichterfelde.


69. Andrej Holm, Kurzzeit-Baustaatssekretär

Ausreder

Die Podiumsdiskussion, die Andrej Holm, noch als Baustaatssekretär, Anfang Januar anberaumte, sollte ein Befreiungsschlag werden, dass Holms einstige Stasi-Tätigkeit nur eine Jugendsünde war. Gerne hätte man dem Gentrifizierungsgegner dies auch abgenommen – hätte Holm dann nicht seltsame „Wissenslücken“ beschworen. So will er nicht gemerkt haben, dass er bei der Vertragsunterzeichnung bei der Stasi zum hauptamtlichen Mitarbeiter wurde. Kleiner Tipp: Auch mal das Kleingedruckte lesen.

PROGNOSE 2018: Bewährt sich in der Theorien-Produktion.


ICE
Foto: Martin Abegglen / flickr.com / CC BY-SA 2.0

68. ICE Berlin-München

Bummelbahn

Pünktlich zur Ankündigung der neuen Fahrkartenpreiserhöhung weihte die Deutsche Bahn im Dezember auch ihre ICE-Strecke Berlin-München ein: Fahrzeit unter vier Stunden. Dumm nur, dass die Jungfernzüge in den ersten Tagen oft doppelt so lange brauchten – wenn sie überhaupt fuhren. Die Lokführer, so verriet deren Gewerkschaft, seien völlig unzureichend für das neue digitale Zugbeeinflussungssystem geschult worden. Abgefahren.

PROGNOSE 2018: Schlechte Zeiten für Radler, die Richtung München wollen. In den ICs konnte man die Fahrräder mitnehmen. Im neuen ICE nicht.


66. Jonathan Meese, Künstler

Parsifail

Ursprünglich wollte Meese den „Parsifal“ in Bayreuth inszenieren. Aber die dortigen Wagnerianer setzten sein Stück ab. Jetzt haben ihn die Berliner Festspiele mit dem „Parsifal“ spielen lassen: Heraus kam der „Mondparsifal Beta 9-23“ in der Fassung des Komponisten Bernhard Lang, mit Barbarella als Parsifal. „Richard Wagner ist ja auch eine Frau“, so Meese im RBB. „Was Weiblicheres als Richard Wagner hat es ja nie gegeben in der Geschichte der Menschheit.“ 

PROGNOSE 2018: Spielt in der Deutschen Oper die „Lady Macbeth“ gleich selbst.


65. Thilo Jung, Journalist

Sonnengemüt

„Jung und naiv“ heißt sein Interviewformat im Wörldweitweb, in dem sich Jung, der alte Frauenmissversteher, gerne noch etwas dümmer macht, als er ohnehin ist. Interessanterweise werden seine Videos besonders gerne von Querfrontlern, Putin-Fans und – nun ja – AfD-Anhängern geteilt. Hui, dachte der Jung-Journo da, dann schlage ich gleich mal zwei Fliegen mit einer Klappe und interviewe Beatrix von Storch. Klimaexpertin Storch gab ihm da einen guten Tipp: Er solle doch einfach die Sonne verklagen, wegen des Klimawandels.

PROGNOSE 2018: Verklagt die Sonne.


64. Berliner G20-Polizisten

Triebtäter

Die G20-Krawalle in Hamburg hatten nicht einmal begonnen, da mussten gut 200 Berliner Polizisten schon wieder abreisen. Sie hatten es in der Unterkunft in Bad Segeberg etwas zu wild getrieben: Öffentlicher Sex und freizügiges Urinieren, Unmengen Alkohol und eine Beamtin, die im Bademantel und mit Waffe in der Hand auf dem Tisch getanzt haben soll. Den dringend nötigen Triebabbau durften die Beamten kurz darauf bei der Räumung der Friedelstraße 54 vollziehen. Später ließen sie sich zum Andenken ein Abzeichen sticken: mit einem saufenden Bär – und zwei, die poppen.

PROGNOSE 2018: Drei Tage wach.


63. Simon Strauß, Autor

Rudi Völlerei

Das Feuilleton feierte den Sohn des Dichter-Eremiten Botho Strauß als literarischen Hasardeur der Saison. Doch sein Debütroman „Sieben Nächte“, der das Ausleben der sieben Todsünden als Abenteuer präsentierte, war nur die Ausbruchsfantasie eines Spießers. Die „Völlerei“ etwa verwurstete er im Steak-Haus, die „Gier“ auf der Pferderennbahn, die „Wollust“ auf einem popeligen Maskenball. Dagegen hat selbst Ildiko von Kürthy mehr Drive.

PROGNOSE 2018: Wird neuer Vorsitzender der Jungen Union.


62. Bernward Eberenz, Stadtrat (Ex-Afd)

Spätmerker

Neuköllner Umweltstadtrat, angetreten als AfD-Mitglied. Brauchte sechs Monate, bis ihm aufging, dass er – schwul, Künstler, Philosoph, Sprachlehrer für Migranten – wohl in die falsche Partei geraten ist, wenn dort bedenkliche Gestalten wie Andreas Wild (siehe Platz 7) ihr Unwesen treiben. Trat dann aus der Partei aus. Behält seinen Posten trotzdem.

PROGNOSE 2018: Tritt auch nach Wilds Fraktionsrausschmiss nicht wieder in die AfD ein.


61. Sido, Musiker

Luxus-Rapper

Als „Drecksmenschen“ und „so’ne Opfer“ beschimpfte Sido die Macher des „t3n-Magazins“, nachdem es mit einer „Mein Block“-Parodie titelte („Mein Bitcoin“). Der Steppke aus dem Märkischen Viertel markiert eben sein Revier („Verwendung meines Gedankenguts“), obwohl er inzwischen die Kohle für Villen hat. Ist er böse, weil ihm nichts mehr einfällt?

PROGNOSE 2018: Neue Karriere als Love Interest im Familienfilm.


60. Cezary Gmyz, Polnischer TV-Korrespondent

Deutschlandversteher

Zwischen Kiel und Passau errichten Islamisten ein Kalifat, es herrscht eine „schwule Gender-Diktatur“ und das Jugendamt nimmt unentwegt in Deutschland lebenden polnischen Familien die Kinder weg. So in etwa sieht das wirre Deutschlandbild des hier residierenden Korrespondenten des polnischen Staatsfernsehens aus.

PROGNOSE 2018: Wickelt in Polen die liberalen Privatmedien ab.


59. Christoph Gröner, Immo-Entwickler

Verkehrsberuhigung

Carré Sama-Riga ist der wohltönende Name des Neubauprojekts in Nachbarschaft der Autonomenzentrale in der Rigaer Straße 94. Bauherr: Die CG-Gruppe unter ihrem Chef Christoph Gröner. Sorgt derzeit für Neid, weil sie schafft, was die Linken selbst mit fortgeschrittenem Barrikadenbau niemals erreichen werden: die totale Verkehrsberuhigung. Vollsperrung der Rigaer Straße für das Bauprojekt. Klarer Sieg? Nö: Gröner fühlt sich von den Linken gemobbt.

PROGNOSE 2018: Stellt sein Auto nicht im Friedrichshain auf die Straße.


58. Matthias Schweig­höfer, Schauspieler

Säuselwind

Jan Böhmermann hat für sein Satire-Liedchen „Menschen Leben Tanzen Welt“ Schimpansen damit beauftragt, Werbeslogans, Kalendersprüche und Youtube-Fetzen zu einem „Song“ zusammenzupfuschen. Wozu die Liebesmüh? Das Ergebnis ist in seinem poetischen Gehalt nicht zu unterscheiden von Matthias Schweighöfers Trash-Album „Lachen Weinen Tanzen“. Der Gute hat dafür auch noch die heiligen Hallen der Hansa-Studios besudelt. Jede Erstklässlerin würde sich dafür schämen, derartige Schmonzetten ins Poesiealbum der drittbesten Freundin zu säuseln – oder prompt von dieser entfriended werden.

PROGNOSE 2018: Ausdruckstanz.


57. Djamila Rowe, Visagistin (u.a.)

Dauerbaustelle

Lange nichts vom angeblichen Botschafts-Luder Djamila Rowe gehört. 2017 aber trat sie mit Macht ins Licht der Öffentlichkeit zurück: Beim RTL-Freikörperkulturformat „Adam sucht Eva“ präsentierte die 50-Jährige ihren Körper so, wie die Schönheitschirurgie ihn halt hinbekam: Die selbsternannte „Busenexpertin“ berichtete nicht nur von fünf Brust-OPs. Sie lud auch die anwesenden Herren zu haptischen Tests ein. Welche Arbeiten demnächst an ihrer Großbaustelle anstehen, verriet sie noch nicht.

PROGNOSE 2018: Für irgendeine OP wird das Honorar schon reichen.


56. Stephan von Dassel, MItte-Bürgermeister

Räumkommando

Schwer zu glauben, dass Mittes Bürgermeister bei den Grünen sein soll: Stephan von Dassel wäre selbst in der CDU ein Hardliner. Er ließ die Obdachlosencamps im Tiergarten räumen und brachte eine Abschiebung der dort residierenden Polen ins Gespräch – obwohl man EU-Ausländer überhaupt nicht abschieben kann. Aus dem Mann kann noch was werden. Nur nicht gerade bei den Grünen.

PROGNOSE 2018: Mauer um Mitte.


55. Oskar Roehler, Regisseur und Autor

Hummerleider

Mit seiner politisch maximal unkorrekten Figur eines hummersüchtigen Stammkunden aller Berliner Puffs hat Oskar Roehler in seinem Roman „Selbstverfickung“ so überdeutlich nach dem Sondernobelpreis für submissive Houellebecqisten geschielt, dass ihm gar nicht mehr auffiel, dass er sich mit seinen Kafka-Anleihen doch gröber verhoben hat.

PROGNOSE 2018: Wird mit seiner geplanten Verfilmung eines Thor-Kunkel-Romans wieder von allen missverstanden.


ASH
Foto: Foto: David von Becker

54. Asta der Alice Salomon Hochschule

Wandwut

Asta, das war doch immer die Guten, dachten wir. Manchmal etwas nervig, aber immerhin engagierte sich da jemand für die Studenten, die irgendwann Studierende hießen, vermutlich eine Asta-Idee. Für wen sich der Asta der Alice Salomon Hochschule stark machen will, hat sich uns dagegen nicht ganz erschlossen. Sie fordern die Entfernung eines spanischen Gedichtes von Eugen Gomringer von der Uni-Fassade, eine Liebeserklärung („Alleen und Blumen und Frauen und/ ein Bewunderer“). Sexismus! Ja. Aber auch viel Lärm um Wenig. Und mit sechs Jahren Verspätung, so lange steht der Text schon dort. Man könnte sich auch mit aktuellen sexistischen Vorfällen beschäftigen…

PROGNOSE 2018: Erasmus-Jahr in Spanien.


53. Eva Högl, SPD MItte

Winkgeber

Die SPD-Chefin von Mitte war kurz mal Kandidatin für die vorderen Plätze: auf dieser Liste, nicht in der Partei. Als Martin Schulz nach dem Barcelona-Attentat vor die Kameras trat, hampelte sie im Hintergrund herum, feixte, grüße, kicherte. Nach dem fälligen Shitstorm räumte sie ein, das Thema von Schulz’ Statement nicht mitbekommen zu haben. Dass sie ansonsten offenbar grundlos rumblödelt, werten wir mal als Pluspunkt, für die Liste hier gibt es allerdings Abzüge.

PROGNOSE 2018: Grüße Koalition.


52. Margarete Koppers, Polizeivizepräsidentin

Refor-Mist

Noch im Jahr 2011, als Margarete Koppers die Interimsnachfolge vom damaligen Polizeipräsidenten Dieter Glietsch übernahm, war sie ein Liebling der Medien, es erschienen Lobpreisungen von „Tagesspiegel“ über „taz“ bis hin zum „Neuen Deutschland“. Inzwischen sind ihr viele ihrer Reformen auf die Füße gefallen. Etwa die Neustrukturierung der Polizeiakademie. Über die Giftstoffe in den hoffnungslos veralteten Luftfiltern der Polizeischießstände wusste sie früh Bescheid – und hielt erstmal die Füße still.

PROGNOSE 2018: Auf Stress reagiert Koppers gerne mit Krankschreibung, legt zumindest der zeitliche Zusammenhang nahe, sie wird als Generalstaatsanwältin wohl wenig wuppen.


Raed SalehFoto: Sandro Halank / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

51. Raed Saleh, SPD-Fraktionschef

Putsch-Panne

Spätestens, seit Sadiq Khan Bürgermeister von London geworden ist, rechnet sich auch der Spandauer SPD-Mann Raed Saleh Chancen aus, der erste Regierende islamischen Glaubens zu werden. Doch dazu fehlt ihm mehr als nur Khans Klasse. Etwa politisches Gespür. Den Machtkonflikt, den der Fraktionsvorsitzende mit seinem Chef Michael Müller austragen wollte, hat Müller zwar nicht gewonnen, Saleh aber hat ihn krachend verloren: Die SPD-Fraktion hat ihn ausgebremst.

PROGNOSE 2018: Lässt den armen Müller in Ruhe (okay, kleiner Scherz).


50. Ai Weiwei, Künstler

Gratismut

Die Bambi-Verleihungen sind ja per se schon fragwürdig, schließlich handelt es hier um eine drei Stunde lange Werbeveranstaltungen des Burda-Verlags im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Aber die Fantasie-Kategorien des Preises sind schlicht der Knaller. Ai Weiwei, unser aller Lieblings-Konzeptkünstler, ließ sich den seinen für „Mut“ geben. Früher konnte er auch mal „Nein“ sagen. Vermutlich aber ein mehr als glücklicher Zufall, dass am gleichen Tag Ais Flüchtlings-Kitschfilm „Human Flow“ ins Kino kam.

PROGNOSE 2018: Verhüllt den Bambi in Rettungsdecken. Finden alle toll.


Ben Becker
Martin Kraft / photo.matinkraft.com / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

49. Ben Becker, Schauspieler

Rabatzmarke

Verlässlich zerknittert schiebt sich der ewige Rumpelfuß überall ins Bild, wo er ein bisserl Rabatz vermutet – sei es bei der Volksbühnen-Besetzung, wo er der Presse warme Worte für die Revoluzzer ins Mikro raunte, oder bei einem Auftritt von Nick Cave. Der hatte es gewagt, zwei Konzerte in Israel anzukündigen, was ihm einen Boykottaufruf der Palästinenser-Versteher vom BDS bescherte. Und das tapferle Beckerlein? Reckt kämpferisch die Faust im Dienste der „Israelkritik“ empor. Dass sein jüngst gestarteter Film „Ich, Judas“ heißt, lassen wir einfach mal so stehen.

PROGNOSE 2018: Entdeckt seine Freude an Montagsdemos.


48. Ken Jebsen, Journalist

Jessas

Immerhin mit 200 Euro war der „Karlspreis der Stadt Köln“ (ein Pappteller mit aufgeklebtem Foto) dotiert, den eine Handvoll schwerverwirrter Querfrontler dem rechtsoffenen Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen im Kino Babylon überreichen wollte. Kultursenator Lederer wollte die Veranstaltung der aggressiven Friedensfreunde unterbinden, erlitt jedoch vor Gericht eine Niederlage. Doch dann hatte Kenni selber Feuer unterm Aluhut und schwänzte das Geplänkel, weil er „Personenkult“ ablehnt. Im dazugehörigen Interview mit seinen Buddies vom russischen Propagandasender „RT Deutsch“ verglich er sich mit Jesus und sprach von sich selbst in der dritten Person.

PROGNOSE 2018: Gott Putin erkennt ihn als seinen eingeborenen Sohn an


Karl-Georg Wellmann
Foto: Foto-AG Gymnasium Melle / Wikimedia Commons / CC BY 3.0

47. Karl-Georg Wellmann

Schlammkämpfer

Eine von der CDU beauftragte Untersuchungskommission empfahl Strafanzeige: Der damalige CDU-Direktkandidatsbewerber (Steglitz-Zehlendorf) soll, es ging um die Bundestagskandidatur, parteiinterne Umfragebögen gefälscht haben. Dann habe ein Privatdetektiv für ihn belastendes Material gegen Partei-Konkurrenten Thomas Heilmann finden sollen. Wellmann bestritt alles. Der Ruf war nach der Schlammschlacht zerstört, er verlor bei der Abstimmung gegen den Kollegen – und ist seit September nicht mehr im Bundestag vertreten. 

PROGNOSE 2018: Seine Internetseite wellmann-berlin bleibt verwaist.


46. Andrzej Przyłebski, Polens Botschafter

 

Gegegendarstellung am Ende der Seite


45. Jakob Augstein, Verleger

Der Übliche

Alles wie gehabt. Der Hauptvertreter der Israelkritik von links hat sich auch in der Jerusalem-Debatte zu Wort gemeldet, eine in der französischen „Le Monde“ ausgerufene „Israelisierung der Welt“ kolportiert und sich darüber empört, dass die Israelis potentielle Attentäter überwachen, um sich vor Attacken zu schützen. An den Attacken seien übrigens die Israelis selbst schuld. Deniz Yücel schrieb einmal, es gäbe kein Menschenrecht auf Israelkritik. Für Deutsche schon gar nicht.

PROGNOSE 2018: Chef im Deutsch-Palästinensischen Verlegerverband.


44. Hagen Wittenborn

Schlafstörung

Es war sein Versuch, mit der Beliebtheit Berlins Geld zu machen: das Fantastic Foxhole Hostel. Doof nur, dass das Neuköllner Bezirksamt dem Betreiber Hagen Wittenborn im April die Vermietung der Doppelstock-Betten in den Schlafsälen untersagte – ungenehmigte Nutzungsänderung. Wittenborn sagte damals: „Das Ding ist bei Booking.com buchbar und das wird es auch bleiben.“ Bis es im Oktober vom Bezirksamt verschlossen und versiegelt wurde. Dreistigkeit siegt eben doch nicht immer. Zum Glück.

PROGNOSE 2018: Probiert’s bei AirBnB.


43. Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin

Mama Mio

Sie ist vermutlich die erfolgreichste Politikerin von ganz Berlin und hat Kreuzberg-Friedrichshain anscheinend zum reichsten Bezirk innerhalb der Stadtgrenzen gemacht. Anders ist nicht zu erklären, dass ihr Bezirksamt die Kohle mit vollen Händen rausschaufelt: fünf Millionen Euro für Flüchtlinge, die perspektivlos und ohne gültige Ausweise in der alten Hauptmann-Schule leben. Immerhin konnte der Bezirk für die Wohnhäuser, für die er das Vorkaufsrecht ausübt, mit dem Senat einen Geldgeber auftun*. Geld, das dann aber auch für den dringend benötigten Neubau von Sozialwohnungen fehlen wird.

PROGNOSE 2018: Führt 2017 die Xberg-Mark ein, eine Währung, die außerhalb Kreuzbergs nichts wert ist.
(* In der gedruckten Version wurde irrtümlich behauptet, die Mittel für die Ausübung des Vorkaufsrechts kämen auch aus dem Bezirkshaushalt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Die Red.)


42. Sophia Thomalla, Schauspielerin

Miss Krawalla

Pünktlich zum Jahresende dreht Miss Thomalla verlässlich hoch: Warm machte sie sich 2017 mit einem Post über Dicke, die sich ihr Fett selbst zuzuschreiben hätten (statt dem Weihnachtsmann), dann folgten eine selten geschmackvolle Werbe-Darbietung am Kreuz, ein Debattenbeitrag zu #MeToo („verlogen“) und ein Mann an einer Leine (leider nicht Gavin Rossdale). Sie glaube an sich und an Karma, ließ sie noch wissen – womit zumindest der Dalai Lama 2018 auf der sicheren Seite sollte.

PROGNOSE 2018: Der Dalai Lama sollte sich aber nicht zu sicher sein. Wir sind es ja auch nicht.


41. Rüdiger, RechtsAktivist

Mahnlacher

Rüdi (Manthey? Klaasen? Hoffmann? Man weiß es nicht) steht gerne vor dem Reichstag, zusammen mit seinen Mitstreitern von der Initiative Staatenlos.info. Und dann beginnt der ehemalige NPD-Kader zu schwadronieren: Darüber, dass die Bundesrepublik Nachfolger des Dritten Reichs wäre und eine faschistische Politik betreibe. Das ist schon lustig, weil Rüdi wohl der einzige Nazi ist, der vor dem Faschismus Angst hat.

PROGNOSE 2018: Rüdis Paranoia siegt und er bekommt eine schicke Jacke mit Verschlüssen auf dem Rücken.


40. Bushido, Rapper

Spießgeselle

Vielleicht will er den Integra­tionsbambi ja doch behalten. Bushidos Selbstverspießerung kommt jedenfalls voran. Er verklagte die Stader Polizei, weil die eine Fahndung nach einem Räuber mit einem Phantombild bestritten, das nach seinem Antlitz gestaltet wurde. Verteilte auch via Twitter Strafpunkte an eine Postfiliale in Lichtenrade: „Service und Freundlichkeit liegen im Minusbereich!!!“ Bekam verdient den Hashtag #SpießerBushido hinterhergetrollt. Er wird immer mehr zum Spießer mit Ellenbogen-Polster am Fenster, der in die Welt hinauszetert. 

PROGNOSE 2018: Verklagt wegen Bandscheiben-Aua seine Ärzte.


39. Auspark-Heisssporn

Sani-Täter

Wollte er pünktlich zur Spielothek oder in die Bierhalle? „Mir egal, wer hier gerade reanimiert wird“, sagte ein Mann, der wegen eines Krankenwagen-Noteinsatzes nicht ausparken konnte und die Sanitäter attackierte – die waren damit beschäftigt, einen Einjährigen zu reanimieren. Das Kind überlebte. Dem Menschenhasser wünschen wir, dass er sein Haus nie mehr verlässt.

PROGNOSE 2018: Fahrverbot.


38. Steffen Seibert, Regierungssprecher

Kalter Entzug

Ganz ehrlich, den Regierungssprecher hatten wir bislang eher als Leichtgewicht verbucht, ein nett frisierter Mann, der nicht mehr sagt, was die ZDF-Redaktion für ihn recherchiert hat, sondern eben was Angela Merkel ihm so diktiert. Beim G20-Gipfel in Hamburg zeigte sich, dass das Amt mehr Brisanz hat, und dass Seibert offenbar einige Fähigkeiten fehlen. Wie sonst ist eine Schwarze Liste des Bundeskriminalamtes zu erklären, auf der Namen von 32 Journalisten sind, die eine Gefahr darstellen würden und denen die Akkreditierung entzogen wurde? Die Namen entpuppten sich im Nachhinein als Verwechslung oder die Verdächtigungen als völlig haltlos. Seibert erklärte die Überprüfung der Namen lapidar nicht zu seiner Aufgabe. Und nun das Wetter.

PROGNOSE 2018: Return to Sender.


37. Mario Barth, Komiker

Slipeinlage

Was müssen wir da bei „Focus“ ­lesen? Mario Barth, dieser subtilste Komiker, der je von Berlin auszog, Deutschland penetrant diesen einen Witz (Männer sind so, Frauen so meh) reinzutun, soll in der Waldbühne einen Zwölfjährigen aus dem Publikum geholt, ihn mit seinen „Fifty Shades of Grey“-Tricks tracktiert und von Damen-Schlüpfern fabuliert haben, die „unten kaputt“ gewesen seien. Und wie „geil“ es doch wäre, wenn der Zwölfjährige zu Hause seine Mutter fragte, was „Schlüpper unten kaputt“ heißt? Und wir dann so: Soll das ein Witz sein?

PROGNOSE 2018: Die Witze mit den Dildopartys gehen doch besser.


Sandra Scheeres
Foto: Sandro Halank / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

36. Sandra Scheeres, Schulsenatorin

Ruhezone

Hier spricht die Chefin. Und nur die Chefin. Obwohl in Berlins Schulpolitik so einiges im Argen liegt (Sanierungsstau, Gewalt, Überfüllung, Lehrermangel, Pisa-Platz), sollen die Schulen ihre Missstände bitte schön nicht in die Öffentlichkeit tragen. Die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat ihnen einen Maulkorb verpasst. Oder hätte es zumindest gern. Journalisten seien an ihre Pressestelle zu verweisen. Aber gut: Zu irgendwas muss ihr neues Referat „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ (mehrere Stellen zusätzlich für 2018/19) ja gut sein.

PROGNOSE 2018: Lange schaut sich ihr Staatsekretär Mark Rackles das Drama nicht mehr mit an.


35. Pure 173, Eigentumswohnungsagentur

Rohrkrepierer

Was macht man, wenn man einen Luxuswohnungsbau mit Seeblick hinknallen will, aber irgendwelche komischen Rohre im Boden findet? Klar, erst wegbaggern, dann fragen. Irgendwann war beim Strandbad Weißensee, da führten die Rohre nämlich hin, die Kacke am Dampfen. Die Bagger hatten das Abwassersystem des Bades zerlegt, das Bad musste wochenlang schließen, ihm drohte die Insolvenz, und als es wieder öffnete, war (siehe Platz 34), der Sommer vorbei. Und vom Bau gibt es bislang nur: eine Baugrube.

PROGNOSE 2018: Baugrubenlücke.


Fernsehturm
Pascal Volk / flickr.com / CC BY-SA 2.0

34.Berliner Sommer

Nassforsch

Ach, dieser Sommer. So Berlin. Große Erwartungen, kleines Karo. Begann noch ganz passabel. Dann kam der Regen. Und der Regen. Und der Regen. Zlatan hieß das Tief. Und wie tief es uns runter zog. Bäume fielen, Keller soffen ab, es gab Unfälle, Tote gar. Und wir liefen in unseren über dem Knie zerrissenen Jeans mit nackten Knöcheln durch den Schlamm der Tage und schworen uns, nächstes Jahr woanders zu sein. Der Berliner Sommer: das ICC unter den Jahreszeiten, eine Wetter gewordene Schrottimmobilie.

PROGNOSE 2018: Nur weg hier. Soweit die Flüge tragen. Sicher ist sicher.


Katrin Lompscher
Foto: Martin Rulsch / DerHexer / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0

33. Katrin Lompscher, Bausenatorin

Baulücke

Der Start der neuen Senatorin fürs Bauen und Wohnen im Jahr 2016 geriet holprig: Mit Andrej Holm ernannte sie einen Staatssekretär, dessen Ideen für Stadtentwicklung noch direkt aus der DDR stammten. Doch auch im folgenden Jahr fiel die 55-Jährige nicht gerade durch besonderen Bauwahn auf. Wohnungsneubau nur, wenn es ihrer Wahlklientel nicht missfällt, Wohnungsausbau nur, wenn dadurch keine Straßenbäume gefährdet werden, und mit privaten Bauherren (die immerhin 80 Prozent des Wohnungsbaus entwickeln und durchführen) wird die Kommunikation auf ein Minimum verringert.

PROGNOSE 2018: Ach, egal.


32. Capital Bra, Rapper

Krassnik

Capital Bra, das klingt nach Dessousmarke, ist aber ein Gangsterrapper, der nur noch Gucci trägt. Als Capital Bra im Alexa eine Signierstunde gab, rückten hunderte Fans an wie die Rote Armee, die Lage eskalierte, die Polizei schritt ein, es gab Festnahmen. Nachdem die Veranstaltung abgebrochen wurde, prahlte der Rapper in einem Facebook–Video mit seinen „so krassen Fans“ und freute sich über das erteilte Media Markt–Hausverbot.

PROGNOSE 2018: Trägt ab sofort nur noch Picaldi.


31. Taekker, Wohnungskonzern

Gallierfeind

Da hat sich jemand mit den falschen angelegt: Die Firma Taekker wollte die Lausitzer Straße 10 in Kreuzberg verkaufen, für fast 20 Millionen Euro. Das Problem: In dem Haus sitzen zig linke Medienmacher. Das Antifaschistische Pressearchiv, die Videoproduktionsstätten Autofocus und Leftvision, das Kommunikationsguerilla-Kollektiv Peng! und viele weitere von der Sorte. Die machten entsprechend Krawall, Taekker zog seine Verkaufspläne zurück. Wieder mal die Rechnung ohne die Mieter gemacht.

PROGNOSE 2018: Versucht die Mieter mit Sanierung rauszunerven.


30. Jury zur Straßenumbenennung im Afrikanischen Viertel

Umsonstkultur

„Herausragende historische Persönlichkeiten und aktiv im Widerstand gegen Kolonialismus und Rassismus“ wollte eine Jury im Afrikanischen Viertel für die Umbenennung von Straßen finden, die bisher nach Kolonialisten benannt waren. Das ist ihr bei ­Nzinga von Matamba (1583-1663), Königin von Ndongo im heutigen Angola, auch besonders gut gelungen. Sie hat gegen die Portugiesen gekämpft. Dummerweise soll sie auch mit Sklaven gehandelt haben. Alle Arbeit umsonst.

PROGNOSE 2018: Überlegen sich den Bürger-Vorschlag „Nelson Mandela“ noch mal.


29. Horst Bredekamp, Kunsthistoriker

Altbarocker

Der Co-Gründungsintendant des Humboldt Forums zeigt sich im Streit um das künftige Haus am Schlossplatz als im Barock erstarrter Geist. Nicht etwa Provenienzforschung oder Dialog mit Experten aus den Herkunftsländern umstrittener Sammlungsobjekte steht für den emeritierten Professor der Kunstgeschichte auf der Agenda, sondern: Erhöhung der Objekte „auf prachtvolle Weise“. Im „Herzen einer Nation“. Staunen. Wie in der Wunderkammer eines Fürsten.

PROGNOSE 2018: Wechselt ins Grüne Gewölbe nach Dresden, wacht über die Schätze Augusts des Starken.


28. Michael Müller, Berlins Bürgermeister

Reaganwetterer

Michael Müller
Foto: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE

Regierender Bürgermeister spielt Staatsmann, feuert Pressemitteilung Richtung Trump, weil der die Mauer zu Mexiko will. Müller macht den Reagan: „Dear Mr. President, don’t build this wall!“ Denn die Berliner hätten über Jahrzehnte erlebt, wie schlimm Trennung war. Moment mal! Ging es der DDR etwa nicht darum, ihre Leute drinnen statt Fremde draußen zu halten – und geht es Trump nicht ausschließlich ­darum, Fremde draußen zu halten? Oder wie ist das überhaupt, Herr Müller, mit dieser komplizierten Politik und seiner Historie? Passt zu seinem ansonsten mauen Jahr, natürlich. Das sollte er sich einmauern in seinem Gedächtnis.

PROGNOSE 2018: Droht Trump mit David Hasselhoff.


Wer von den beiden ist das?
Foto: Lena Ganssmann

27. Meng Meng & Jiao Qing, Pandabären

Trottelteddys

Ach, diese Pandas. Dumm wie Bambus. Laufen immer wieder mal sinnfrei rückwärts (Meng Meng jedenfalls, dagegen soll übrigens, äh, Sex helfen). Kosten pro Jahr so viel wie eine halbe Eigentumswohnung in Prenzlauer Berg. Leben in einer Zehn-Millionen-Euro-Anlage im Zoo, die trotzdem zu klein sein soll. Dafür mussten die Hirsche weichen. Hoffentlich springen wenigstens ein paar lustige Trottelteddy-Videos dabei heraus. Die eskalieren auf Youtube. Mehr kann man von den Viechern auch wirklich nicht verlangen.

PROGNOSE 2018: Wochenlanger Live-Ticker aller Berliner Medien vom ersten Paarungsversuch. Der natürlich schief geht. Sind halt Pandas.


26. Frank Steffel, CDU-Kreischef

Schreibfehler

Der Steffel, der kann einfach Wahlkampf. Alte Schule. Wie früher auf dem Alex, als die Eier noch flogen. Dem macht keiner was vor. Die Kanzlerin hat keine Zeit, Wahlempfehlungsbriefe für Frank Steffel zu schreiben? Ist doch wumpe. Werden eben im Reinickendorfer Wahlkampfteam Textbausteine der Kanzlerin zusammengeguttenbergt und Merkels Unterschrift wird unten reinkopiert. Fragen kann man die Merkel hinterher immer noch: Frau Kanzlerin, ja oder ja?

PROGNOSE 2018: Wird Schriftführer im Bundestag.


Die Besetzung der Volksbühne


25. Volksbühne (1): Die Besetzer

Theaterstürmer

Was schlugen unsere Herzen wild und laut, als wackere Aktivisten die Volksbühne besetzten. Protest als Performance! Theater gegen den Kapitalismus! Irgendwas mit Gentrifizierung! Dumm nur, dass sich die große Revolutionsrevue am Ende als die übliche linke ­Szenefolklore mit Mate-Mief und von sich selbst gerührter Protestromantik entpuppte.

PROGNOSE 2018: Tanzen bis zum Kommunismus.


24. Volksbühne (2): Dercons Social-Media-Team

Theateresotherik

„Die Sinne schärfen. Sich ins Detail versenken. Das Gesamte vom kleinsten Teil denken. Lauschen. Flüstern. Klein werden. Raus aus dem Totalzusammenhang. Kommt zusammen!“ Nanu, ist schon wieder Klangschalenabend in der lokalen Polyamoristengruppe? Ach nee, ist nur der erste Facebook-Post der neuen Volksbühnen-Belegschaft. Das New-Age-Gesabbel zum Dercon-Einstand: Wasser auf die Mühlen der Castorf-Nostalgiker. Zu allen weiteren Darbietungen fragen Sie bitte den tip-Theaterredakteur.

PROGNOSE 2018: Bikram-Yoga im Roten Salon.


23. Volksbühne (3): Die Castorf-Fans

Theaterdonner

Ja doch, wir trauern Frank Castorfs Volksbühne auch nach. Die Castorf-Ultras aber übertreiben die Sache. Mit einer Hybris, die ihresgleichen sucht, jazzen sie den Intendantenwechsel an OstBerlins sakrosanktem Theaterhaus zur Götterdämmerung hoch. Und so ließ der Castorf-Fan und Schauspieler Alexander Scheer seiner Wut über die Volksbühnen-Posse schon mal freien Lauf, indem er Ex-Kulturstaatssekretär Tim Renner auf einer Party mit Bier übergoss. Dabei war das doch noch gut. A Schmierentheater.

PROGNOSE 2018: Errichten ein Castorf-Denkmal am Rosa-Luxemburg-Platz.


22. Andrea Nahles, SPD-Fraktionschefin

Schreikind

Die Andrea will es der Angela noch mal so richtig zeigen, bevor sie wieder mit ihr in einer Spielgruppe sitzen muss, und ruft ihr deshalb ganz laut „Bätschi“ entgegen. Das ist bei einer Zweijährigen nervig, bei einer Bundes­politikerin besorgniserregend. Die Andrea ist zwar keine richtige Berlinerin, aber das sind die Berliner ja selten. Immerhin kann sie auch schon „Auf die Fresse“ sagen. Wie eine echte Berlinerin.

PROGNOSE 2018: Ätschi!


21. Bernd Krömer (CDU), Ex-Staatssekretär

Laufwunder

Einen Marathon läuft man nicht mal eben so, da braucht es mentale Vorbereitung, der innere Schweinehund frisst einem ja auch nicht aus der Hand. So ein Untersuchungsausschuss drei Tage vorher kommt da natürlich ungelegen. Der frühere Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) ließ sich jedenfalls krank schreiben, als er dem Amri-Ausschuss an einem Freitag im September den Breitscheidplatz-Terroranschlag erläutern sollte. Am darauf folgenden Sonntag lief er den Berlin-Marathon in okayen 4 Stunden und 37 Minuten. Eine Wunderheilung, wie man sie sonst allenfalls von verletzten russischen Gewichtheberinnen kennt.

PROGNOSE 2018: Läuft dem Ausschuss nicht noch mal davon.


20. Dandy Diary, Modeblogger

Corporate Hipster

Die Trendsetter sind nicht mal mehr Influencer, sondern nur noch Werbetreibende. Kann passieren, sollte man aber besser kaschieren, damit die Fans leichtgläubig bleiben. „Diesen Text hier schreibe ich tatsächlich mit der Hand“, menschelt Carl Jakob Haupt, „es ist der erste Blogpost, seit es Dandy Diary gibt, der so geschrieben wird.“ Auftraggeber: Mont Blanc. Sehnsüchtig hier: „Das erste Mal, dass ich eine Ray-Ban gesehen habe, ist schon mindestens 20 Jahre her, wir durften die Ray-Ban-Reloaded-Modelle netterweise vorab schonmal testen!“ Wenn das so weitergeht, werden uns nächstes Jahr in Kreuzkölln erstmals zwei laufende Litfaßsäulen begegnen.

PROGNOSE 2018: Müssen so schnell keine Ray-Ban-Brille mehr kaufen.


19. Dirk Behrendt, Justizsenator

Bummeljustiz

Über den Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung könnte man schnell lästern. Dass er sich für Unisex-Toiletten, ein schwul-lesbisches Jugendzentrum und eine Verfassungsklage gegen Massentierhaltung einsetzte, anstatt die wichtigen Berliner Aufgaben anzugehen, beispielsweise die trotz Aufstockung weiter verbesserungswürdige Personalausstattung bei Richtern und Staatsanwaltschaften oder die Änderung der Landgerichtsstruktur. Dabei ist Behrendts Verhalten bei der Neubesetzung des Generalstaatsanwaltspostens gar nicht so lustig. Denn der weiten Teilen der Berliner immer noch unbekannte Jurist versuchte auf Biegen und Brechen, seine Favoritin Margarete Koppers durchzuboxen, obwohl die Vize-Polizeichefin noch nie als Staatsanwältin gearbeitet hat und durch die Schießstandaffäre belastet ist.Behrendt hatte die Auswahlkommission, die sein Vorgänger einberufen hatte, umbesetzt. Die sich dann für Koppers entschied. Was für eine Überraschung.

PROGNOSE 2018: Kann weiter unerkannt auf Unisextoiletten gehen.


Mark Forster
Foto: Fotografien R. Bajela / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

18. Mark Forster ,Musiker

König Leermut

Knuddeliger Mützenfratz, der viel Geld damit verdient, zu Dorf­discopop freundliche Kalendersprüche aufzusagen: „Flash mich“, „Königin Schwermut“, et cetera. Wie genau, erzählte er einem Journalisten der Plattform „Planet Interview“ in einem Gespräch über politischen Anspruch und Autorenschaft im Chartspop. Zu Gesicht bekommen werden wir’s nie – denn Forsters Management kassierte das kritische Interview hernach. Ohne Diskussion, ohne Erklärung. Flasht uns so gar nicht.

PROGNOSE 2018: Lässt seine Promoterin die Interviews führen.


17. Bonnie Strange, It-Girl

Trockenübung

Was, liebe Leserinnen und Leser, darf am Strand auf keinen Fall fehlen? Ein Sonnenschirm, eh klar. Badebekleidung ist auch prima. Essenziell jedoch, das lehrte uns ein pastelliger Instagram-Urlaubsgruß von Beachgirl Bonnie, ist eine Dose Trocken­shampoo, die sich besonders Trendbewusste keck in den Schlüpper stecken. So trägt man das wohl, wenn man sich – dem schwindenden Society-Ruhm sei’s geschuldet – als Influencerin verdingen muss. 

PROGNOSE 2018: Posiert mit Zahncreme vor dem Matterhorn.


Katina Schubert
Foto: Sandro Halank / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

16. Katina Schubert, Linke Landeschefin

Härtefall

Die Linken-Landeschefin verinnerlicht den Eine-Welt-Gedanken: „Es konnte mir noch niemand erklären, warum es so wahnsinnig von Vorteil ist, potenzielle Terroristen abzuschieben. Was ist denn gewonnen, wenn sie andernorts schwere Verbrechen begehen? Der Terror ist längst global.“ Herrje. Irgendwas hat ­Katina Schubert an der Globalisierung so gar nicht verstanden. Über ihr Timing (der Satz fiel kurz vor dem Terroranschlag-Jahrestag) wollen wir gar nicht reden.

PROGNOSE 2018: Denkt weiter über Abschiebungen nach.


15. Heike Werding, Reichsbürgerin

Wildweib

… oder auch „lebendige Heike, Weib aus der Familie Werding“, ist „die Generalbevollmächtigte aller deutschen Völker und Stämme“ und steht damit höher als die Bundeskanzlerin. Jedenfalls in ihrem Fantasiereich, einem Deutschland, in dem das Kaiserreich noch existiert. In ihrer alten Heimat, Oldenburg, war sie der Schrecken aller Ämter, da sie dazu neigte, seitenlange Eingaben zu schreiben, die sie gerne mit uralten Gesetzen und Wissen von der Youtube-Universität begründete. Seit einem Jahr lebt Werding in Berlin.

PROGNOSE 2018: Werding bringt die Berliner Ämter auf Vordermann, die erledigen alles doppelt so schnell, um die Quartalsquerulantin loszuwerden.


Christoph Meyer
Foto: Harry Schnitger / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE

14. Christoph Meyer, FDP

Tegelmodel

Meyer war mal Spitzenkandidat der FDP bei den Abgeordneten­hauswahlen 2011. Das haben viele vergessen, er sicher nicht: Er holte 1,8 Prozent, das schlechteste Ergebnis ever, ever, ever – wie die Liberalen vermutlich sagen würden. Seitdem hat er sich Gedanken gemacht, wie er das Volk erreicht. Und siehe da, die ultramodern­digitale Zukunftspartei erklärte den Altflughafen Tegel zu ihrem Liebling und Meyer zum Tegelretter. Mit Erfolg, zumindest auf dem Zettel. Denn was aus Tegel tatsächlich, also ganz analog, wird, steht nach wie in den Sternen, jedenfalls nicht im Internet. Der West-Berliner Jurist Meyer nutzte das Comeback der FDP gleich für ein persönliches Re-Design im Christian-Lindner-Look. Immerhin: Von einem Bild in Unterhemd blieben wir verschont. Bisher.

PROGNOSE 2018: Freut sich, natürlich rein politisch, auf die Unmöglichkeit der Volksentscheid-Umsetzung.


13. Engelbert Lütke Daldrup, BER-Chef

Fliegerhorst

Unter uns: Der BER ist immer ein dankbares Objekt für eine solche Liste. Andererseits wird es immer schwieriger, nachzuvollziehen, was denn da unten in Schönefeld nun wirklich los ist – und wer die Verantwortung gerade innehat. Vermutlich war es deswegen auch sein grandioser Name, der den ehemaligen Staatssekretär für Irgendwas, ­Engelbert ­Lütke Daldrup, zum Flughafenchef qualifizierte. So wirkt das Ganze gleich von vornherein wohltuend loriot’esk. Dass er dieses Jahr tatsächlich wieder einigen Schmarrn verzapft hat, zum Beispiel der neueste Eröffnungstermin ohne Abstimmung der zuständigen Genehmigungs­behörde verkündet wurde, verzeihen wir ihm. Jeder BER-Chef macht sich zum Horst. Es ist ja alles nur ein Spiel.

PROGNOSE 2018: Verkündet Mitte des Jahres den nächsten Eröffnungstermin.


Julia Engelmann
Foto: ©benwolf2017

12. Julia Engelmann, Poetry-Slammerin

Kitschkanone

Sie ist wirklich die allerschlimmste Kitschkanone für die Generation Y: das 25-jährige Ex-Soap-Opera-Sternchen („Alles was zählt“ beim RTL), Jetzt-Poetry-Slammerin („Eines Tages, Baby“), wollte 2017 auch noch singen. Und auch das geriet so komplett konturlos, so gewollt uncool und so kalkuliert süß, dass man sich sofort eine doppelte Dosis Insulin spritzen möchte. Plötzlich erkennt man, wie toll Helene Fischers Professionalität ist. Und das verzeihen wir der Engelmann nie.

PROGNOSE 2018: Zweite CD „Du, lass uns darüber reden, du“ floppt und sie wird Merkels Pressesprecherin.


11. Amri-Ermittler

Das Grauen

Dass der islamistische Breitscheidplatz-Attentäter mit Drogen zu tun hatte, ist bekannt. Aber in welchem Maße? Im November 2016 wurde er beim LKA noch als gewerbsmäßiger Drogenhändler geführt: Grund für eine Festnahme, die nie stattfand. Nach dem Attentat war in der Akte dann nur noch von „möglicherweise Kleinsthandel“ die Rede. Nur eine der vielen Pannen und Fehleinschätzungen: tragisch für die Toten und die Verletzten, unfassbar für uns alle.

PROGNOSE 2018: Kann nur besser werden.


10. Beatrix von Storch, AFD-Bundesvorstand

Scharfschützin

Ob auf Twitter oder im Bundestag: Die Storch schießt scharf. Manchmal auch mit Kanonen auf Spatzen. Beeindruckend, mit welch Pawlowscher Perfektion Trixis Empörungsreflex funktionierte, als im Kunstquartier Bethanien der islamistische ­Bataclan-Attentäter als „Märtyrer“ porträtiert wurde. Anzeige ist raus. Und die Herzogin von Oldenburg wütet gleich weiter: Die „größte Rechtsbrecherin der deutschen Nachkriegsgeschichte“ nannte Storch die Kanzlerin Merkel auf dem AfD-Parteitag. Feuer frei.

PROGNOSE 2018: Verklagt die BRD auf Schmerzensgeld – wegen verletzten Nationalstolzes.


Sebastian Czaja
Foto: Harry Schnitger / Freie Demokratische Partei / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 (DE) (Ausschnitt)

9. Sebastian Czaja, Berliner FDP-Fraktionschef

Bonussammler

Mit der Flughafen-Tegel-Rettung wollte der FDP-Fraktionsvorsitzende seine Partei zurück in die Reihe der Mächtigen führen. Die Partei der Besserverdienenden setzte dabei natürlich auf die Macht des Monetären: Stimmensammler wurden von ihr bezahlt – und 100 FDP-Großplakate von der Fluglinie Ryanair finanziert. Die Tegelretter gewannen den Volksentscheid. Geschlossen wird der Flughafen wohl trotzdem.

Prognose 2018: Neue FDP-Kampagne – Tempelhof soll wieder Airport sein.


8. BDS Berlin, Israel-Boykott-Aktivisten

Feindbildner

Wo sie die dunklen Mächte des Imperialismus am Werke sehen, da sind sie zur Stelle, die tapferen Israel-Boykotteure vom BDS. Etwa an der Humboldt-Universität, wo sie eine Knesset-Abgeordnete und eine 82-jährige Holocaustüberlebende niederbrüllten. Oder als sie das Festival Pop-Kultur als israelische Propagandaparty verteufelten, weil der verhasste Schurkenstaat einen Reisekostenzuschuss von 500 Euro hatte springen lassen. Ist das noch Kritik oder schon Obsession? Wir kaufen ein „A“ und lösen: Antisemitismus.

PROGNOSE 2018: Demo vor der israelischen Botschaft wegen vermutet illegalen Siedlungsbaus in Steglitz.


7. Andreas Wild, Ex-AFD-Abgeordneter

Rechtsdraußen

Höcke-Fanboy und Pegida-Sympathisant, der selbst der AfD zu rechts war – und nach einem Treffen mit der Erdoğan-Partei AKP und der rechtsextremen türkischen MHP aus der Fraktion im Abgeordnetenhaus flog. Einem Twitter-User, der sich auf Wilds wirre Weltsicht nicht einlassen wollte, klagte der Geschasste einst sein Leid: „Sie sind noch jung. Vielleicht ändern Sie Ihre Meinung, wenn alle für Sie attraktiven Frauen (sic!), in einer Beziehung mit Migranten sind.“ Wir reichen dann mal ein Taschentuch.

PROGNOSE 2018: Gründet die deutschnationale Dating-App „Dinder“


6. Martin Lejeune, „Journalist“ und Aktivist

Aluglut

Erdoğan-Fanboy Lejeune hat (mal wieder) auf die Brille bekommen, sich öffentlich mit einem bekennenden Kinderpornosammler zu einem Treffen verabredet und sich selber zum türkischen Hugenotten erklärt. Und auch alles Betteln bei seiner des Deutschen kaum mächtigen türkischen Fanbase nutzte nichts: Lejeune, Ex-„taz“, Ex-„Frankfurter Rundschau“, Ex-„Deutschlandfunk“, soll zwischenzeitlich Hartz IV bezogen haben. Jedenfalls hatte er Zeit, sich den Goldenen Aluhut als verdienter Verschwörungstheoretiker persönlich abzuholen.

PROGNOSE 2018: Wird vom Amt zum Kastanienlaubsammler im Park befördert.


5. Timothy Grossmann, Kinobetreiber

Hure Babylon

Das Kino Babylon Mitte ist im Prinzip eine sympathische Institution, es bekommt Senats-Geld und macht ein anspruchsvolles Programm. Doch Babylon-Chef Timothy Grossmann ist sich leider immer wieder nicht zu schade, Leuten, die viele für Verschwörungstheoretiker halten – wie Ken Jebsen, Daniele Ganser, ­Andrew Wakefield und Bronisław Wildstein – eine Bühne zu vermieten. Oder es zumindest in Erwägung zu ziehen, um anschließend halbherzig zu dementieren. Erst sehr spät hat er sich etwa bei der seltsamen Karls-Preisverleihung an Jebsen von diesem (der abwesend blieb) distanziert. Das reicht nicht! Vermutlich geht es dabei schnöde um die Saalmiete, aber, lieber Herr Grossmann, Geld stinkt manchmal doch.

PROGNOSE 2018: Wird Ehrenvorsitzender der Flachwelt-Gesellschaft.


4. Thomas Winkelmann, Air-Berlin-Chef

Schokoherzkasper

Als er im Februar 2017 von der Lufthansa kam und Air-Berlin-Chef wurde, war die Lage schon aussichtslos. Aber immerhin hatte man jemanden gefunden für dieses Himmelfahrtskommando. Vielleicht hoffte man, mit dem studierten Linguisten zumindest in Schönheit sterben zu können. Dass er auch Geschäftssinn besaß, war den Gesellschaftern wohl entgangen. So handelte er eine Fortbezahlung seiner Bezüge bis 2021 aus. Während tausende Mitarbeiter kurz darauf entlassen wurden, bekommt Winkelmann insgesamt 4,5 Millionen Euro. Wie viele Schokoherzen das wohl sind.

PROGNOSE 2018: Wird Lufthansa-Mitarbeiter der Herzen.


3. Klaus Kandt, Polizeipräsident

Schmerzkeks

Immer neue Ermittlungspannen um den Terroristen Amri, die offenbar werden. Irre Zustände in der Polizeiakademie, die wortreich dementiert werden müssen. Schießstände, die todkrank machen. Sichergestellte Autos, die von Polizei-Standorten geklaut werden. Einbrecher in der Polizeihistorischen Sammlung. Und so weiter. Wie müsste wohl ein Polizeipräsident, der Verantwortung übernimmt, reagieren? A) Rücktritt. B) Sich krank schreiben lassen. Oder C) Den rund 23.000 Kollegen als Weihnachtsgeschenk eine Keks-Ausstechform in Form des Polizeiwappens schicken. Na? Wir können die Antwort auch nicht fassen.

PROGNOSE 2018: Kriegt hoffentlich mehr gebacken als 2017.


2. Andreas Bahe, Immobilien-Unternehmer

Kettenverwerter

Bereits vor sechs Jahren berichtete der tip über die rüden Entmietungsstrategien von Andreas Bahe und dem ALW-Firmengeflecht (Anfangsbuchstaben von Sohn, Mutter und Vater): Häuser kaufen, Mieter unter Druck setzen, Miet- in Eigentumswohnungen umwandeln, Kasse machen. Mittlerweile ist der große Blonde mit dem schwarzen Ruf stadtweit als Spekulant berüchtigt. Gerade zitierte „Spiegel-TV“ aus einem Bahe-Brief: „Ich teile Ihnen mit, dass Sie als Mieter massiv unerwünscht sind, da wir Ihre Wohnung anderweitig nutzen wollen.“ Miethaiprosa.

PROGNOSE 2018: Die Bizim Kiez-Bewegung hat noch viel Freude mit ALW/BOW-Immobilien-Aktivitäten.


1. Attila Hildmann, Koch

Wirrganer

Attila Hildmann hat eine Mission. Reich will er bleiben, vor allem aber berühmt. Und das alles ohne Fleisch. Wobei für das System ­Atilla Hildmann natürlich nichts systemerhaltender ist als die Fleischeslust der anderen. Hildmann jedenfalls freut sich jedes Mal wie ein Schnitzel, wenn irgendwelche dahergelaufenen Carnivoren am Geschmack und sowieso der Weltverbesserlichkeit seiner Kichererbsen-Burger und Proteinshakes herumkritteln. Wir glauben ja: Nur deshalb hat der Kochbuchmillionär („Vegan for Fit“) im Frühjahr sein Imbisslokal in Charlottenburg eröffnet – er hatte einfach Hunger auf Krawall. Eine Hauptstadtjournalistin tat ihm den Gefallen. Auf eine eher negative Rezension über den eher unterdurchschnittlichen Laden folgten vollmundige Beschimpfungen, diverse erteilte Hausverbote und dieses eine Foto mit der Pumpgun, dass bald schon als Paradebeispiel der gegenwärtig populären Kommunikationsstrategie „Wut-PR“ gehandelt wurde.

Alles schon schlimm genug also. Aber da hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und der lud nun zum großen Kritikerfressen in seine Charlottenburger Imbissbude und versprach vollmundig, bei Missfallen seiner Pflanzenküche höchstselbst ein rohes Steak zu verzehren. So sollte es kommen. Und auch wieder nicht. Weil Hildmann schlussendlich seine anwesenden Kritiker aufforderte, ein in einem theatralischen Akt der Tierquälerei heran­gekarrtes Kälbchen mit einem Küchenmesser zu schlachten. Da hatte sich einer dann endgültig bis auf die Knochen blamiert. 

PROGNOSE 2018: Gründet eine Burger-Bewegung. Natürlich eine vegane.

 


Gegendarstellung

Sie schreiben im Stadtmagazin tip Berlin, Ausgabe 1/2018 vom 28.12.2017, Seite 24, Platz 46 (Online: https://www.tip-berlin.de/die-100-peinlichsten-berliner-2017/), in dem Beitrag „Die 100 peinlichsten Berliner“: „…obwohl hinlänglich bekannt ist, dass Andrzej Przyłębski bereits als Student in den 1980er-Jahren für die polnische Stasi spitzelte…“ Hierzu stelle ich fest: Ich habe nicht für die polnische Stasi gespitzelt. Ein solcher Umstand ist auch nicht hinlänglich bekannt. Berlin, den 18.1.2018 Prof. Dr. habil. Andrzej Przyłębski, Botschafter der Republik Polen

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