Stadtleben und Kids in Berlin

Die Abgeordnete: Eva Högl von der SPD

Eva Högl möchte Lobbys ?aus der Grauzone holen – ?dafür tut sie schon mal deren Einladungen in einen Schuhkarton.

Eva Högl, Abgeordnete in Berlin

An jedem ersten Dienstag im Monat kommt Eva Högl einer Interessenvertretung erheblich nahe: der Kakteen-Lobby. Wenn die SPD-Bundestagsabgeordnete im Weddinger Restaurant Lindengarten ihren Stammtisch „Eva & Friends“ veranstaltet, ist nebenan der große Saal richtig voll. Dort treffen sich die Kakteenfreude Berlin.
In ihrer ersten Wahlperiode (das Direktmandat würde ihr unter anderem der Grüne Özcan Mutlu zu gern abnehmen) hat sich Transparency-International-Mitglied Högl, die kürzlich erst im NSU-Untersuchungsausschuss Sprecherin ihrer Fraktion war, etwa im Rechtsausschuss für die Transparenz politischer Entscheidungen eingesetzt. Für Transparency sammelte sie mal ein Jahr lang alle Lobbyeinladungen in einem Schuhkarton.
Nicht, dass sie grundsätzlich gegen Lobbyismus wäre. Den hält sie für eine legitime Interessenvertretung. „Ich möchte aber Lobbyismus aus der Grauzone holen“, sagt sie an einem dieser Dienstagabende, da haben die Kakteenvereinsfreunde nebenan schon angefangen. „Was ich nicht gut finde, ist, wenn Abgeordnete sich zum Sprachrohr bestimmter Lobbyinteressen machen.“ Ist das so offensichtlich? „Klar. Manche sind ja auf der Payroll von Unternehmen“, erwidert sie. „Manche sprechen für die Solarindustrie, manche für die Atomlobby, manche für private Krankenversicherungen.“ Und sie selbst? „Lobbyisten dürfen mir ihre Interessen vortragen, aber ich mache mich nicht zum Sprachrohr dieser Interessen.“ Zu Empfängen gehe sie deshalb fast nie. Zu Gesprächen mit Bayer, ein wichtiger Arbeitgeber im Wahlkreis, freilich aus der gemeinhin übel beleumundeten Pharma-Lobby, dagegen schon. „Aber ohne Häppchen.“ Weiter im Text. Lobbyregister? Her damit! Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung? Klar doch! Parteispenden? Würde sie abschaffen. Nebenverdienste? Hat sie nicht. Geld für Vorträge? Nimmt sie nicht. Anders als manch anderer.
„Frau Högl, Sie sind eine Moralistin.“
„Ich verlange das ja nicht von anderen“, sagt Eva Högel fast heiter.
Nur von sich selbst.

Text: Erik Heier

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