Agit-Soul

Die Algiers spielen im Lido

Für Algiers ist politischer Protest kein Trendsport, sondern Daueranliegen

Foto: Dustin Condren

Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, vor einigen Jahren sei die Welt noch in Ordnung gewesen – als Donald Trump nur ein Großkotz und das Murren EU-skeptischer Briten kein Grund zur Sorge war. Das ist natürlich Quatsch. So brauchte auch „The Underside of Power“, das 2017 erschienene, aber bereits im Sommer zuvor aufgenommene zweite Album von Algiers, keinen Brexit und keine Trump-Präsidentschaft, um wütend und agitatorisch zu werden.

Dreiviertel der Band, zu der inzwischen auch Ex-Bloc-Party-Drummer Matt Tong zählt, stammt aus Atlanta, also dem US-amerikanischen Süden. Vor allem Frontmann Franklin James Fisher hat hier reichlich Erfahrung mit alltäglichem Rassismus gemacht. Der Titeltrack „The Underside of Power“ spricht dann auch für all jene, die den Stiefelabsatz der Macht nur von unten kennen. „Cleveland“ erinnert an den 2014 erschossenen zwölfjährigen Tamir Rice und andere potenzielle Opfer von Polizeigewalt. Und im Opener „Walk Like a Panther“ schreit Fisher mit revolutionärem Drive: „And when we rise up / Woo, I feel it coming down.“

Eingebettet ist dies in einem eklektischen Sound, der sich aus Soul und Gospel ebenso speist wie aus Industrial, Garagenrock und Post-Punk. In „Animals“ bezieht Fisher sich dann doch noch auf Präsidentschaftskandidat Trump und warnt vor dem, was zu allen Zeiten in den Ecken und Ritzen der Gesellschaft schwelt und heute einfach wieder deutlich sichtbarer ist. Der Kampf hört nie auf.

Lido Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Di 17.9., 19.30 Uhr, VVK 21 € zzgl. Gebühren

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