Kultur & Freizeit in Berlin

Die besten Berliner Barbershops

Manche sagen, der Friseur sei der Seelenklempner des Mannes. Weil Gesichtshaar voll im Trend liegt, boomen auch neue Barbershops in Berlin. Mit warmen Kompressen, Stylingberatung – und Whiskey

Die besten Berliner Barbershops
Foto: Gerd Metzner

Kritisch schaut Mo Ganji auf die Schere in Tarik Yakars Hand. „Nur die Spitzen, ne?“, erinnert er den Barbier. „Damit er wieder fluffig wird und schön weiter­wächst.“ Liebevoll streicht Ganji mit den Fingern durch seinen 18 Zentimeter langen Rauschebart und lehnt sich im schwarzen Ledersessel zurück. „Irgendwann wird der Bart zum Teil deiner Persönlichkeit“, sagt der Endzwanziger, während Yakar sein Gesichtshaar sorgsam trimmt und anschließend mit wohlriechendem Öl einreibt.

Mo Ganji geht aber längst nicht nur wegen der professionellen Behandlung ins Barber’s: „Der Friseur ist der Seelen­klempner des einfachen Mannes. Bei ihm kann man sich ganz ungeniert über die eigenen Alltags­probleme auslassen.“ Im Barber’s gehe das besonders gut, weil hier ausschließlich Männer arbeiten. „Sobald eine Frau im Spiel ist, ist immer eine ganz andere Spannung in der Luft. Viele Männer verstellen sich dann unbewusst. Hier sind wir aber unter uns. Wie so eine kleine Wohlfühl­oase für Machos.“ Der hippe Barber’s-Laden – optisch ein Mix aus Mitte-Bar und Sneaker-Shop – öffnete vor rund einem Jahr. Damals war er noch der einzige Barbershop im Kiez. Inzwischen hat um die Ecke ein weiterer aufgemacht.

Schließlich gibt es durch den Bart-Trend immer mehr Männer, die der regelmäßigen Antlitz­pflege bedürfen. Die Läden ihres Vertrauens sind zum Beispiel das Double Dragon in Mitte, das kürzlich von einem Herrenmagazin zum besten Barbershop Berlins gewählt wurde. Oder das Beardy Boys in Prenzlauer Berg, ein Laden im Retro-Stil, wo gegen Abend auch mal ein Glas Whiskey gereicht wird und einer der beiden Geschäfts­inhaber, Sylvio-Alexander Kölbel, wenig Wert auf Hipsterkram legt: „Wir wollen gestandene Männer ansprechen, coole Säue eben.“

Und Nicole Wheadon, Geschäftsführerin des Beauty Concept Stores Wheadon in Mitte, hat ihre Barber’s Corner so eingerichtet, dass eine intime, persönliche Stimmung entsteht. Kunden sollen sich nicht wie auf der Präsentier­meile fühlen. Deshalb geht es die mit Stahlketten umsäumte Treppe ins Souterrain herunter. Ans Rasiermesser lässt Nicole Wheadon nur internationale Gastbarbiere. Zum Beispiel Will aus New York: „In Deutschland wurde diese Kunst zu lange vernachlässigt“, erklärt sie. „Seit ein paar Jahren aber besinnt man sich wieder auf traditionelles Handwerk. Das ist bei der Bäckerei genauso wie beim Friseur. Konsum ist die neue Art der Politik.“

Mit ihrem Fokus auf Wellness und Entspannung ähnelt die neue Generation von Barbershops eher den sogenannten Gentleman Salons, wie sie in den USA schon seit Längerem boomen, als den traditionellen türkischen oder italienischen Barbierläden. Letztere sind zwar ebenfalls soziale Treffpunkte. Warme Kompressen, Fruchtsäfte und eine Styling-Beratung bekommt man dort aber eher selten.

„Bevor wir uns ans Handwerk machen, analysieren wir immer erst mal gemeinsam mit dem Kunden, welche Form und welche Länge für sein Gesicht am vorteilhaftesten sind“, sagt Tarik Yakar, der Geschäfts­inhaber des Barber’s in Charlottenburg. Mit einem Bart könne man schließlich viele Makel ausgleichen. Ein fliehendes Kinn zum Beispiel oder ein sehr schmales Gesicht.

Obwohl die Kunden sowohl im Barber’s als auch im Wheadon aus allen Gesellschaftsschichten kommen –  vom Manager bis zum Postboten, vom 20- bis zum 70-Jährigen –, haben sie also offenbar eines gemeinsam: Sie legen großen Wert auf ihr Äußeres. Und sie genießen es, umgarnt zu werden. „Kerle haben die Massen­abfertigung in den Uni­sex­shops satt“, sagt Tarik Yakar. „Sie sehnen sich nach jemandem, der ihre Bedürfnisse versteht.“

Mo Ganji ist inzwischen in den letzten Zügen seiner Behandlung angekommen. Tarik Yakar bürstet seinen Vollbart noch ein letztes Mal gut durch – das regt die Durchblutung an und hat einen revitalisierenden Effekt auf die Gesichtshaut. Dann ist die halbstündige Pflege-Session beendet. Auf dem Weg nach draußen hält Mo noch kurz am Empfangstresen an und schnappt sich eine Zeitschrift: „OliBa – das Magazin für den modernen Bartträger“.

Text:
Henrike Möller

Adressen

Barber’s

Zillestraße 79, Charlottenburg, www.barbers.berlin

Beardy Boys

Gethsemanestraße 1, Prenzlauer Berg

Wheadon

Steinstraße 17, Mitte, www.wheadon.de

Double Dragon

Invalidenstraße 155, Mitte (noch bei Marc Bennemann Friseure, demnächst mit eigener Location), www.doubledragonberlin.com

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