Zuhause bleiben

Mehr Zeit wegen Corona? Die besten Serien und Filme zum Streamen

Die Welt wird gerade langsamer. Theatervorstellungen, Konzerte und Sportveranstaltungen fallen aus oder finden vor leeren Rängen statt und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ruft die Menschen auf, möglichst wenig zu reisen. Das bedeutet aber auch: Endlich Zeit, um ohne FOMO – Fear of Missing out – richtig schön auf dem Sofa abzugammeln und all die Serien, Filme und Shows auf Streamingportalen wie Netflix und in Mediatheken zu schauen.

Systemsprenger auf Netflix

Je größer der Widerstand, desto drastischer die Maßnahmen. Bennis Widerstand ist groß, doch noch ist sie zu klein für die wirklich drastischen Maßnahmen. In die geschlossene Psychiatrische kann man selbst mit Sondergenehmigung erst ab zwölf Jahren eingewiesen werden, Benni (Helena Zengel) ist neun. Kein Heim will sie mehr, keine betreute Wohneinrichtung, keine Pflegefamilie. Selbst Micha (Albrecht Schuch), der ihr zur Seite gestellte Schulbegleiter, ein Anti-Gewalttrainer, der es normalerweise mit halbwüchsigen Jungs und also mächtig Testosteron zu tun hat, sieht sich bald am Ende seines Lateins.

Der physischen Wucht, die das „böse“ Kind entfaltet, entsprechen in formaler Hinsicht eine agile Handkamera, wenig Tiefenschärfe, viele Nahaufnahmen und eine abrupte Montage, die einen mitunter mitten hinein stürzt in die grundlosen abgrundtiefen Wut- und Gewaltausbrüche. Auf der Ebene der Dramaturgie spielt „Systemsprenger“ immer wieder mit der Hoffnung – auch des Publikums – auf Rettung, aber ein simples Happyend ist hier nicht zu haben. Benni rastet aus und rastet aus und rastet aus. Und wir stehen da mit all den unbeantworteten Fragen: Wo kommt die Wut her? Ist sie zu stillen? Und was haben wir damit zu tun?

Jetzt auf Netflix, D 2019, 120 Min., R: Nora Fingscheidt, D: Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide, Lisa Hagmeister


Einstein & Hawking auf arte

Corona verschafft ihnen Zeit? Hier gibt es die besten Serien und Filme zum Streamen
Die Doku blickt in die Tiefen des Weltalls.

Dinge wie Raumzeit, schwarze Löcher und gebogenes Licht: Für Menschen, die ein durchschnittliches Abstraktionsvermögen und nicht die Superhirne wie von Albert Einstein und Stephen Hawking besitzen, sind diese Phänomene oft schlicht nicht begreifbar – und doch faszinierend. Denn wenn wir Menschen in den Sternenhimmel gucken, fragen wir uns doch immer wieder, wie dieses Universum funktioniert. Wenn es sich ausdehnt, worin dehnt es sich aus? Wie kann es sein, dass Zeit auf manchen Planeten die Zeit langsamer vergeht? Und wird es bald möglich sein, mit Lichtgeschwindigkeit weit entfernte Galaxien zu bereisen?

Diese Fragen beantwortet die zweiteilige Doku über Albert Einstein und Stephen Hawking. Außerdem beleuchten die Macher*innen das Leben der beiden Genies. Die Zuschauer*innen hören Tonaufnahmen von Stephen Hawking, auf denen er erzählt, was ihn an schwarzen Löchern so fasziniert – die Arbeit über die mysteriösen Flecke im Universum gilt als Hawkings bedeutendste Veröffentlichung. Und erfahren, was Einstein für seinen größten Fehler hielt.

Zu sehen in der arte Mediathek, GB 2019, 104 Min., R: Michael Lachmann


Chez Krömer im rbb

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Kurt Krömer mit Erika Steinbach in seiner Kammer

Kurt Krömer ist patzig, unhöflich und fällt seinen Gästen andauernd ins Wort. Für die Kunstfigur scheinen keinerlei Gesprächsregeln zu gelten. Genau das macht Unterhaltungen von einer Direktheit möglich, wie wir sie sonst im deutschen Fernsehen vermissen. Schonungslos weist Krömer darauf hin, wenn seine Gäste um den heißen Brei herumreden oder nur Phrasen raushauen – siehe der Gipfel der Peinlichkeit: jener Abend, als Raed Saleh, der Berliner Chef der SPD in spé, bei Krömer zu Gast war. Der Talkshowmaster und Satiriker grillt seine Besucher*innen, ungeachtet ihrer Position in Politik oder Medien – und die reagieren eben mehr oder weniger souverän.

Zu seinen Gästen gehörten bereits Kevin Kühnert, Philipp Amthor, Sophia Thomalla und Sido. Zuletzt war Erika Steinbach zu Gast. Hatten wir bei Saleh manchmal noch ein bisschen Mitleid mit ihm und seinen gestammelten Antworten ob Krömers Unnachgiebigkeit und Mangel an Manieren, konnten wir uns bei Erika Steinbach vor Schadenfreunde kaum auf der Couch halten. Wie schön, wenn jemand einer Rassistin wie Steinbach vor Augen führt, wie strunzdumm sie ist. 2020 hat „Chez Krömer“ den Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung“ gewonnen.

Zu sehen in der rbb-Mediathek, D 2020, 30 Min. je Folge


Dunkelstadt in der ZDF-Mediathek

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Kommissarin Doro Decker ist badass. Foto: ZDF/Sofie Silbermann

„100 Euro die Stunde plus Spesen.“ Das ist der aktuelle Kostensatz für einen Privatdetektiv, zumindest bei Doro Decker. Der jungen Frau liegt das Kriminalistische in der Familie, ihr Vater war Polizist. Ihre Fälle klingen selten spektakulär, etwa, wenn sie eine vermisste Verwandte ausfindig machen oder eine durchgebrannte Tochter zurückholen soll. Dabei zu Hilfe kommt ihr die Fähigkeit, in verschiedenste Rollen zu schlüpfen, sei es als Mitarbeiterin einer Cateringfirma oder als Obdachlose. Zuschlagen kann sie auch, ist allerdings dem Alkohol nicht abgeneigt, weswegen sie morgens regelmäßig mit einem Kater aufwacht.

Doro ist eine Einzelgängerin, die die beiden Männer, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen, nur zögernd in ihr Leben lässt. Und sie hat ein Trauma: Ihr Polizistenvater wurde im Dienst erschossen, als sie noch ein Kind war, der Fall zu den Akten gelegt. Doch jetzt tauchen Indizien auf, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging, dass Akten manipuliert wurden und korrupte Kollegen ihre Hand im Spiel hatten. Das schafft einen Spannungsbogen jenseits der abgeschlossenen Fälle jeder Folge.

Zu sehen in der ZDF-Mediathek, D 2020, R: Asli Ösge D: Alina Levshin, Rauand Taleb, Artjom Gilz, Jörg Pintsch, Bettina Engelhardt, 43 Min. pro Folge


Hunters auf Amazon Prime

Hunters spielt in den 1970er Jahren in New York und zeigt eine Gruppe jüdischer Rächer*innen, die Nazis ermordet. Ein paar von denen haben sich nämlich der Bestrafung für ihre Verbrechen während der Nazi-Diktatur entzogen und infiltrieren nun amerikanische Staatsinstitutionen, darunter die US-Regierung.

Das Ziel ist, das „vierte Reich“ zu errichten. Zu den absoluten Stärken der Serie gehören die Bilder: In den Szenen sieht es wirklich aus, als wären sie in den 70er-Jahren in New York entstanden. Alles ist irgendwie schrill und der Anteil von Möbeln, Lampen und Wänden in orange ist hoch. Manche Einstellungen erinnern an einen Tarantino-Film. Und Al Pacino glänzt in seiner ersten Serienrolle. Spannende Unterhaltung!

Zu sehen auf Amazon Prime, USA 2020, D: Al Pacino, Logan Lerman, Lena Olin, Jerrika Hinton, Saul Rubinek, Carol Kane, 60-90 Min. pro Folge


Keine Lust mehr auf Fernsehen? Diese 100 Berlin-Romane sollte jeder gelesen haben. Wie sich Berlin im Zeichen der Pandemie entwickelt, steht im Corona-Tagebuch. Tickets für ein ausgefallenes Konzert gehabt So funktioniert die Rückgabe.