Historiendrama

„Die dunkelste Stunde“ im Kino

Wortgefechte und Intrigen: „Die dunkelste Stunde“ reflektiert Großbritannien im Jahr 1940

Focus Features/ Jack English

Am besten charakterisiert man Joe Wrights Drama als Gegen- und Ergänzungsstück zu Christopher Nolans ­„Dunkirk“ über die Evakuierung britischer Truppen aus Dünkirchen im Zweiten Weltkrieg: kein Schlachtenlärm, kein Bild- und Soundgewitter, sondern ein konzentrierter Film über die Wortgefechte und politischen Intrigen, die sich im und hinter den Kulissen des britischen Parlaments abspielen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Winston Churchill (Gary Oldman), der nach der gescheiterten Appeasement-­Politik der konservativen Regierung um Premierminister Chamberlain und Außenminister Halifax für die Labour Party der einzige akzeptable konservative Kandidat ist, um ein All-Parteien-Kabinett anzuführen.

Oldman spielt Churchill mit all seinen Marot­ten, seinem Sinn für Instinktpolitik und den – gelegentlichen – Selbstzweifeln an seiner Politik der klaren Kante brillant, zudem bietet der Film eine genaue Schilderung der geschichtlichen Ereignisse und wirkt deutlich seriöser als Jonathan ­Teplitzkys melodramatisches „Churchill“-Biopic aus dem letzten Jahr.

Zugleich hat der Film das Problem aller Biopics, die eine der Öffentlichkeit aus Film- und TV-Aufnahmen hinlänglich bekannte Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts porträtieren: Letztlich bekommt man doch nicht wirklich den Eindruck, hier Churchill auf der Leinwand zu sehen. Das Vergnügen resultiert aus der Kunst eines großen Schauspielers, dem man dabei zusieht, wie er sich die Rolle aneignet.

Darkest Hour (OT) GB 2018, 105 Min., R: Joe Wright, D: Gary Oldman, Kristin Scott Thomas, Lily James, Ben Mendelsohn, Start: 18.1.

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