Kino & Film in Berlin

„Die Entbehrlichen“ im Kino

Tot am Boden: Das Drama von Andreas Arnstedt mit Oskar Bökelmann und Mathieu Carrière zeichnet das Leben am Existenzminimum nach.

Die Entbehrlichen

Sein Vater liegt seit Tagen tot auf dem elterlichen Wohnzimmerboden, aber der Junge geht weiter zur Schule, als wäre nichts. Lakonisch, zugleich mit zartem Pathos verkörpert Oskar Bökelmann den elfjährigen Jakob, der in Berlin an der
Armutsgrenze lebt. In Rückblenden offenbart sich nach und nach der Alltag vor der Verzweiflungstat des Vaters (Andrй ­Hennicke): paradoxe Behördengänge, permanente Geldnot, Alkohol und Wut, aber auch tragisch-komische Momente familiären Glücks. Die melancholische Würde, mit der Jakob die seelische Überforderung erträgt, aber auch die erschöpften, vom Kreislauf der Armut gezeichneten Erwachsenengesichter, das sind Bilder, die vor allem deswegen wehtun, weil sie deutsche Realität widerspiegeln. Dagegen fällt die Darstellung der materiell Bessergestellten um einiges ungenauer und plakativer aus. Bürgerlich erstarrt und verlogen die Eltern von Jakobs Schulfreundin Hannah (bezaubernd: Kathi Hahn), unverhohlen kriminell der Kurzauftritt einer leitenden Angestellten, die Jakobs Vater feuert. Hier weicht der Film auf Stereotypen aus, wie, um den Schmerz nicht ganz fühlen zu müssen.

Text: Iris Depping

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Entbehrlichen“ im Kino in Berlin

Die Entbehrlichen, Deutschland 2009; Regie: Andreas ­Arnstedt; Darsteller: Oskar Bökelmann (Jacob Weiss), Mathieu Carriиre (Gerhardt Rott), Kathi Hahn (Hannah Wehr); 105 Minuten

Kinostart: 30. September

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