Gemüseküche

Die Gärtnerei in Mitte

Kein Gartenlokal und auch kein Veganer: Die Gärtnerei ist die Schwester der Fleischerei – und ein charmanter, produktaffiner Gastro-Entwurf

Eigentlich sind Steak und Wein das Metier des gebürtigen Österreichers Bernhard Hötzl, dafür stehen sein Restaurant Fleischerei und sein Weinhandel Der Reblauser. Nun also Blumenkohl, Topinambur, Erbsen und Staudensellerie. Jedoch nicht ausschließlich, die Gärtnerei setzt einfach nur vermehrt auf Gemüse.
Der in lindgrüner Farbigkeit und mit dicken lackierten Holzbohlen-Tischen angenehm klare  Gastraum mit Bar wird professionell von Restaurantleiterin Linda Stößer, einer ehemaligen Fußballerin, bespielt. Am Herd steht Sebastian Radtke. Vier Gemüse-Gänge mit und ohne Fisch, zwei Fleischgänge – nichts Rotes, sondern Freilandhuhn und anderes helles Fleisch –, ein Käse, ein süßer Abschluss, die Karte ist klein, aber pointiert. Fokussiert auch jeder Teller mit jeweils drei Hauptkomponenten. Das Sauerteigbrot mit aufgeschlagener Fenchelbutter dient nicht nur als Auftakt, sondern auch, um die folgenden Wartezeiten zu verkürzen, daran muss noch gefeilt werden. Was dann aber kommt, sind schöne, leichte und aromatische Grüße an den Sommer. Ziegenkäsecrème begegnet Scheiben von vier verschiedenen Tomatensorten und einem Wildkräutersalat, gerösteter Blumenkohl trifft auf Limettencrème und Dörrpflaume, die zarte, saftige Forelle mit leichter Räuchernote wird von Senfsaat und wildem Brokkoli umgarnt – spätestens auf der Gabel sind die Kompositionen und Texturen verständlich.
Bei den Weinen gibt es eine klare Eingrenzung: nur aus Österreich. Mit Gerste wird in der Küche und an der Bar gearbeitet. Einerseits beim Freilandhuhn mit Karotte und eben jenem Getreide, andererseits bei den lokalen (Craft-)Bieren. Die schaffen einen Schulterschluss, der noch in den Anfängen steckt: Bier und Gemüse vertragen sich erstaunlich gut.

Gärtnerei Torstr. 179, Mitte, Tel. 0160-96 42 38 34, Di–So ab 18 Uhr, www.gaertnerei-berlin.com

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