italienisch

Die Italofritzen in Mitte

Berlinapoli: Die Italofritzen versöhnen systemische Abläufe mit einer aufrichtigen Handwerksküche – was für die Hauptstadtgastronomie wegweisend ist.

Foto: Italofritzen

Es bleibt ja weiterhin ein Dilemma des kulinarischen Berlins, das wirkliche Größe zumeist nur im Kleinen passiert. Diese Läden mit ihren 30 Plätzen, mit der klaren Handschrift, dem fixen Menü und der Sorge um das Produkt. Oder die, die nur einen Sommer lang tanzen – und das mit reichlichem Improvisationstalent. Viele der besten Teller dieser Stadt habe ich auf aus dem Leim gegangenen Sperrmüllstühlen gegessen. Oder gleich im Stehen.

So gesehen sollte man diesen Italofritzen schon einmal dafür danken, dass sie all das nicht sind. Und dass sie das trotzdem machen: mit der kleinen, klar kuratierten Karte. Und mit den guten, wirklich bäuerlich-handwerklichen Grundprodukten. Die mild-säuerliche Burrata oder die mit einer nie bloß fischigen Thunfischpaste gefüllten Artischockenherzen: Bereits die angenehm unaufgeregt gehaltenen Antipasti erzählen von einer Küche, die weiß, dass man in den richtigen Geschmack auch investieren muss – Geld und genauso eine umfangreiche Produktrecherche. Dasselbe gilt für die formidablen Pizzen (tatsächlich haben sie beinahe Standard-Standard), die nicht nur aus einem der gerade angesagten neapolitanischen Kuppelöfen kommen, sondern auch von einem ebenso neapolitanischen Pizzaiolo sekundengenau gebacken werden. Also fluffig, am Rand raucharomatisch kross und leicht säuerlich. Darüber hinaus gäbe es noch Pasta, auch die ist frisch und hausgemacht. Als einziger klassischer Hauptgang kommt schließlich ein ziemlich zarter Pulpo auf die Sonnenterrasse mit Museumsinselblick.

Kurzum, den Italofritzen um den Fine-Dining-erfahrenen Küchenchef Fabian Granow gelingt, wofür in Berlin bis dato nur das BRLO Brwhouse steht: Gastronomie in groß und gut zu denken. Und die Abläufe einer Systemgastronomie mit einem handwerklichen Produkt und Kochverständnis zu versöhnen. Hier an der Spree, Ecke Friedrichstraße, braucht es nie lange bis zum seligen Italiengefühl. Auch das ist ein Pfund in einer Lage, in der es vor dem Theater oder nach dem Bummeln auch mal ruhig schnell gehen darf. Einzig die Weinauswahl bräuchte nicht unbedingt mehr Expertise, aber doch Laune und Leidenschaft.

Italofritzen Friedrichstraße 105, Mitte, Tel. 40 52 05 94, Mo–So 7–0 Uhr, www.italofritzen.com

 

Kommentiere diesen Beitrag