Kultur & Freizeit in Berlin

Die Kickerlounge „Platzwart“ in Kreuzberg

"Kickern ist spannender als Tanzen im Club". Im Platzwart in Kreuzberg dreht sich alles ums Kickern. Chef Mirco Aretz hat den Kneipensport zum Mittelpunkt seiner Lounge erklärt.

Kickertischtip Was macht den Platzwart zu einer Kicker-Lounge?

Mirco Aretz Kickern soll hier nicht in der Ecke stattfinden, sondern steht im Mittelpunkt. Darauf ist die Architektur ausgerichtet. Jeder sitzt so, dass er auf Augenhöhe das Treiben verfolgen kann.

tip Im Platzwart spielen gleich mehrere Liga-Vereine …

Aretz Hier spielt mein Verein, der 1. TFCB (Tischfußball Club Berlin) mit mittlerweile fünf Mannschaften und ein externer Verein. Es wollen noch mehr Mannschaften hier spielen, aber ich will nicht noch mehr Tische mit Ligaspielen belegen, da sonst die Freizeit­spieler gefrustet wären. Die würden nie wieder kommen, wenn sie auf ihr Spiel immer ewig warten müssten.

tip Führt es nicht zu Problemen, wenn Amateure mit den Profis spielen, die dann sehr nahe am Regelwerk erklären, was erlaubt ist und was nicht?

Aretz Die meisten sind entspannt, aber einige pochen auf ihre Foul-Regeln, die von diesen „Regel-Nazis“, wie wir sie spa­ßes­halber nennen, streng durchgesetzt werden.

tip In welchen Situationen prallen Profi und Amateur häufig aufeinander?

Aretz Der Klassiker ist diese Berliner Eigenart, den Einwurf nach dem Tor in die Ecke zu verlegen, während im Rest der Republik in der Mitte eingeworfen wird.

tip Wie steht es um Kicker-Fashion? Mein Kneipen-Feindbild war immer der Kicker-Handschuh …

Aretz Der ist auch mein Feindbild. Ich erinnere mich an die Weiße Taube, wo die Handschuhträger so lange verarscht wurden, bis sie die Dinger nicht mehr anzogen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich auch einen besitze. Ich trage ihn allerdings nur im Hochsommer gegen die feuchten Hände und im Ligabetrieb. In der Kneipe finde ich das affig. Wobei es hier gerade ein wenig es­kaliert. Einige Liga-Neulinge tragen die Teile Tag und Nacht, weil sie so heiß aufs Kickern sind. Wobei mir Handschuhe lieber sind als Wickelbänder, die nach dem Fordern minutenlang entrollt werden.

tip Frei nach Philipp Köster: „Entscheidend ist, dass man Ki­ckern im tiefsten Inneren als heilige Angelegenheit betrachtet.“

Aretz So weit würde ich nicht gehen! Aber für mich ist Kickern mehr als Hobby. Es ist Lebensinhalt. Bevor ich den Laden aufgemacht habe, war ich abends fast nur noch zum Kickern unterwegs. Kickern ist spannender und geselliger als zum Beispiel Tanzen im Club.

Text: Denis Demmerle

Kickerlounge Platzwart Manteuffelstraße 110, Kreuzberg, tgl. ab 18 Uhr,

http://platzwart36.wordpress.com

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare