Oper

Die Mezzo-Sopranistin Anita Rachvelishvili gastiert an der Deutschen Oper

Mit den Waffen des Rotweins – Mit Anita Rachvelishvili gastiert die derzeit gnadenloseste Mezzo-Sopranistin in Verdis „Trovatore“ an der Deutschen Oper

Salvo Sportato

Wie fühlt es sich an, die eigene Gesangs-Stimme als Waffe einsetzen zu können? Bei der georgischen Mezzo-Sopranistin Anita Rachvelishvili gehen Kollegen in Deckung, wenn sie auf die Bühne kommt. Bei ihrem Berlin-Debüt in Nikolai Rimski-Korsakoffs „Die Zarenbraut“ (2013) wurde ihr Mezzo-Sopran schlicht mit einer „Stalinorgel“ der Oper verglichen, an deren vokaler Schlagkraft nichts auszusetzen ist. Es sei „ein großartiges Gefühl“, so gibt Rachvelishvili zu, „mit der eigenen Stimme gefährlich werden zu können. Man sieht die vor Entsetzen geweiteten Augen der Partnerin und weiß: Hier bist du richtig!“
Klarerweise ist die 1984 in Tiflis geborene Sängerin in Wirklichkeit ganz lieb und ungefährlich. Mit der italienischen Band Profusion trat sie auch schon als Rock-Sängerin auf. Entdeckt wurde sie von Dirigent Daniel Barenboim, als sie vor einigen Jahren, noch als Studentin, an der Mailänder Scala für die kleine Rolle der Mercédès in „Carmen“ vorsang. „Der Maestro saß da. Jonas Kaufmann ebenso“, so Rachvelishvili. Barenboim engagierte sie vom Fleck weg – allerdings für die Hauptrolle der Carmen. „Da konnte man doch nicht Nein sagen! Barenboim hat mir später gesagt: ‚Ich habe dir schlicht vertraut, denn ich hatte doch eigentlich keine Ahnung, ob du faul bist oder fleißig…’“

Heute singt sie die Carmen – während sie dem Klischee der männerverzehrenden Tabak-Schönheit gottlob wenig entspricht –, an allen größten Häusern: an der New Yorker Met, an der Scala, ebenso in Paris, Wien und Rom. Ähnliches gilt für Amneris in „Aida“, Dalila und Santuzza. Alles schwerste Vokal-Geschütze, die sich kaum mit lyrischen Stimmen besetzen lassen, die auch zu leisen Tönen – so wie Rachvelishvili – in der Lage sind. Es hat lange keinen Senkrechtstart gegeben wie den dieser Sängerin. Und erst recht keinen, bei dem man um die in den Star-Orbit Geschossene so wenig besorgt sein muss.
Dass Rachvelishvili vom Timbre her nach schwerem Rotwein klingt, empfindet sie selbst nicht als verwunderlich. „Ich liebe Rotwein“, sagt sie. „Mein Vater stellt ihn her.“ Angeblich sei Georgien die „Wiege des Weins“, eine der ältesten Weinbauregionen weltweit. „Der Georgische aus meiner Heimat ist der Beste: sehr stark, sehr voll und dunkel.“ Wie ihre Stimme selbst.

Trotz guten Sänger-Niveaus im Berliner Opernrepertoire ist das Gastspiel einer Künstlerin von diesem Kaliber auch bei uns ungewöhnlich. In der Rolle der rachlüsternen Zigeunerin Azucena singt sie in Giuseppe Verdis „Trovatore“ eine ihrer absoluten Pracht- und Paradepartien. Aber nur zweimal! Hier kann sie orgeln, drohen und dröhnen, bis der Theaterarzt kommt. Ihre Partner: Maria Agresta als Leonora und Simone Piazzolla als Graf Luna. Die Titelrolle singt der türkische Tenor Murat Karahan.
Die Stimme Rachvelishvilis ist übrigens so groß und raumfüllend, dass sie bei ihrem CD-Debüt kürzlich (beim Label Sony) nicht vor, sondern hinter dem Orchester postiert werden musste. Sie musste die Stimme künstlich klein machen. Sonst hätte man das Orchester nicht gehört.

Deutsche Oper Sa 12.5., 19.30 Uhr, Karten 29 – 95 €

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