Dokumentarfilm

„Die Nacht der Nächte“ im Kino

Vier Ehepaare im Film eines Schwesternpaares; acht alte Leute, deren Beziehungen bereits viele Jahrzehnte währen; vier Verbindungen, die verschiedene Sitten und Traditionen spiegeln, die von unterschiedlichen moralischen Auffassungen künden und die in der Zusammenschau die Differenzen von Kulturkreisen spiegeln. Und ein mögliches Gemeinsames: vier mal Liebe? Acht Liebende?

Concorde Filmverleih

Hildegard und Heinz Rotthäuser, Kamala und Hampana Nagarayya, Shigeko und Isao Sugihara, Norman MacArthur und Bill Novak – so heißen die Menschen des Dokumentarfilms „Die Nacht der Nächte“ von Yasemin und Nesrin Samdereli. Sie stammen aus Deutschland, Indien, Japan und den USA, und ihre Beziehungsgeschichten sind ebenso alltäglich und normal wie ganz besonders und einzigartig. Die Rotthäusers haben sich im Nachkriegsdeutschland verliebt, verlobt, verheiratet, haben eine Familie gegründet und eine Existenz aufgebaut – wie man das halt so macht. Die Nagarayyas haben über die Kastenschranke, die ihre Verbindung eigentlich unmöglich machte, hinweg geheiratet, ihre Familien verärgert und gute Laune bewahrt. Die Sugiharas wiederum wurden von ihren Familien verheiratet und mussten sich während der Arbeit auf dem Hof erst kennenlernen. Und Novak hat MacArthur, da die Homosexuellenehe zu jener Zeit noch verboten war, kurzerhand adoptiert.

Überwiegend heiter und gelassen, mitunter auch ein wenig melancholisch wird all dies und noch viel mehr freimütig erzählt, und die Schwestern Samdereli – zuletzt mit dem vielfach preisgekrönten „Almanya – Willkommen in Deutschland“ erfolgreich – hören geduldig zu und fördern so manch tiefgründige Einsicht zutage. Zwischen die Gesprächspassagen sind launige Trickfilm-Szenen mit Knetfiguren montiert, die die angesehene Animationskünstlerin Izabela Plucinska geschaffen hat, zu denen nur leider nervende, zwangsfröhliche Musik erklingt. Die kann aber zum Glück auch nicht verhindern, dass in diesem Film etwas Scheues und Rares sichtbar wird: aufrichtige, verbindliche Zuneigung. Manchmal auch Liebe genannt.

Die Nacht der Nächte D 2017, 97 Min., R: Yasemin und Nesrin Samdereli, Start: 5.4.

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