Musik & Party in Berlin

Die neue Band von AnNa R.: Gleis 8

Rosenstolz pausiert auf unbestimmte Zeit. Da bietet sich der Sängerin Gelegenheit zur Veränderung. Wir sprachen mit ihrer neuen Band über Harfen, männliche Gefühle und die Vor- und Nachteile einer bekannten Frontfrau.

Gleis 8

tip Die Trennung von Rosenstolz ist kein halbes Jahr her. Jetzt steht schon „Bleibt das immer so“, das Debüt von Gleis 8, in den Läden. Es gab offenbar keine Pause zwischen den beiden Bands. Wie kann man sich den Übergang vorstellen?
AnNa R.?Peter und ich hatten schon länger geplant, dass wir eine Pause machen. Deshalb haben wir gesagt, jeder soll sich mal selbst orientieren. Wir haben dann schon zu Rosenstolz-Zeiten mit den neuen Sachen angefangen, aber beschlossen, es erst Weihnachten bekannt zu geben, dass wir länger pausieren.

tip Im Zusammenhang mit Gleis 8 ist immer die Rede von „Rosenstolz-AnNa-R.“. Sehen Sie das positiv oder negativ?
AnNa R.?Sowohl als auch. Ich finde das ein bisschen nervig, aber letztendlich gibt es ja noch keine Geschichte zu Gleis 8. An irgendwas muss man sich jetzt erst mal aufhängen, von daher ist das schon in Ordnung.
Lorenz Allacher?Wir wissen natürlich um das Erbe, das wir haben. Wir spüren auch jeden Tag, dass sich ein großer Teil der Aufmerksamkeit erst mal auf AnNa konzentriert. Wir sind uns darüber im Klaren und stellen deshalb gebetsmühlengleich die Band in den Vordergrund. Und irgendwann, so hoffen und glauben wir, hat sich das dann erledigt. Aber wir profitieren natürlich auch davon, das ist ganz klar. Viele Türen wären ohne AnNa nicht aufgegangen.

tip Also bringt so eine bekannte Frontfrau mehr Chancen als Druck?
Lorenz Allacher ­Das auf jeden Fall!

tip Wer schreibt bei Gleis 8 die Songs?
Lorenz Allacher?Wir sind eine scheißdemokratische Band. (lacht) Wir sind gleichberechtigt in dem Sinn, dass es allen am Schluss gefallen soll. Es kommt auch mal ein Text von einer Person komplett durch, wenn der super ist und alle einverstanden sind. Viel wird aber auch im Austausch zusammen erarbeitet.

tip Was sicher aufwendig ist, denn die Band ist zur Hälfte in Hamburg, zur anderen in Berlin zu Hause. Bleibt das erst mal so?
AnNa R. und Lorenz Allacher?Also ich ziehe nicht nach Hamburg!
Manne Uhlig und Timo Dorsch?Also ich ziehe nicht nach Berlin!

Gleis 8tip Wenn dieses Interview erscheint, wird das Album es gerade erst in die Läden geschafft haben. Was erwartet die Hörer?
Lorenz Allacher?Es gibt viele Instrumente!
Timo Dorsch Es ist ein verspieltes, sehr facettenreiches Album, bei dem wir uns ausgetobt haben im Sinne davon, in sämtliche Richtungen zu springen. Es war schön, dass wir sehr frei produzieren und uns wirklich ausprobieren konnten. Ich denke, das kann man auch spüren, dass es frei gemachte Musik ist.

tip Wer hat das Album denn produziert?
Timo Dorsch?Das war ich.

tip War denn von vornherein klar, dass es ein Pop-Album werden würde?
Lorenz Allacher?Wir haben uns kein Thema vorgegeben oder Regeln aufgestellt.
AnNa R.?Wir wollten schon in eine kommerzielle Richtung gehen. Dass es Pop im weitesten Sinne werden würde, war daher klar. Aber alles andere ist im Prozess entstanden.

tip Lorenz, Sie haben die vielen Instrumente bereits angesprochen. Neben Bläsern, Streichern und einem Xylofon ist auch eine paraguayische Harfe zu hören. Bei wem stand die denn im Wohnzimmer?
Timo Dorsch?Die haben wir einfliegen lassen. (lacht) Nee, der Harfenist war zufällig schon seit einiger Zeit in Hamburg.
Manne Uhlig?Der kommt aber tatsächlich aus Paraguay!
Timo Dorsch?Wir hatten in der Vorproduktion viel mit solchen Instrumenten rumgespielt und Sachen programmiert. Weil wir nun aber gerade den Harfenisten dahatten, passte das sehr gut, und wir hatten dann den Anspruch, das mit realen Instrumenten aufzunehmen. Das klingt dann doch schöner. Und es macht noch mal ein ganz anderes Fass auf.

Gleis 8tip Es fällt auf, dass auf dem Album die Liebe das zentrale Thema ist. Das erstaunt bei einer Band mit drei Männern …
Manne Uhlig?Wir haben auch Gefühle!
Timo Dorsch?Auch wenn man fast immer denken könnte, dass es um Liebe geht, ist das längst nicht immer so. Es ist nicht ausschließlich auf die Romantik gemünzt. Es geht auch mal um Freundschaft oder um zwischenmenschliche Beziehungen generell.

tip Bislang gibt es vier Konzerttermine. Drei waren ruckzuck ausverkauft. AnNa, haben Sie Angst vor den Erwartungen der Leute? Oder kann man mit dem Erfolg von Rosenstolz im Rücken sowieso machen, was man möchte?
AnNa R.?Nein, das kann ich auf keinen Fall. Die Leute kommen ja teilweise nicht nur, weil ihnen der erste Song oder das Album gefällt, sondern weil sie neugierig sind und sich fragen, was das alles nun werden soll. Wenn es denen nachher nicht gefällt, werden die uns das um die Ohren hauen und dann auch nicht noch mal kommen.

tip Das klingt, als seien Sie auch nach all den Jahren auf der Bühne noch nervös?
AnNa R.?Natürlich! Ganz doll!

tip Wer steht dann auf der Bühne? Nur Sie vier oder kommt der paraguayische Harfenist mit?
AnNa R.?Mit allen Musikern sind wir zu neunt.

tip Mit nur einem Album zu touren ist allerdings schwierig. Wird es deshalb zusätzliche Songs, z. B. von Rosenstolz, geben?
AnNa R. Das stimmt, unsere Songs werden nicht für ein abendfüllendes Programm reichen, also wird es auch noch andere Stücke geben. Welche das sein werden, ist noch unklar. Von Rosenstolz allerdings gibt es keine.

Interview: Nadine Kleber

Fotos: Mike Auerbach

Gleis 8, Astra Kulturhaus, Di 25. + Mi 26.6., Fr 28. + Sa 29.6., 20 Uhr, ausverkauft außer Sa VVK: 28 Euro zzgl. Gebühr

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