Stadtleben und Kids in Berlin

Die peinlichsten Berliner: Mario Barth

Genau 67.733 Zuschauer versammelten sich am 12. Juli im Olym­pia­stadion, um Deutschlands erfolgreichstem Witzeerzähler, Mario Barth, bei der Arbeit zuzusehen. Über zwei Stunden Unterhaltung mit Witzen, die sich in etwa so alt anfühlen wie das Gebäude, in denen er sie erzählte.

Mario BarthNa gut, andere Orte hat’s auch böse erwischt: In London versammelte sich die größte Menge nur Unterwäsche tragender Menschen, das sibirische Dorf Oymyakon bleibt der kälteste bewohnte Ort der Welt (minus 68 Grad Celsius) und in Serbien kochten ein paar Verrückte den größten Topf Kohlsuppe. Alles Superlative fürs Guinnessbuch der Rekorde. Aber keine Stadt traf es so hart wie Berlin. Genau 67.733 Zuschauer versammelten sich am 12. Juli im Olym­pia­stadion, um Deutschlands erfolgreichstem Witzeerzähler bei der Arbeit zuzusehen. Es war „das größte Live-Publikum eines Comedians“ aller Zeiten und Rekordeintrag für Mario Barth (36).

Über zwei Stunden Unterhaltung mit Witzen, die sich in etwa so alt anfühlen wie das Gebäude, in denen er sie erzählte: Frauen haben „Hupen“, können nicht einparken und gehen gemeinsam aufs Klo. Männer haben einen „Pipimann“, können einparken und furzen auf dem Klo. Gags also, bei denen sich normale Menschen schwören, nie wieder zu lachen, um sich mit so was nicht gemein zu machen. Andere schon: „Eine WM des Lachens“, freute sich die „Bild-Zeitung“ am nächs­ten Tag über Barths Späße auf Furzkissenniveau. Besonders schlimm: Kamen Humoristen mit solch grenzdebilem Brachialhumor früher nur aus dem Rheinland (Stefan Raab, Tom Gerhardt) oder dem Ruhrpott (Atze Schröder), ist Barth als gebürtiger Mariendorfer ein waschechter Berliner. Und er zeigt es auch gern: Sein „Kennste, wa, kennste?“ und „jaanz wichtich!“ gehören mittlerweile zum Sprachschatz eines gesamtdeutschen Humorproletariats.

Barth gilt als typische „Berliner Schnauze“. Und das in einer Stadt, deren Witz bislang von Größen wie Kurt Tucholsky, Loriot, Wolfgang Neuss bis zu Kurt Krömer geprägt wurde. Egal. Barth forcierte seine beschmutzende Heimatliebe noch. Erst verging er sich am Juhnke-Song „Mensch Berlin“, und auch sein erster Kinofilm spielt hier: „Männersache“ – ein Film über „zwei Männer und eine Frau – und genau die ist das Problem“. Dummes Zeug. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat niemand in Berlin so großen Schaden angerichtet. Wobei die Bombardierung durch die Alliierten immerhin einer guten Sache diente.

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