Polnische Gastronomie

Die polnische Küche in ­Berlin

Neue Würze: Die polnische Küche in ­Berlin ist weitaus besser als ihr Ruf. ­Mittlerweile dockt sie sogar an die hippe Gastro-Kultur an

Polish Thursday Dinners
Foto: Robert Rieger

Fettiges Fleisch, Kartoffeln und braune Soße. Die polnische Küche genießt keinen guten Ruf. Und tatsächlich, wer mal in den zweifelhaften Genuss einer Mahlzeit in einem schäbigen Restaurant am Straßenrand entlang der Verkehrsadern nach Danzig, Warschau oder Krakau gekommen ist, dürfte enttäuscht worden sein. Polens kulinarische Kultur musste schließlich in den vergangenen Jahrzehnten mächtig leiden. Kriege, Vertreibungen und 40 Jahre sozialistische Mangelwirtschaft haben die regionalen Traditionen verschwinden lassen. Erst nach der politischen Wende vor 25 Jahren begann sich die Kochkunst langsam zu erholen. Doch anfangs gab es einen großen Aufholbedarf. Exotische Gerichte aus Japan, Thailand und China kannte man zuvor kaum, selbst
Sushi, Kebab und Pizza waren hinterm Eisernen Vorhand wenig verbreitet. So blieb die heimische Küche erst einmal als Relikt alter Tage auf der Strecke.

Doch es kam, wie es kommen musste. Junge Menschen, die man heute als Foodies bezeichnen würde, begannen alte Rezepte auszugraben, sie befragten die Großeltern, suchten antiquarische Kochbücher und besannen sich auf die Vielfalt des Regionalen und Saisonalen. Denn Polen hat, trotz aller Vorurteile, mehr zu bieten, als nur Fleisch.
Im Norden konzentrieren sich die aufstrebenden Köche auf Meeresfische, im Süden auf Teigwaren und Käse. Wild und Geflügel wurden neu entdeckt, und die Wälder kulinarisch erschlossen, denn Pilze, Wildkräuter und Beeren finden sich in vielen alten Gerichten. Auch Mohn, Sauerkraut, Kohl, Erbsen und rote Beete spielen eine wichtige Rolle. Die Klassiker sind Bigos, ein würziger Schmoreintopf auf Sauerkrautbasis; Barszcz, hierzulande als „Borschtsch“ bekannt, eine Suppe aus Roter Beete, die man in Polen zu Weihnachten isst; außerdem die obligarorischen Pierogi, Teigtaschen mit Käse-, Kartoffel-, Pilz- oder Fleischfüllung. Auch der Żurek, eine Suppe aus Roggenschrot, Ei und Wurst ist beliebt wie die geschmorten oder gebackenen Kohlrouladen Gołąbki („Täubchen“).

Renaissance der Kochtradition

Die jungen, urbanen Food-Hipster verfeinerten diese Gerichte, experimentierten mit ihnen herum, erschlossen ein Netzwerk aus lokalen Produzenten, und es entstanden qualitativ hochwertige Essensmärkte, die  die anspruchsvollen Restaurants belieferten. Was in den letzten zehn bis 15 Jahren geschah, ist nicht weniger als die Renaissance der polnischen Kochtradition. Und die schwappt auch langsam nach Berlin über.

Bis heute gibt es wenige polnische Restaurants in der Stadt. Wenn die Berliner Polen zuhause kochen, besorgen sie sich die Zutaten in den zahlreichen polnischen Lebensmittelläden, kleinen Tante-Emma-Shops mit Wurst, Käse, Süßigkeiten und Konserven.  Besonders schön ist das Mały Książę in der Lilienthalstraße 6 am Südstern, ein sympathischer Laden mit kleinem Café.
Für den hippen Aspekt sorgen aber eher die auf Pierogi spezialisierten Lokale wie die Pierogarnia (Turiner Str. 21, Wedding), Filafood (Grünberger Str. 17, Friedrichshain) und das Tak Tak Polish Deli (Brunnenstr. 5, Mitte), wo polnische Alternativen zu Street Food serviert werden. Ein Geheimtipp sind zudem die Polish Thursday Dinners, in deren Rahmen sich junge Kreative bei polnischen Speisen und Getränken vernetzen, und auch auf die Kreationen von Pan Kowalski sollte man achten. Polish with a Twist!

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare