Drama

„Die Spur“ im Kino

Mensch und Tier friedlich vereint? Agnieszka Hollands „Die Spur“

Foto: Robert Palka

Frau Duszejko (Agnieszka Mandat) möchte nicht, dass man sie mit ihrem Vor­namen ­anspricht. Da gibt es wohl noch eine alte Geschichte, an der sie nicht rühren will. Überhaupt passt die etwas schroffe Anrede zu dem gespannten Verhältnis, das sie zu ­vielen ­Leuten in ihrer Gegend, einem südwestlichen Winkel in Polen, hat. Vor allem zu den Männern, und da vor allem zu den Jägern. Das Schießen auf Tiere zählt zu den gemeinschaftlichen Ritualen vor allem der Eliten. Und ­Duszejko leidet sehr, wenn Tiere leiden. Wenn sie sich darüber erregt, kann es vorkommen, dass sie auch den Pfarrer herausfordert, der von der Kanzel herab den Hubertusjüngern den Segen gibt.

Agnieszka Holland zielt mit „Die Spur“ auf nicht weniger als eine Zivilisationstheorie aus weiblicher Perspektive: So, wie Duszejko mit ihren Hunden und Freunden lebt, so sollte man leben, aber rundherum herrschen Korruption und Ausbeutung. Zwischen Idylle und Thriller schillert dieser eigenwillige Film, in dem die Regisseurin viel zu deutlich mit der Naivität ihrer Hauptfigur sympathisiert.

Ein Käferforscher bringt das naturmystische Motiv dann wieder auf eine wissenschaftliche Ebene. Wenn an einer Stelle des Wort „Holocaust“ für das Schicksal der Tiere fällt, dann rührt Holland, die selbst mit „Hitlerjunge Salo­mon“ einen berühmten Film über die Judenvernichtung gemacht hat, an ein Kernmotiv. Die Spur in „Die Spur“ führt zu einem nie ­verheilten Zivilisationsbruch.

Die Spur POL/D/CZ/S/SLO 2017, 128 Min., R: Agnieszka Holland, D: Agnieszka Mandat, Wiktor Zborowski, Miroslav Krobot, Jakub Gierszał, Start: 4.1.

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