Essen & Trinken in Berlin

Die Treptower Klause serviert anspruchsvolle Küche

Kulinarisches Leben in Treptow? Wir zweifeln, noch bis zur Türschwelle. Das vergilbte Leuchtschild über der Fensterfront hat schon einige Jahre auf dem Buckel und verheißt nichts Gutes: "Treptower Klause".

TreptowerKlauseDer einzelne Gast auf den Bänken vor der Tür amüsiert sich schon. Das Bild drinnen: aufgeräumt. Frischer Anstrich, moderner Tresen, fünf schlichte Tische, nur einer ist frei. Die Einrichtung ist unaufgeregt, verzichtet auf jeden Schnörkel. Auf einer Schiefertafel stehen Weinempfehlungen. Es riecht nach Essen und Berliner Altbau. Die Gäste sitzen zufrieden an den Tischen und lächeln, mal zur Bedienung, mal zum Nachbartisch, als freuten sie sich: endlich kulinarisches Leben in Treptow. Die Tageskarte liegt auf dem Tisch und ist mediterran angehaucht. Sieben Vorspeisen (von Oliven bis Spinattaschen), drei Hauptgerichte (Fleisch, Fisch, vegetarisch) und zwei Desserts stehen zur Wahl.

Die Wirtin passt ins Lokal, als hätte sie nie woanders gearbeitet. Mit Schwung wirft sie sich das Handtuch über die Schultern. Die Lammhaxe sei aus, „der Koch hat nur noch ein Schulterstück“, entschuldigt sie sich. Man hatte wohl nicht mit einer Doppelbesetzung der
Tische gerechnet an diesem Sonntagabend. Lammschulter also plus ein vegetarisches Auberginenschnitzel und eine Vorspeise: die Spinattasche mit Schafskäse – bodenständig schmackhaft. Das Lamm, frisch aus dem Ofen, ist außen knusprig und innen butterweich. Dazu gibt es Rosmarinkartoffeln (leider nur vier Hälften) und knackige grüne Bohnen. Das Auberginenschnitzel ist mit Tomate gefüllt und kommt mit lauwarmem Kartoffelsalat und Okraschoten. Der Nachtisch, Zwetschgenknödel und süße Feigen mit fruchtigem Orangenschaum – ein gelungener Abschluss.

Jahrzehntelang sei die Treptower Klause eine typische Berliner Kneipe gewesen, erzählt ein Gast, verraucht, mit Currywurst, Pommes und
Molle. Von den alten Stammgästen komme nach der Neueröffnung niemand mehr. Dafür haben die Treptower das Lokal nach nur einem Monat in Beschlag genommen, und auch aus den umliegenden Bezirken kommen Gäste. Mal gibt es rheinische Küche, mal mediterrane, mal Muscheln oder eine japanische Miso-Suppe mit Fisch. Gekocht wird jeden Tag etwas anderes und immer, was Spaß macht, so scheint es. Die Qualität bleibt dabei nicht auf der Strecke. Und auch das Klausenflair ist erhalten geblieben. Das mag an der schlichten Einrichtung liegen, an dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Oder an der ehrlich-authentischen Bedienung, die lächelnd hinter der Theke Gläser poliert, an den Tisch kommt, Schwätzchen hält und mit Kennergaumen einen Wein empfiehlt.

Text: Antje Binder
Foto: Valeria Scrilatti
tip-Bewertung: Empfehlenswert

Treptower Klause Karl-Kunger-Straße 69, Treptow, Tel. 0175-901 00 99; Di-So ab 18 Uhr; Speisen 3 bis 12 Ђ, Softdrinks 1,80 Ђ, Bier (0,3 l) 2,20 Ђ, Wein (0,2 l) ab 3,50 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 12,50 Ђ


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