Angry Young Men

Die UK-Punks Shame spielen im SO36

Wut und Witz und schlechte Zähne: Shame sind UK-Punk in Reinform

Foto: Dead Oceans

Na endlich. Nachdem sich die Generation Y von den Altvorderen jahrelang Milde und Angepasstheit vorwerfen lassen musste, wollen die jungen Leute der Welt mal wieder richtig schön Schande bereiten. „Well I’m disgusting, I’m a shame to this so-called human race“, ätzten kürzlich die Newcomerinnen Goat Girl in ihrem Song „Country Sleaze“: Ich bin widerlich, ich bin eine Zumutung für die Menschheit. Ähnlich gnadenlos gehen ihre Kollegen von Shame, die Schmach immerhin schon im Bandnamen tragend, mit sich selbst ins Gericht. Seine Schuhe seien zwar kaputt, gibt Sänger Charlie Steen im Song „One Rizla“ zu, seine Zähne gelb und die Stimme klinge auch nicht berauschend – aber trotzdem solle sich die besungene Person ja nicht einbilden, er liebe sie.

Wie auch Sorry oder eben Goat Girl sind die wütenden Fünf von Shame Gewächse der seit geraumer Zeit florierenden (Rock-)Musikszene Südlondons, deren rowdyhaft lärmende, aber durchaus zukunftsorientierte Protagonist*innen uns das Vertrauen ins klassische Gitarrenhandwerk zurückbringen. Mit ihrem Sound zwischen Post- und Proto-Punk stehen Shame in der Tradition von UK-Bands wie Wire und den Buzzcocks – und der Ironie-Affinität letzterer, wie schon der Titel ihres Anfang 2018 erschienenen Debüts „Songs of Praise“ beweist: So nämlich heißt eine Uralt-Show für Kirchenmusik auf BBC. Aber nicht nur der Humor, auch der trotzige Stolz aufs eigene Außenseitertum eint Shame mit ihren Paten. Wobei sie oft ganz schön tief stapeln: Mögen die Zähne auch gelb sein, Mister Charlie Steen, über die Sache mit der Stimme müssen wir nochmal reden!

SO36 Oranienstr. 190, Kreuzberg, So 9.12., 20 Uhr, VVK 24,70 €

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