Medien-Drama

„Die Verlegerin“ im Kino

Grundsäule der Demokratie: In „Die Verlegerin“ feiert Steven Spielberg die Pressefreiheit

Twentieth Century Fox/ Nico Tavernise

Wer sich nicht gerade für US-Politik­geschichte interessiert, dem dürften die sogenannten „Pentagon-Papers“, eine vom damaligen Verteidigungsminister Robert McNamara 1967 in Auftrag gegebene Dokumentation über die Ausweitung des Indochina- und Vietnamkriegs, wohl nur wenig sagen. Vor allem auch deshalb, weil sie vom kurz darauf folgenden Watergate-Skandal, der schließlich zum Rücktritt von Präsident Nixon führte, in den Schatten gestellt wurde. Doch als die geheime Studie 1971 in Auszügen von der „New York Times“ und der „Washington Post“ veröffentlicht wurde, war sie ein ganz heißes Eisen. Denn sie zeigte, dass mehrere US-Administrationen ihre Bürger sowohl über die Gründe der amerikanischen Einmischung in Vietnam als auch über die Erfolgsaussichten des sich permanent ausweitenden Konflikts schamlos belogen hatten.

Damit nicht genug versuchte die Nixon-Regierung die Veröffentlichung durch die Presse durch ein Bundesgericht verbieten zu lassen, was ihr im Fall der „New York Times“ zunächst gelang. Als jedoch die „Washington Post“ wenige Tage später ebenfalls Auszüge der Studie veröffentlichte, kam es schließlich zu einem Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof der USA, wo die Richter mit 6:3 Stimmen die Pressefreiheit höher einschätzten als die Gründe der nationalen Sicherheit, mit denen die Regierung argumentiert hatte.

Insbesondere die Frage der Pressefreiheit steht im Mittelpunkt von Steven Spielbergs Film „Die Verlegerin“ (OT: „The Post“), in dem der Regisseur von der Veröffentlichung der „Pentagon-Papers“ aus der Sicht der Verantwortlichen bei der „Post“ berichtet. In einer Zeit der Renaissance von Autokraten und ihren Anhängern, die einerseits überall eine ­„Lügenpresse“ wittern und andererseits ihre eigenen Desinformationen als „alternative Fakten“ verkaufen, tritt der Film geschickt für Journalismus als eine der Grundsäulen der Demokratie ein.

Denn er nimmt nicht den einfachsten (und am leichtesten zu durchschauenden) Weg ­einer direkten Konfrontation von liberalen Journalisten mit einer reaktionären Regierung, sondern erzählt, wie sich Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) und die Verlegerin ­Katharine Graham (Meryl Streep) erst einmal selbst aus den recht engen sozialen Banden befreien müssen, die sie mit den liberaleren Kreisen der US-Politik verbinden. Schließlich wird die Veröffentlichung Demokraten und Republikaner gleichermaßen blamieren – ­gelogen haben sie alle.

Weil in „Die Verlegerin“ vieles recht lang und breit erklärt werden muss, kommt der Film am Anfang etwas schwer in Gang. Er ­gewinnt jedoch deutlich an Fahrt, wenn er das Stadium der tatsächlichen journalistischen Arbeit (und der möglichen Konsequenzen) erreicht und zieht dabei einen Teil seiner Spannung auch aus den unterschiedlichen Charakteren seiner Hauptfiguren: Graham, die einzige Verlegerin in der Männerwelt der Medien, agiert stets etwas bedächtiger und zurückhaltender als der draufgängerische Bradlee.

Ein Klassiker wie Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“ wird Spielbergs ungleich zahmerer Film nicht werden, und vielleicht kann man auch einen Hang zum Pathos kritisieren, den Spielberg nie so ganz unterdrücken kann. Doch „Die Verlegerin“ ist eben auch unterhaltsames, geschickt gemachtes Hollywoodkino, das sich für etwas einsetzt, das heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Wie sagte Tom Hanks kürzlich in ­einem Interview so schön: „Natürlich haben die Leute ein Recht auf ihre eigene Meinung, aber nicht auf ihre eigenen Fakten.“

The Post (OT) USA 2017, 116 Min., R: Steven Spielberg, D: Meryl Streep, Tom Hanks, Bob Odenkirk, Bruce Greenwood, Start: 22.2.

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare