Psychodrama

„Die Wunde“ im Kino

Zwei Tabus: „Die Wunde“ zeigt ein ­unbekanntes Südafrika

Foto: Salzgeber

Der Lagerarbeiter Xolani nimmt als Mentor an einem Beschneidungsritual seines Volkes, der Xhosa, teil, das aus Jugendlichen Männer machen soll. Er trifft hier regel­mäßig seinen Jugendfreund Vija wieder, inklusive Sex. Allerdings interessiert sich der stille, alleinlebende Xolani deutlich mehr für den machohaften Familienvater Vija, als der sich für ihn. Außerdem spannt Xolanis diesjähriger Schützling Kwanda recht schnell, was ­zwischen den beiden läuft – wird er doch selbst als „Schwuchtel“ ausgegrenzt.
Mit dem Eröffnungsfilm des diesjährigen Berlinale-Panorama bricht der 1978 geborene Regisseur John Trengove mit gleich zwei Tabus: Weder über das Initiationsritual noch über Homo­sexualität wird in weiten Teilen der südafrikanischen Gesellschaft offen gesprochen. Sein erster abendfüllender Kinofilm ist ein vielschichtiges Drama über das Verständnis von Männlichkeit in einem sozialen Umfeld, das Traditionen nicht nur pflegt, sondern sich auch an sie zu klammern scheint. Unaufgeregt inszeniert, doch in doppelter Hinsicht spannend, spielt sich die Handlung fast nur in der unberührt wirkenden Natur ab.

The Wound (OT) RSA/D/N/F 2016, 88 Min., R: John Trengove, D: Nakhane Touré, Bongile Mantsai, Niza Jay Ncoyini, Start: 14.9.

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