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„Die zwei Gesichter des Januars“ -Star Oscar Isaac im Interview

Oscar Isaac ist nach seinem Erfolg mit "Inside Llewyn Davis" der neue Star in Hollywood. Anlässlich seines jüngsten Films, der Highsmith-Verfilmung "Die zwei Gesichter des Januars", hat der tip mit ihm über Ruhm, Kreativität und schauspielerische Vorbilder gesprochen.

Mr. Isaac, gerade wurden sie in der neuen „Star Wars“-Trilogie besetzt, zuletzt entdeckte Sie das Publikum in „Inside Llewyn Davis“ – wie nehmen Sie Ihren Blitzaufstieg in Hollywood wahr?
Oscar Isaac: Der Übergang ist sanft, weil ich am Theater und in kleineren Rollen begonnen habe – ohne Plan und sicher nicht auf der Suche nach Ruhm. Natürlich will man mit den Besten arbeiten. Die Coens verehre ich seit meiner Jugend, und wenn eine Rolle wie Llewyn Davis kommt, denkst du nicht an dich selbst, sondern willst sie nur nicht enttäuschen oder ihren Film ruinieren. Es ist alles ein wenig surreal. Aber nicht so sehr, als würde es meine Sinne vernebeln. Die Größe von Rollen hat für mich weiter überhaupt nichts mit ihrer Wertigkeit zu tun. Mit Hossein Amini als Autor an meiner Figur von „Drive“ zu arbeiten, die im Drehbuch moralisch weniger grau angesetzt war, war nicht weniger kreativ, als bei „Die zwei Gesichter des Januars“ von ihm inszeniert zu werden.

Die Patricia-Highsmith-Adaption ist Hosseins Regiedebüt – was reizte Sie an der Rolle eines Gestrandeten in Griechenland, der durch zwei amerikanische Touristen ins Verbrechen gezogen wird?
Hoss bringt zunächst mal sein Gewicht als Autor mit – und ehrlich gesagt finde ich das Drehbuch zu „Die zwei Gesichter des Januars“ stärker als den Roman, alle Figuren besitzen jetzt mehr Schichten. Der Dreh mit Viggo Mortensen und Kirsten Dunst war einer Theaterinszenierung nicht unähnlich, weil wir alle mit unseren Figuren tanzen konnten. Die drei komplex verbundenen Figuren in „Die zwei Gesichter des Januars“ haben jeweils ihren eigenen Sinn für Moral. Zudem erleben wir sie oft in extrem privaten Situationen, fast unmaskiert, was schauspielerisch reizvolle Varianten bietet – jeder verhält sich öffentlich anders, als wenn er sich unbeobachtet wähnt. Die Kamera zu vergessen bei subtilen Veränderungen, ist der Trick.

Ist es Zufall, dass Rydal und Llewyn Davis Figuren sind, die zum Agieren gezwungen werden, weil sie unentwegt von Nackenschlägen erwischt werden? Beide sind im Verlauf der Filme zu bedauern in ihrer sympathischen Naivität, wenn es das Schicksal immer schlechter mit ihnen meint.
Trotzdem finde ich beide Figuren zeitlos, abgesehen vom nostalgischen Glühen der Ära, in der sie sich bewegen. Die reisenden Amerikaner in Europa aus „Die zwei Gesichter des Januars“ werden noch nicht als Bösewichte gesehen, man bewundert sie ein wenig als Helden des Zweiten Weltkrieges – und nimmt sie gern ein bisschen aus. Aber es stimmt: Rydal ist noch nicht fertig als Charakter, wenn wir ihn treffen. Der Film zeigt seinen durchs Dunkel tappenden Coming-of-Age-Weg. Ich weiß nicht, ob ich ihn mit Llewyn vergleichen würde, der Krisen doch eher ratlos begegnet. Aber als Schauspieler suche ich Figuren, die sich nicht auf hundert Meter Entfernung lesen lassen. Im Film erfahren wir bewusst sehr wenig über Rydals Vergangenheit. Und mir gefällt der Gedanke, dass er auch Rätsel beim Zuschauer hinterlässt.

Weiterlesen: Filmkritik und Trailer zu „Die zwei Gesichter des Januars“ 


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