Street Food

Dings Dums Dumplings in Kreuzberg

Dings Dums: Drei Berliner füllen Dumplings gegen die Lebensmittelverschwendung

Foto: Clemens Niedenthal

Manchmal kommt es eben einfach auf die richtige Verpackung an. Zugegeben, nicht für frische Lebensmittel, die gehören radikal unverpackt in den Korb, Rucksack oder Baumwollbeutel. Auf der Suche nach einem Gastronomiekonzept, das fast ausschließlich Lebensmittel verarbeitet, die ansonsten nicht mehr auf den Teller und erst recht nicht auf den Gaumen gekommen wären, sind drei junge Berliner Gründer mit gastronomischen Background oder zumindest einer kulinarischen Leidenschaft aber gerade bei einer Verpackungstechnik aus der asiatischen Küche gelandet. Dumplings, kunstvoll gefaltete Teigtaschen also, sind Ann-Kathrin Wohlrab und Mauritz und Jili­anne Schröder der Behälter, mit dem sich die Ernährungswende schon einmal ganz gut einleiten liese.

„Eigentlich“, so Mauritz Schröder, „waren wir auf der Suche nach einem Tool, um die tagtägliche Lebensmittelverschwendung jedes einzelnen von uns einzudämmen. Wir hatten etwa an einer App gebastelt, mit der man quasi Kühlschränke, also deren Inhalt, miteinander hätte vernetzen können.“ Zum unlösbaren Problem wurde der ungeheure logistische Aufwand. Also gingen die drei Lebensmittelretter erst einmal dorthin, wo tagtäglich große Mengen Lebensmittel verhandelt werden: zu den Groß- und Supermärkten.

Wohl gemerkt: Dings Dums Dumplings verarbeiten keine abgelaufen oder angewelkten Lebens­mittel. Die Drei kommen auch nicht vom „Containern“, jener ernährungspolitischen Subkultur, die sich Nacht für Nacht durch die Abfalltonnen unserer Supermärkte sammelt. Vielleicht sind sie sogar die typischen Entrepreneure der Generation Instagram. Junge Menschen, die irgendwas (selbst) machen wollen. Warum dann nicht gleich etwas Gutes?

Und so wird im Street-Food-Imbiss in der Wiener Straße nun die Dumplings gefaltet (1,50 bis 2,50 Euro pro Stück) und mit Bratwurst und Sauerkraut gefüllt. Oder mit Feta und Kimchi. Ein Fischcurry stand auch schon auf der fast täglich wechselnden Karte, oder Roastbeef samt Wildkräuterremoulade. Apropos: Geöffnet haben Dings Dums Dumplings vorerst an drei Tagen in der Woche, jeweils von Donnerstag bis Samstag und von mittags bis Mitternacht.

Dieser Aufwand ist nicht umsonst
Woher die geretteten Zutaten – Roter Bete und Roastbeef, Spargel bis Schweinebauch – kommen? Dings Dums arbeitet eng mit dem Leftover-Super­markt Sir Plus zusammen. Auch zwei Berliner Gastro-Grossisten kooperieren mit den Lebensmittelrettern. Angeboten werden Fehlkalkulationen, Überproduktionen oder, gerade beim Gemüse, Ware, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Kohlköpfe, die zu groß, Wurzelgemüse, die zu klein oder Karotten, die zu schief gewachsen sind. Geschenkt bekommt das junge Unternehmen die ­Produkte dabei nicht? In der Regel, so Mauritz Schröder, lägen ihre Einkaufspreise auf dem Niveau von Discounterprodukten: „Nur, dass wir dafür eben richtig gute Qualität bekommen“.

Vorschusslorbeeren haben die drei Unternehmensgründer schon geerntet, gerade gab es den Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Noch in diesem Jahr sollen die tiefgefrorenen Dump­lings zudem in Bio-Supermärkten und in einem eigenen Onlineshop angeboten werden. Als Convenience-Food, das man guten Gewissens essen kann.

Dings Dums Dumplings Wiener Str. 34, Kreuzberg, Do–Sa 12–0 Uhr, www.facebook.com/DingsDumsDumplings

 

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