Hip-Hop

DJ Shadow im Festsaal Kreuzberg

Griff in die Plattenbox: Auf dem neuen Album verknüpft DJ Shadow seine Sample-Kunst mit Live-Instrumenten

Foto: Derick Daily

Die Kunst des exzessiven Samplings erlebt momentan ein kleines ­Revival: Schuld daran ist die gleichzeitige Rückkehr der wichtigsten Köpfe des Genres – jeweils nach langer Auszeit: The Avalanches aus Australien und Josh Davis alias DJ Shadow brachten 2016 jeweils gelungene Comeback-Platten heraus. Beide stehen für die detailverliebte Kunst, ihre Sound-Fundstücke zu etwas wirklich Neuem zu verweben, in dem die einzelnen Fasern oft kaum noch auszumachen und zu isolieren sind.
Nebenbei wecken die neuen Alben alte Begeisterung; in DJ ­Shadows Fall an seinem Erstling „Endtroducing“ von 1996: ein kontinuierliches Stück Kopfkino, das auf rauen Straßen und in schummerigen Jazzclubs spielte, mit starker Atmosphäre.
In der Folge hatte es Davis nicht leicht – wie so viele Musiker, die stets an ihrem frühen Meilenstein gemessen werden. Doch hat sich der Kalifornier nie aus der Ruhe bringen lassen. Statt hippe Genres wie Dubstep aufzugreifen oder Stars als Gäste anzuheuern, blieb Davis abseits populärer Strömungen; zuletzt spielten Live-Instrumente und Vokal-Einsätze eine verstärkte Rolle. Auf seinem neuen fünften Album, „The Mountain Will Fall“, tariert der 44-Jährige inspiriert Twang-Gitarren und Streicher, Psychedelic-Rock, Rap und Spoken-Word-Elemente aus – und natürlich eine Menge skurriler Samples, für die er in abgegriffenen Plattenkisten fündig wurde. „Wherever people aren’t looking, I’m looking“, resümierte er unlängst. Im Kern ist Shadow ein Musik-Nerd geblieben, der aus Versehen einen Klassiker produziert hat.

Festsaal Kreuzberg Am Flutgraben 2, Treptow, So 17.9., 20 Uhr, VVK 30 €