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Du bist Berlin: Marko Djurdjevic – Der Ästhet

Seine Cover für den Marvel-Verlag elektrisiert regelmäßig die internationale Comic-Szene. Dabei geht Marko Djurdjevic zu den Superhelden gern auf Distanz.

Marko Dramatisch ineinander verkrallte Männer, durch die Luft wirbelnde Männer, Männer gegen Monstren, Männer mit sinistren Blicken. Die Welt der Superhelde war und ist männlich. Mit tragischem Ernst gehen sie auf den Titelblättern der Serien-Comics ihren oft tödlichen Geschäften nach. Männlich sind nicht nur die Protagonisten, männlich ist auch das Publikum. Und männlich sind zumeist ihre Schöpfer.
Einer dieser Zeichner ist der 31-jährige Marko Djurdjevic, der seit vier Jahren mit großem Erfolg für den US-amerikanischen Comicheft-Verlag Marvel Superhelden-Cover kreiert. Ungefähr genauso lange wohnt der 1979 in Süddeutschland geborene Sohn serbischer Eltern nach längerem USA-Aufenthalt in Berlin, nach einem Umzug aus dem Westen der Stadt nun mitten im kinderseeligen Prenzlauer Berg. Unter motivsuchenden Aspekten also keine natürliche Wahl. Wenn Djurdjevic aus seinem Atelier auf die Straße blickt, dominieren schicke Mütter mit To-go-Getränken das Bild.Marko
Drinnen ringen dagegen schwer bewaffnete Figuren wie die Sagengestalten Odin und Thor um die Vorherrschaft. „Thor“ ist diejenige Serie, mit der Djurdevic nach Meinung seiner Fans endgültig in den Himmel der Comic-Illustratoren aufgestiegen ist. Die nordische Gottheit ist ohne Frage eine glückliche Fügung für den an klassischer Malerei geschulten Zeichner.
Die Wucht der Zerstörung, die der beschleunigte Hammer des Sagenhaften auslöst, scheint sehr gut mit seinem auf naturalistische Weise auffällig dynamischen Stil zu harmonieren. Erstmalig hat er für „Thor“ sogar eine ganze Folge bebildert, wegen ihrer naturgegebenen Präsenz, so sagt er es. Er bevorzugt aber durchaus eitel weiterhin die Produktion von Covern.
MarkoTatsächlich heben sich seine ausdifferenzierten Mimiken und Gesten sichtlich von anderen Arbeiten ab. Wobei die fertig kolorierten Seiten zwar an Plastizität gewinnen, aber einiges von der ursprünglichen Genauigkeit und Dynamik der Bleistiftzeichnungen einbüßen.
In Opposition zu der aus den Fugen geratenen, explodierenden Männerwelt scheint auf den ersten Blick sein vor kurzem eröffnetes Galerie-Laden-Projekt sixmorevodka zu stehen, in dem er zur Zeit Arbeiten und Bücher von sich und von befreundeten Künstlern ausstellt und verkauft. Anders als die Bilder sind die Räume in der Winsstraße ausgesprochen geradlinig und übersichtlich. Das vorherrschende Schwarzweiß wird lediglich von einem schmalen Magentastreifen am Tresen durchbrochen, hinter dem tatsächlich literweise namengebender Wodka auf den Verzehr durch Freunde und Besucher wartet. Beim vormittaglichen Gespräch wurde dann allerdings doch nur Wasser gereicht.
Diese professionelle Atmosphäre, der erkennbare Wille zur Ästhetisierung zeichnen auf den zweiten Blick dann aber doch das Tun Djurdjevics insgesamt aus. So pflegt er zum Superhelden-Comic ein erstaunlich distanziert-pragmatisches Verhältnis, der Vertrag mit Marvel ermöglicht ihm vor allem eine finanziell gut abgesicherte Existenz. Das unterscheidet ihn fraglos von anderen Berliner Comic-Zeichnern, zu denen Marko Djurdjevic, der in den USA unter anderem als Illustrator und Character-Designer für Computerspiele gearbeitet hat, eher keine Kontakte pflegt.
Ohnehin waren es nicht berufliche Gründe, die ihn nach Berlin gebracht haben. So prekär die Lebenssituation seiner Figuren sein mag: Der Zeichner mit dem Ziegenbart bevorzugt gesicherte Verhältnisse für seine Familie und sich. Seit anderthalb Jahren ist Djurdjevic Vater eines Sohnes.
Obwohl er betont, wie wichtig ihm die Anonymität von Deutschlands einziger Großstadt ist, genießt er mit Frau und Kind ganz offensichtlich die als Bionade-Biedermeier geziehene saturierte Kuscheligkeit der Prenzlauer Bergs. Und ist das nicht letztlich auch die überschaubare heile Welt, für die zumindest die Superhelden der ersten Generation gekämpft haben?

Text: Katja Lüthge

Fotos: Benjamin Pritzkuleit

www.sixmorevodka.com

 

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