Ed Sheeran im Heimathafen Neukölln

Ed Sheeran

Wer die Sheerans treffen möchte, findet die Familie aus Suffolk leicht im Netz: bei Facebook und Twitter, mit Webseiten und Online-Shops: Vater John, Kunsthistoriker, postet Termine seiner nächsten Vorträge, Sohn Matthew präsentiert eigene klassische Musikstücke via Youtube; derweil bietet Mutter Imogen selbst gemachten Schmuck aus Filz und Fimo feil mit Motiven, zu denen sie die Songs des jüngsten Sprosses inspirierten: Ed Sheeran. In seiner internetaffinen Familie hat der 21-jährige Charts-Stürmer klar die Nase vorn. Sein Debütalbum „+“ verbuchte die höchsten digitalen Absatzzahlen eines Erstlingsalbums aller Zeiten; und von seiner EP mit britischen Grime-Rappern wie Wiley und Sway setzte der Rotschopf mit dem freundlichen breiten Gesicht 7?000 Downloads in nur einer Woche ab – ohne externe Promotion. Verkuppelt mit unermüdlichem Live-Spielen tobt in England längst eine ausgewachsene „Edmania“. Dabei bietet das Album „+“ im Grunde wenig, was man nicht so ähnlich schon oft gehört hätte. Stücke wie die sozialrealistische Hitballade „The A Team“ etwa könnten sich auch auf den Platten anderer zarter Barden finden wie Jack Johnson oder James Morrison. Wenig weicht sein milder, von Laptop-Beats flankierter Akustikpop noch vom Mainstream ab, und auch die gelegentlich bemühte Perspektive eines joint­rauchenden Ghetto-Poeten mag man dem Jungstar kaum abnehmen. Da passt schon eher das knuffige Armbändchen, das Ed gern bei Auftritten trägt: eine Kreation aus der Werkstatt der Mama.

Text: Ulrike Rechel

Ed Sheeran, Heimathafen Neukölln, Mo 5.3., 20 Uhr (ausverkauft)

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